Die DFB-Elf möchte endlich wieder einen Erfolg zum Jahresabschluss, doch just im Duell mit Deutschland wollen auch die Oranje-Stars Wiedergutmachung bei ihren Fans betreiben
Hamburg - Das Torjäger-Duo Miroslav Klose und Mario Gomez testen, zum ersten Mal seit 2004 wieder das letzte Spiel des Jahres gewinnen und Bundestrainer Joachim Löw ein erfolgreiches Jubiläum bescheren: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft plant beim Klassiker gegen den Vize-Weltmeister Niederlande am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) in Hamburg nach dem Sieg gegen Brasilien im August einen weiteren Achtungserfolg gegen einen "Großen" des internationalen Fußballs.
"Wir haben keine Angst und wollen das Prestigeduell gegen die Niederlande zum Jahresabschluss unbedingt gewinnen. Es ist eine große Herausforderung, gegen die Nummer zwei der Welt zu spielen. Ich erwarte eine offensive und interessante Partie", sagte Löw, der gegen die Niederlande seit seinem Amtsantritt im August 2006 bereits zum 75. Mal als Bundestrainer in der Verantwortung steht. Doch das Dienstjubiläum interessierte den 51-Jährigen am Montag nicht: "Mit dem Jubiläum beschäftige ich mich nicht. Das sagt mir gar nichts."
Mit Neuer im Tor
Die Nationalspieler würden ihrem Chef derweil liebend gerne einen Sieg zum Jubiläum und zum Saisonende spendieren. "Zum Jahresabschluss wollen wir gegen die Niederlande gewinnen. Bei der Nationalelf ist schließlich jedes Spiel wichtig. Und beim Auftritt gegen Brasilien hat man ja auch nicht gesehen, dass es nur ein Testspiel war", sagte Keeper Manuel Neuer, der gegen den Weltranglisten-Zweiten nach seiner Pause gegen die Ukraine (3:3) ins DFB-Team zurückkehren wird.
Klose und Gomez
Ebenso wie Italien-Legionär Klose, der nach überstandener Sehnenreizung im Knie zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren wieder an der Seite von Deutschlands Liga-Top-Torjäger Gomez spielen wird. Zuletzt spielten Lazio-Angreifer Klose und Bayern-Stürmer Gomez am 12. August 2009 beim 2:0 der DFB-Auswahl in Aserbaidschan gemeinsam im Sturm. Klose traf damals auch. Löw wird dementsprechend in seinem 75. Spiel auch gegen den Erzrivalen eine Änderung vom normalen 4-2-3-1- auf eine 4-4-2-System vornehmen.
"Es wird ein technisch anspruchsvolleres Spiel als gegen die Ukraine. Wir werden auf jeden Fall taktisch so offensiv wie möglich spielen. Auch da die Spielweise der Niederländer absolut offensiv ausgerichtet ist, wird das sicher eine sehr interessante und offene Partie", sagte Löw, der nach dem Remis in der Ukraine in der Defensive allerdings nicht erneut mit einer Dreierkette spielen wird.
"Gradmesser"
Grundsätzlich sieht der Bundestrainer die Partie gegen die Niederländer mit Blick auf die Titel-Mission bei der EURO 2012 in Polen und der Ukraine als "wichtigen Gradmesser". "Holland ist eine absolute Spitzenmannschaft in Europa. Das ist ein Team, das von der Ausbildung her kaum zu übertreffen ist. Sie beherrschen ihr System, ihre Spielweise ist automatisiert", sagte Löw.
Für den DFB-Trainer ist das Prestigeduell gegen das spielstarke Nachbarland ein wichtiger Test. Neben dem Angriffs-Duo Klose/Gomez steht vor allem die Abwehr im Blickpunkt. So wird Innenverteidiger Per Mertesacker vom FC Arsenal voraussichtlich an der Seite von Münchens Holger Badstuber beginnen. Auf der rechten Außenbahn sind Jerome Boateng und Benedikt Höwedes die Kandidaten. Auf der linken Seite wird erneut der Hamburger Dennis Aogo den aktuell geschonten DFB-Kapitän Philipp Lahm vertreten.
