Laborblut erfolgreich getestet

14. November 2011, 17:15
3 Postings

Methode könnte womöglich einmal Blutspende ersetzen

Paris/Wien - In der beliebten Vampir-Fernsehserie True Blood existiert es bereits seit einigen Jahren: in Japan hergestelltes künstliches Blut, das es Vampiren erspart, menschliche Opfer auszusaugen und damit Graf Draculas Verwandten ein Leben in Legalität ermöglicht. In Wirklichkeit ist das noch Zukunftsmusik.

Doch nun ist es französischen Forschern immerhin erstmals gelungen, rote Blutkörperchen im Labor zu züchten und sie erfolgreich einem Spender zu injizieren, wie die Mediziner um Luc Douay von der Universität Pierre und Marie Curie im angesehenen Fachblatt Blood berichten.

Das Team um Douay hat einer freiwilligen Versuchsperson zunächst sogenannte hämatopoetische Stammzellen (also Blutstammzellen) aus dem Knochenmark entnommen, die für die gesamte Zellneubildung des Blutes verantwortlich sind. Diese Blutstammzellen wurden dann mit einem Cocktail aus Wachstumsfaktoren zur Vermehrung angeregt.

Schließlich injizierten die Mediziner 20 Milliarden so gewonnene rote Blutkörperchen - das entspricht zwei Millilitern Blut - der Versuchsperson. Tests nach fünf Tagen ergaben, dass 94 bis 100 Prozent sich nach wie vor im Blutkreislauf befanden, nach 26 Tagen waren es rund 50 Prozent - eine Rate, die bei normalen Blutkörperchen üblich ist.

Der US-Stammzellforscher Robert Lanza hält dieses Ergebnis für einen großen Schritt vorwärts - auch wenn es mit der Massenproduktion noch hapert: Für eine normale Transfusion braucht es nicht 20 Milliarden mühsam hergestellter roter Blutkörperchen, sondern die 200-fache Menge. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15. November 2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Auch bei Blutbanken herrscht in vielen Regionen Knappheit.

Share if you care.