Brisantes Prestigeduell in Hamburg

14. November 2011, 18:36
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Die DFB-Elf möchte endlich wieder einen Erfolg zum Jahresabschluss, doch just im Duell mit Deutschland wollen auch die Oranje-Stars Wiedergutmachung bei ihren Fans betreiben

Hamburg - Das Torjäger-Duo Miroslav Klose und Mario Gomez testen, zum ersten Mal seit 2004 wieder das letzte Spiel des Jahres gewinnen und Bundestrainer Joachim Löw ein erfolgreiches Jubiläum bescheren: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft plant beim Klassiker gegen den Vize-Weltmeister Niederlande am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) in Hamburg nach dem Sieg gegen Brasilien im August einen weiteren Achtungserfolg gegen einen "Großen" des internationalen Fußballs.

"Wir haben keine Angst und wollen das Prestigeduell gegen die Niederlande zum Jahresabschluss unbedingt gewinnen. Es ist eine große Herausforderung, gegen die Nummer zwei der Welt zu spielen. Ich erwarte eine offensive und interessante Partie", sagte Löw, der gegen die Niederlande seit seinem Amtsantritt im August 2006 bereits zum 75. Mal als Bundestrainer in der Verantwortung steht. Doch das Dienstjubiläum interessierte den 51-Jährigen am Montag nicht: "Mit dem Jubiläum beschäftige ich mich nicht. Das sagt mir gar nichts."

Mit Neuer im Tor

Die Nationalspieler würden ihrem Chef derweil liebend gerne einen Sieg zum Jubiläum und zum Saisonende spendieren. "Zum Jahresabschluss wollen wir gegen die Niederlande gewinnen. Bei der Nationalelf ist schließlich jedes Spiel wichtig. Und beim Auftritt gegen Brasilien hat man ja auch nicht gesehen, dass es nur ein Testspiel war", sagte Keeper Manuel Neuer, der gegen den Weltranglisten-Zweiten nach seiner Pause gegen die Ukraine (3:3) ins DFB-Team zurückkehren wird.

Klose und Gomez

Ebenso wie Italien-Legionär Klose, der nach überstandener Sehnenreizung im Knie zum ersten Mal seit mehr als zwei Jahren wieder an der Seite von Deutschlands Liga-Top-Torjäger Gomez spielen wird. Zuletzt spielten Lazio-Angreifer Klose und Bayern-Stürmer Gomez am 12. August 2009 beim 2:0 der DFB-Auswahl in Aserbaidschan gemeinsam im Sturm. Klose traf damals auch. Löw wird dementsprechend in seinem 75. Spiel auch gegen den Erzrivalen eine Änderung vom normalen 4-2-3-1- auf eine 4-4-2-System vornehmen.

"Es wird ein technisch anspruchsvolleres Spiel als gegen die Ukraine. Wir werden auf jeden Fall taktisch so offensiv wie möglich spielen. Auch da die Spielweise der Niederländer absolut offensiv ausgerichtet ist, wird das sicher eine sehr interessante und offene Partie", sagte Löw, der nach dem Remis in der Ukraine in der Defensive allerdings nicht erneut mit einer Dreierkette spielen wird.

"Gradmesser"

Grundsätzlich sieht der Bundestrainer die Partie gegen die Niederländer mit Blick auf die Titel-Mission bei der EURO 2012 in Polen und der Ukraine als "wichtigen Gradmesser". "Holland ist eine absolute Spitzenmannschaft in Europa. Das ist ein Team, das von der Ausbildung her kaum zu übertreffen ist. Sie beherrschen ihr System, ihre Spielweise ist automatisiert", sagte Löw.

Für den DFB-Trainer ist das Prestigeduell gegen das spielstarke Nachbarland ein wichtiger Test. Neben dem Angriffs-Duo Klose/Gomez steht vor allem die Abwehr im Blickpunkt. So wird Innenverteidiger Per Mertesacker vom FC Arsenal voraussichtlich an der Seite von Münchens Holger Badstuber beginnen. Auf der rechten Außenbahn sind Jerome Boateng und Benedikt Höwedes die Kandidaten. Auf der linken Seite wird erneut der Hamburger Dennis Aogo den aktuell geschonten DFB-Kapitän Philipp Lahm vertreten.

Experimentierphase

Ohnehin befindet sich die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zum Ende des Jahres 2011 noch in der Experimentierphase. "Wir haben unser neues System noch nicht so verinnerlicht. Gegen die Niederlande werden wir zwar nicht mit einer Dreierkette spielen, aber trotzdem will ich einige Varianten sehen", sagte Löw.

