Klage abgewiesen

"Österreich" blitzt gegen "Kurier" ab

14. November 2011, 18:05

Die sinngemäße Behauptung Brandstätters, die Berichterstattung des Fellner-Blattes sei von Inseraten beeinflusst, ist für Erstgericht kein "Wertungsexzess"

Wien - "Kurier"-Chefredakteur Helmut Brandstätter erzielte am Wiener Handelsgericht einen Erfolg in seiner Auseinandersetzung mit der Tageszeitung "Österreich". Dem nicht rechtskräftigen Spruch zufolge darf Brandstätter sinngemäß behaupten, die Berichterstattung des Fellner-Blatts über den Krisen-Gipfel der EU in Brüssel im vergangenen Juli wäre durch ein Inserat des Bundeskanzleramts inhaltlich beeinflusst gewesen. Eine entsprechende Klage der Mediengruppe "Österreich" mit einem Streitwert von 122.000 Euro wurde abgewiesen.

"Österreich" hatte vor dem Handelsgericht auf Unterlassung, Schadenersatz und Widerruf der Unterstellung geklagt, die Gipfel-Berichterstattung des Fellner-Blatts sei durch ein Inserat des Bundeskanzleramtes "erkauft" worden. Dies hatte Brandstätter sinngemäß in einem Video-Kommentar auf der Website des "Kurier" behauptet, der auch auf dem Video-Portal Youtube platziert wurde. In der Print-Ausgabe des "Kurier" hieß es am 1. August, einige Ministerien hätten zuletzt "massiv" bei "Österreich" inseriert, was "Jubelgeschichten nach dem Motto 'Der Bundeskanzler hat den EU-Gipfel gerettet'" zur Folge gehabt habe.

Die "Österreich"-Gruppe wertete dies als ehrenbeleidigende und kreditschädigende Äußerungen. Die Berichterstattung werde selbstverständlich von niemandem außerhalb der Redaktion beeinflusst.

Kein "Wertungsexzess"

Richterin Christine Mautner-Markhof sah das anders. Bei der inkriminierten Passage handle es sich um "keine einem Beweis zugängliche Tatsachenbehauptung, sondern eine reine Wertung" Brandstätters, die als sogenanntes Werturteil zu qualifizieren sei. Für die Richterin war dieses noch rechtlich gedeckt. "Unter Berücksichtigung des Umstandes, dass tatsächlich ein Inserat geschaltet wurde und die Klägerin mit ihrer doch eher einseitigen Berichterstattung die Reaktion der Beklagten herausgefordert hat, sind die Grenzen zulässiger Kritik nicht überschritten worden", ist dem Urteil zu entnehmen. Der Rolle der Medien als "public watchdog" sei es "immanent, Kritik zu äußern, sofern kein massiver Wertungsexzess vorliegt. Das war hier nicht der Fall." (APA)

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17 Postings
Lupo71
01
15.11.2011, 15:40
Jetzt erst recht!

Es ist immer schwer, sich ein Bild von einem Menschen zu machen wenn man Ihn nicht persönlich kennt. So geht es mir auch mit dem Herrn Brandstätter. Seinen Einfluss auf den Kurier sehe ich allerdings sehr deutlich. Und der gefällt mir gar nicht. Der Kurier war früher für mich eine eher ausgewogene und halbwegs seriöse Zeitung. Die Ausgewogenheit ist seit Brandstätter dahin. Irgendwie schaut der Kurier jetzt aus, wie die Presse für noch einfachere Gemüter.

Aber als ziemliche Frechheit empfinde ich die "Jetzt erst recht"-Haltung bezüglich Inseratenkampagne. Wie hat der Brandstätter da aufgeschrien. Und dann. Fast jeden Tag lacht mich eine ganze Seite entgeltlicher Einschaltung unseres Lebens-Ministeriums entgegen. Natürlich mit Niki...

Lupo71
00
15.11.2011, 15:45
Fortsetzung "Jetzt erst recht!"

