Österreichs Milliardenbeitrag zur Rettung der Euro-Krisenländer

14. November 2011, 18:21
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Die europäischen Rettungsbemühungen sind mit Summen verbunden, die kaum vorstellbar sind - eine Zusammenschau

Die europäischen Rettungsbemühungen sind mit Summen verbunden, die kaum vorstellbar sind. Ein STANDARD-Überblick über die bisher von Österreich eingegangenen Risiken.

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Wien - Mit gigantischen Milliarden-Beträgen wird seit Ausbruch der europäischen Schuldenkrise nur so um sich geworfen. Griechenland bekommt nochmals 100 Milliarden Euro, der Rettungsschirm wird dauerhaft auf 700 Milliarden aufgestockt und soll über diverse Hebel gar ein Vielfaches davon stemmen können. Gleichzeitig springt auch die Europäische Zentralbank (EZB) als Krisenfeuerwehr ein. Bei all diesen Zahlen ist es schwierig, noch zu den Überblick zu behalten, welche Risiken Österreich eingegangen ist. Der Versuch, etwas Licht ins Dunkel zu bringen:

- Griechenland 1: Was viele schon vergessen haben: Griechenland bekam bisher nur bilaterale Kredite der EU-Staaten und vom Internationalen Währungsfonds (IWF), für die es im Gegenzug Zinsen zahlt. Als die ersten Hilfen nötig wurden, gab es nämlich noch keinen Rettungsschirm. Wird die nächste Geldtranche im Dezember (oder später) freigegeben, werden die Griechen 73 Milliarden bekommen haben. Unmittelbar auf Österreich entfallen 1,5 Milliarden Euro an Krediten. Genau genommen haftet Österreich aber natürlich auch für seinen Anteil am IWF. Das wären noch einmal rund 180 Millionen Euro.

- Griechenland 2: Das zweite Griechenland-Paket, das 100 Milliarden Euro schwer ist, wird bereits über den Rettungsschirm (EFSF) abgewickelt, ein Drittel kommt vom IWF. Österreichs Haftung für den EFSF-Schirm macht knapp zwei Milliarden Euro aus. Nimmt man den Anteil am IWF dazu, erhöht sich der Betrag auf 2,3 Milliarden Euro.

Zählt man beide Pakte zusammen, steht die Republik im Fall Griechenlands also für fast vier Milliarden Euro gerade.

- Irland: Den Iren wurden externe Hilfen im Ausmaß von 67,5 Milliarden Euro zugesagt. Hier ist das Österreich-Risiko noch etwas komplizierter zu ermitteln. Neben IWF und EFSF tritt nämlich auch die EU-Kommission als Geldgeber auf. Im Falle eines Zahlungsausfalles müssten aber natürlich auch für die Kommissionsgelder die EU-Staaten einspringen. Nimmt man alle drei Schienen zusammen, haftet Österreich am Ende des Tages mit knapp 1,25 Milliarden Euro für die grüne Insel.

- Portugal: Ähnlich verhält es sich bei Portugal, das in den nächsten Jahren 78 Milliarden an Krediten von EFSF, IWF und Kommission bekommt. Rechnet man auch hier die jeweiligen Anteile Österreichs aus, kommt man auf 1,6 Milliarden an gesamter Haftung.

Am größten ist das Ausfallsrisiko zweifelsohne bei Griechenland. Mit privaten Anlegern wird gerade über einen 50-prozentigen Forderungsverzicht verhandelt. Sollten sich eines Tages auch die EU-Staaten zu einem Forderungsverzicht entschließen, müsste auch Österreich seinen Anteil abschreiben. Unmittelbar erhöhen die bereits ausgezahlten Kredite die Schuldenquote Österreichs um einige Zehntelprozentpunkte. Heuer liegt die Schuldenquote voraussichtlich bei 73,6 Prozent der Wirtschaftsleistung.

Unabhängig von diesen drei Rettungspaketen wird im Jahr 2013 (oder etwas früher) der Dauerrettungsschirm ESM installiert. Für diesen muss Österreich 2,39 Milliarden Euro an Bareinlage deponieren. Sollten weitere Rettungspakete nötig werden, könnten sich Österreichs Haftungen im Rahmen des ESM auf maximal 21,6 Milliarden Euro erhöhen (noch ohne Zinsen gerechnet).

Potenzielle Risiken für Österreich lauern freilich auch noch an anderer Stelle. Die EZB hat bereits 183 Milliarden Euro an griechischen, spanischen, portugiesischen, irischen und italienischen Anleihen gekauft. Solle es zu einem Schuldenerlass für eines der Länder kommen, müsste wohl die EZB rekapitalisiert werden, rechnen Ökonomen wie Kenneth Rogoff. Und das würde wieder auf die EU-Staaten zurückfallen. Österreichs EZB-Anteil macht 2,78 Prozent aus.

EZB-Notprogramme

Hier mit genauen Zahlen zu operieren ist aber schwierig. Zum einen wird nicht veröffentlicht, wie sich die 183 Milliarden an Anleihen zusammensetzen. Zuletzt dürften vor allem italienische Papiere gekauft worden sein. Zum anderen hat die EZB die Anleihen unter dem Nennbetrag gekauft. Verluste im Rahmen eines Kapitalschnitts, der am Nennbetrag ansetzt, dürften also entsprechend niedriger ausfallen.

Ein weiteres, nicht seriös quantifizierbares Risiko steckt hinter einem zweiten Notprogramm der EZB. Unter dem Kürzel ELA (Emergency Liquidity Assistance) wurden Kapitalhilfen an notleidende Kreditinstitute gegen bestimmte Sicherheiten vergeben. Ende September schätzte die Deutsche Bank, dass allein griechische Banken mehr als 100 Milliarden Euro über dieses Instrument bekamen. Zwar tragen die nationalen Zentralbanken die alleinige Entscheidungsgewalt, letztendlich haften die Zentralbanken im Eurosystem aber füreinander.  (Günther Oswald, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.11.2011)

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