"Kulturmäßige Unterhaltung" mit Sturmgewehr in Wien

14. November 2011, 17:45
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Schlägertrupp misshandelte Polizist - der mit Rotlichtkontakten gedroht haben soll

Wien - "Wir wollten uns kulturmäßig unterhalten", sagt der Angeklagte Peter H. im Wiener Straflandesgericht. Für die kulturelle Note sorgten vier "Bekannte" des Angeklagten, die mit Sturmgewehr, Masken und Handschuhen samt eingenähten Metallstücken dazugekommen waren.

Die Unterhaltung fand im Haus einer russischen Geschäftsfrau statt - jene hatte früher mit ihrem Mann in einer Korneuburger Villa gelebt. Doch als jener starb, gab es nur eines zu erben: Schulden.

In der Not machte die Witwe neue Schulden - borgte sich von mehreren Männern hohe Beträge aus, verpfändete Schmuck und Pelzmäntel und gab die Pfandscheine als Sicherheiten her.

Wegen Unterweltkontakte vor Gericht

Einer ihrer Geldgeber war Franz P., der dafür allerdings 17 Prozent Zinsen verlangt haben soll. Und als Franz P. zu Ohren kam, dass die Witwe ihre Villa in Korneuburg verkauft habe, soll er die 51-Jährige zur Rückzahlung gedrängt und ihr schließlich mit Freunden aus der Unterwelt gedroht haben.

Dabei ist Franz P. ein ranghoher Wiener Polizeioffizier - allerdings ein suspendierter. Franz P. war diesen Februar im Wiener Landesgericht selbst als Angeklagter vor dem Richter gestanden, wegen genau jener Unterweltkontakte. Franz P. soll Wiener Rotlichtgrößen vor dem Zugriff der Polizei geschützt haben. Er wurde wegen Amtsmissbrauchs, Nötigung unter Ausnützung seiner Amtsstellung, Verletzung des Amtsgeheimnisses, Betrugs und versuchter Bestimmung zur falschen Zeugenaussage zu 18 Monaten bedingt verurteilt. Sollte dieses Urteil rechtskräftig werden, hätte dies den automatischen Amtsverlust zur Folge.

Jener Franz P. war also am 5. Mai in das Haus der russischen Geschäftsfrau in Wien-Donaustadt gekommen. Doch jene hatte diesmal vorgesorgt und den Slowaken Peter H. um Hilfe gebeten. Dieser hatte vier Männer organisiert, "flüchtige Bekannte, solche, die man als slowakischer Geschäftsmann halt kennt".

Sprung durch Terrassentüre

Als die Unterredung lauter wurde, sollen diese vier maskierten Männer laut Anklage Franz P. geprügelt, getreten und versucht haben ihn ans Bett zu fesseln. Als sich Franz P. heftig zur Wehr setzte, musste er sich hinknien, seine Taschen leeren und seine Armbanduhr hergeben. Danach richtete einer der Männer ein Sturmgewehr auf den Polizisten.

Franz P. versuchte sich mit einem Sprung durch die Glasscheibe der Terrassentüre zu retten - wurde aber vom Gehsteig wieder ins Haus gezerrt. Eine von Nachbarn alarmierte Funkstreife kam Franz P. schließlich zu Hilfe.

Peter H. sagt nun, Franz P. habe nur "ein paar auf die Nase" bekommen, und seine Freunde - die nie gefasst werden konnten - hätten nur die Witwe beschützen wollen.

Der Prozess wird Mitte Dezember zur weiteren Beweisaufnahme fortgesetzt. (Roman David-Feihsl, DER STANDARD-Printausgabe, 15.11.2011)

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