... dem Hans-Dampf in allen Wäldern und auf allen Feldern. Kommt mir so vor, wie wenn Sich Brandstätter denkt, "Jetzt hama die rote Propaganda angschossn. Und jetzt zeig ma erna, das uns gern ham können und machen des gleiche in schwarz. Damits wissen wo der Hammer hängt. So da."

Im übrigen habe ich bisher noch keinerlei Nutzen aus den Inseraten des Lebensministeriums ziehen können? Was kostet so eine ganze Seite im Kurier eigentlich? Schließlich zahle ich da ja mit
lg

Briefmarkenkleber
10
15.11.2011, 09:22
Mi fällt übrigens das gleiche bei der Sandart auf.

Wo man zumindest auf einen Qualitätsexzess verzichtet.

cyrus virus
30
15.11.2011, 09:22
Mit diesen Eitelkeiten

zweier angezählter Chefredakteure müssen sich die österreichischen Gerichte permanent beschäftigen und blockieren damit wichtigere Verfahren. Es verlieren letztlich alle, ausser die Anwälte.

Hlsebastian
02
15.11.2011, 09:01
Sehr gut.

peace & love
03
15.11.2011, 06:33
seltsam, dass der staat einer zeitung diesen namen durchgehen lässt.

Facialbook
80
15.11.2011, 01:48
Fellner hat (leider) Recht.

Der gerichtlich nunmehr so zu bezeichnende Bettnässer zettelt eine Diskussion an, die für die ganze Branche verheerend ist. Und er will Politik machen anstatt Journalismus zu betreiben. Da bleibt nur verbrannte Erde für alle zurück.

thomasthomasthomas
00
15.11.2011, 13:54
Das ist nicht für die Branche verheerend,

sondern allenfalls für die Medien, deren Geschäftsmodell auf dem Prinzip "Steuergeld gegen Jubelberichterstattung" beruht.

Nebenbei gefragt: Gibt es eigentlich Leute, die "Österreich" tatsächlich kaufen? Oder wird die Leserschaft nach wie vor über die in den öffentlichen Verkehrsmitteln herumliegenden Gratisexemplare rekrutiert?

Silvio Lackner
11
15.11.2011, 00:00
Ein Trauerspiel.

Österreich ist rettungslos verfilzt. Die einen mit den Roten, die anderen mit den Schwarzen. Wer diese Blätter, die auf bestellung schreiben, liest, der unterzieht sich freiwilig einer Gehrinwäsche.

werwolfi
016
14.11.2011, 22:46

Die Frage ist vielmehr:
Wie kann allen Ernstes jemand ohne an konvulsivischen Lachkrämpfen zu verenden einen Artikel verfassen, in dem steht “Bundeskanzler rettet EU-Gipfel“ ?

Jesus Christ Superstar
01
15.11.2011, 12:14

die beste frage zu dem thema!

erkelteter tiger
24
14.11.2011, 21:54
ohne faymann kein gossenblatt österreich

da hat brandstätter der övp-kläffer schon recht,

dass der kurier, nicht besser als die gossenblätter, ohne regierungsinserate wohl auch nicht lebensfähig wäre, oder eben ganz von raiffeisen finanziert werden müsste, ist aber auch klar

Briefmarkenkleber
00
15.11.2011, 15:21

ohne grünen keine sandart.

Facialbook
05
14.11.2011, 19:46
SPÖ vs. Raiffeisen,

das ist Brutalität.

hugolino
 
110
14.11.2011, 21:10

und das ist auch der unterschied zwischen raiffeisen und der spö: die spö ist eine partei, die sich eine bank und zeitungen leistet (geleistet hat), während raiffeisen eine bank ist, die sich eine partei und zeitungen leistet...

Jesus Christ Superstar
00
15.11.2011, 12:15

herzlichen dank für diese klarstellung. erstaunlich, dass die poster in diesem forum den unterschied immer noch nicht geschnallt haben.

William Bonney
01
14.11.2011, 19:38
brandys erste exklusivstory

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