Ein "Stehaufmanderl" im Abseits

14. November 2011, 16:38
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Steirer seit 1995 als Funktionär mehr oder weniger umtriebig - Von Daum als Urheber des Austria-Double gelobt

Wien - Christoph Daum, der deutsche Star-Trainer, hat ihn während seiner Zeit als Feldherr des FK Austria Wien als Urheber des Double-Gewinns der Violetten in der Saison 2002/03 gelobt. Das ist alles Schnee von gestern. Am Montag erlebte der einstige Austria-Sportdirektor und GAK-Präsident eine der bittersten Stunde seines Lebens. Der geborene Burgenländer wurde am Montag wegen Verdunkelungsgefahr festgenommen. Svetits steht im Verdacht der Bestechung einer früheren Angestellten des Ex-Bundesliga-Vereins GAK, der im Mai 2007 wegen hoher Schulden in den Zwangsausgleich gerutscht ist und Abschied vom Profifußball nehmen musste.

Svetits, der in jungen Jahren mit seinem Heimatclub USV Rudersdorf burgenländischer Cupsieger (1974/75) und Landesmeister (1977/78) geworden ist und später in der Steiermark in der Regionalliga gekickt hat, war seit 1995 immer wieder eng mit dem heimischen Spitzenfußball verbandelt. Bis Oktober 1998 als Berater und Manager des GAK tätig, bekleidete der Funktionär bis Mai 2001 das Präsidentenamt der Athletiker. Danach betätigte er sich bis Ende 2001 als Sportdirektor der "Rotjacken", die 2003/04 Double-Gewinner wurden und heute die Tabelle der Regionalliga Mitte anführen.

Nach seiner GAK-Ära holte ihn Austria-Mäzen Frank Stronach Anfang Jänner 2002 als Sportdirektor an den Favoritner Verteilerkreis mit der Vorgabe, die Wiener kurzfristig zum Meister zu machen. Svetits "verbrauchte" drei Trainer und viele neue Spieler, um die Forderung des Chefs zu erfüllen. Im Frühjahr 2002 kam Didi Constantini als "Feuerwehrmann", um im Sommer für Walter Schachner Platz zu machen. Der Steirer seinerseits musste auch bald wieder gehen, um an Daum zu übergeben.

Nach dem Double 2003 nahmen Svetits freiwillig seinen Hut. Hintergrund seines Schritts war laut Svetits eine routinemäßige Sitzung des Finanz-Jour-Fixe, in der es zu gravierenden Auffassungsunterschieden gekommen sein soll. An diesem Treffen hatte auch der neue Stronach-Berater Günter Kronsteiner teilgenommen. Svetits bot Stronach seine Rücktritt an, den der Magna-Boss zunächst ablehnte. Dem Wunsche Svetits nach Beurlaubung kam der Austro-Kanadier dann aber doch nach.

Nachdem Svetits 2006 einige Monate (März bis November) GAK-Generalmanager war, kehrte er zum violetten Mäzen zurück. Dort wurde er als Berater der Hollabrunner Stronach-Akademie präsentiert und bereitete im Hintergrund für den Milliardär die Übernahme des damaligen Erstligisten SV Schwanenstadt vor. Die Lizenz ging damals für einige Millionen von Oberösterreich zum FC Magna Wr. Neustadt, wo Stronach ab März 2008 eine neue Spielwiese gefunden hatte. Ein Jahr später stiegen die Niederösterreicher in die Bundesliga auf.

Alles schien eitel Wonne, als im Mai 2008 Svetits zum geschäftsführenden Vizepräsidenten des FC Magna Wr. Neustadt avancierte und die sportlichen Agenden übertragen bekam. Aber die Harmonie war dort bald vorbei. Im Mai 2009 wurde der Vertrag mit Svetits überraschend aufgelöst. Als offizieller Grund wurden "Auffassungsunterschiede in der Kompetenzverteilung zwischen Svetits und dem zweiten Vizepräsidenten Ernst Neumann" angegeben. Stronach hat sich inzwischen auch von Neumann, seinem langjährigen Tennispartner, getrennt.

Um Neumann ist es in den vergangenen Monaten ruhig geworden, dafür entpuppte sich Svetits als "Stehaufmanderl". Im März 2011 wurde der Steirer auf einer Pressekonferenz als künftiger Präsident des Erste-Liga-Vereins FC Gratkorn vorgestellt. Das Engagement kam wegen des Abstiegs des Vereins in die Regionalliga jedoch nicht zustande. Am 27. Oktober wurde Svetits zum designierten Präsidenten des Regionalligisten Austria Klagenfurt gewählt, das Amt hat er aber noch nicht angetreten.

Ob es damit etwas wird, steht nach der Festnahme des umtriebigen Funktionärs in den Sternen. Er hat jedenfalls große Pläne mit den Klagenfurtern angekündigt. "Ich werde alles versuchen, um den Verein wieder in höhere Sphären zu führen. Die Klagenfurter Arena ist die schönste in Österreich, hier kann man etwas Großes aufbauen. Innerhalb der nächsten zwei bis fünf Jahre sollen die Fans hier wieder Profifußball zu sehen bekommen", hatte Svetits gemeint. Die Kärntner sind als Tabellenfünfter mit 13 Punkten Rückstand auf Herbstmeister GAK, dem Ex-Club von Svetits, in die Winterpause gegangen. (APA)

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