Für die Oranje-Stars geht es am Dienstag trotz Zuckerpässen, Übersteigern und  Zaubertoren in der EM-Qualifikation, in der die Niederländer in zehn Spielen neun Siege und beachtliche 37 Tore verbuchten vor allem um eines - Wiedergutmachung. Doch ausgerechnet vor dem Jahresabschluss gegen den Erzrivalen Deutschland sind Niederlandes Kannoniere aus dem Tritt geraten. Beim 0:0 gegen die Schweiz gab es Pfiffe vom eigenen Publikum. 

Pfiffe in Amsterdam

"Das ist wieder typisch holländisch, das haben die Jungs nicht verdient", sagte Bondscoach Bert van Marwijk, nachdem sein Team am Freitag mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabine verabschiedet worden war. Etwas diplomatischer drückte es sein Kapitän aus. "Das Pfeiffkonzert in Amsterdam zeigt, dass das Publikum von uns viel erwartet", sagte Mark van Bommel.

Der Ex-Bayern-Profi gehört zu einer neuen goldenen Fußballer-Generation, die nach der Vize-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr endlich wieder einen Titel in die Niederlande holen soll. Immerhin 23 Jahre liegt der einzige große Erfolg - der Gewinn der Europameisterschaft 1988 in Deutschland inzwischen zurück.

"Die Holländer schaffen es als kleines Land, permanent 20 bis 30 Spieler in der Weltspitze, bei Klubs wie Barcelona oder Arsenal, zu haben", sagte Bundestrainer Joachim Löw voller Hochachtung über den Nachbarn: "Die können alle eins gegen eins gehen."

Emotionen

Van Bommel weiß um die Bedeutung des Spiels gegen das deutsche Team von Trainer Joachim Löw. "Freundschaftsspiele gibt es heute nicht mehr, erst recht nicht gegen Deutschland", sagte der 34-jährige Mittelfeldspieler und ergänzt: "Da spielen viele Emotionen mit."

Die Fans der Elftal erwarten nach dem trost- und torlosen Remis gegen die Schweiz am vergangenen Freitag wieder das andere Gesicht ihres Teams - das torhungrige, das erfolgreiche. "Wir werden auf niederländische Manier gegen Deutschland spielen", sagte van Bommel und versprach damit eine Rückkehr zum Offensiv-Fußball der EM-Qualifikation.

Trainer van Marwijk kann dabei wieder auf die Dienste seines "Hunters" Klaas-Jan Huntelaar setzen. Der Schalker Torjäger, der in 19 Pflichtspielen bereits 21-mal für Schalke getroffen hat, möchte im Länderspiel-Klassiker trotz seines Nasenbeinbruchs als Maskenmann auflaufen. "An die Maske habe ich mich gewöhnt", sagte der Angreifer der Königsblauen, nachdem er gegen die Schweiz noch hatte zusehen müssen.

Niederlande ohne Rafael van der Vaart und Robin van Persie

Gegen Deutschland nicht dabei ist Rafael van der Vaart. Der Spielmacher von Tottenham Hotspur, der von 2005 bis 2008 beim HSV unter Vertrag gestanden hatte, erlitt im Spiel gegen die Schweiz eine Oberschenkelverletzung und reiste zurück nach London. Neben Van der Vaart und Bayern-Star Arjen Robben wird auch Arsenal-Stürmer Robin van Persie in Hamburg fehlen. Der Top-Torschütze der Premier League wird nach Absprache mit seinem Klub-Trainer Arséne Wenger nicht eingesetzt.

Auch ohne die beiden Offensivkünstler muss sich die deutsche Elf am Dienstag auf einen heißen Tanz gefasst machen. "Gegen einen Weltklassegegner wie Deutschland werden wir besser spielen. Da sind wir anders motiviert", versprach Liverpool-Profi Dirk Kuyt. Ein Sieg gegen den Erzrivalen wäre für die niederländischen Fans mit Sicherheit die beste Wiedergutmachung. (SID/red)

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    Deutschlands Team läuft am Dienstag zum Prestigeduell gegen die Niederlande auf.

  • Die Oranjes wollen "anders motiviert" auftreten als gegen die Schweiz.
    foto: epa/robin utrecht

    Die Oranjes wollen "anders motiviert" auftreten als gegen die Schweiz.

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    Klaas-Jan Huntelaarmit Maske.

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