Rassistischer Mord wird nach 18 Jahren juristisch aufgearbeitet

14. November 2011, 16:22
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Tat legte latenten Rassismus der Londoner Polizei offen

London - Rund 18 Jahre nach der Ermordung eines schwarzen Jugendlichen durch eine weiße Jugendgang müssen sich zwei der Tatverdächtigen seit Montag vor einem Londoner Strafgericht verantworten. Die beiden inzwischen 36 und 35 Jahre alten Männer Gary D. und David N. stehen im Verdacht, den damals 18-jährigen Sohn jamaikanischer Einwanderer, Stephen Lawrence, im April 1993 an einer Bushaltestelle des Londoner Stadtteils Eltham überfallen und erstochen zu haben. Eine umfassende Untersuchung kam 1999 zu dem Schluss, dass die Polizei damals die Ermittlungen durch "eine Kombination aus professioneller Inkompetenz und institutionellem Rassismus" behindert habe. Sie führte zu einer umfassenden Reform des Polizei- und Justizwesens.

Am Montag begann das Verfahren mit der Auswahl der Geschworenen. Der eigentliche Prozess startet voraussichtlich am Dienstag. Auch die Mutter des Ermordeten, Doreen Lawrence, erschien zu dem Termin vor dem Gericht. Sie hat es sich seit dem Tod ihres Sohns zum Ziel gesetzt, die Tat aufzuklären und andere Opfer rassistisch motivierter Verbrechen zu unterstützen. Auch Stephens Vater Neville traf vor Gericht ein.

Obwohl es Zeugen der Bluttat gibt, wurde keiner der Verdächtigen je verurteilt. Gary D. und David N. bestreiten bis heute, für den Tod des 18-jährigen brillanten Schülers verantwortlich zu sein. Eine Gedenkplakette nahe des Tatorts wurde mehrmals geschändet. (APA)

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