Experimentierphase
Ohnehin befindet sich die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum Ende des Jahres 2011 noch in der Experimentierphase. "Wir haben unser neues System noch nicht so verinnerlicht. Gegen die Niederlande werden wir zwar nicht mit einer Dreierkette spielen, aber trotzdem will ich einige Varianten sehen", sagte Löw.
Für die Oranje-Stars geht es am Dienstag trotz Zuckerpässen, Übersteigern und Zaubertoren in der
EM-Qualifikation, in der die Niederländer in zehn Spielen neun Siege und
beachtliche 37 Tore verbuchten vor allem um eines - Wiedergutmachung. Doch
ausgerechnet vor dem Jahresabschluss gegen den Erzrivalen Deutschland
sind Niederlandes Kannoniere aus dem Tritt geraten. Beim 0:0 gegen die
Schweiz gab es Pfiffe vom eigenen Publikum.
Pfiffe in Amsterdam
"Das
ist wieder typisch holländisch, das haben die Jungs nicht verdient",
sagte Bondscoach Bert van Marwijk, nachdem sein Team am Freitag mit
einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabine verabschiedet worden war.
Etwas diplomatischer drückte es sein Kapitän aus. "Das Pfeiffkonzert in
Amsterdam zeigt, dass das Publikum von uns viel erwartet", sagte Mark
van Bommel.
Der Ex-Bayern-Profi gehört zu einer neuen goldenen
Fußballer-Generation, die nach der Vize-Weltmeisterschaft im vergangenen
Jahr endlich wieder einen Titel in die Niederlande
holen soll. Immerhin 23 Jahre liegt der einzige große Erfolg - der
Gewinn der Europameisterschaft 1988 in Deutschland inzwischen zurück.
"Die
Holländer schaffen es als kleines Land, permanent 20 bis 30 Spieler in
der Weltspitze, bei Klubs wie Barcelona oder Arsenal, zu haben", sagte
Bundestrainer Joachim Löw voller Hochachtung über den Nachbarn: "Die
können alle eins gegen eins gehen."
Emotionen
Van Bommel weiß um die
Bedeutung des Spiels gegen das deutsche Team von Trainer Joachim Löw.
"Freundschaftsspiele gibt es heute nicht mehr, erst recht nicht gegen
Deutschland", sagte der 34-jährige Mittelfeldspieler und ergänzt: "Da
spielen viele Emotionen mit."
Die Fans der Elftal erwarten nach
dem trost- und torlosen Remis gegen die Schweiz am vergangenen Freitag
wieder das andere Gesicht ihres Teams - das torhungrige, das
erfolgreiche. "Wir werden auf niederländische Manier gegen Deutschland
spielen", sagte van Bommel und versprach damit eine Rückkehr zum
Offensiv-Fußball der EM-Qualifikation.
Trainer van Marwijk kann
dabei wieder auf die Dienste seines "Hunters" Klaas-Jan Huntelaar
setzen. Der Schalker Torjäger, der in 19 Pflichtspielen bereits 21-mal
für Schalke getroffen hat, möchte im Länderspiel-Klassiker trotz seines
Nasenbeinbruchs als Maskenmann auflaufen. "An die Maske habe ich mich
gewöhnt", sagte der Angreifer der Königsblauen, nachdem er gegen die
Schweiz noch hatte zusehen müssen.
Niederlande ohne Rafael van
der Vaart und Robin van Persie
Gegen Deutschland nicht dabei
ist Rafael van
der Vaart. Der Spielmacher von Tottenham Hotspur, der von 2005 bis 2008
beim HSV unter Vertrag gestanden hatte, erlitt im Spiel gegen die
Schweiz eine Oberschenkelverletzung und reiste zurück nach London. Neben Van
der Vaart und Bayern-Star Arjen Robben wird auch
Arsenal-Stürmer Robin van Persie in Hamburg fehlen. Der Top-Torschütze
der Premier League wird nach Absprache mit seinem Klub-Trainer Arséne
Wenger nicht eingesetzt.
Auch ohne die beiden Offensivkünstler
muss sich die deutsche Elf am Dienstag auf einen heißen Tanz gefasst
machen. "Gegen einen Weltklassegegner wie Deutschland werden wir besser
spielen. Da sind wir anders motiviert", versprach Liverpool-Profi Dirk
Kuyt. Ein Sieg gegen den Erzrivalen wäre für die niederländischen Fans
mit Sicherheit die beste Wiedergutmachung. (SID/red)