Tat legte latenten Rassismus der Londoner Polizei offen
London - Rund 18 Jahre nach der Ermordung eines schwarzen
Jugendlichen durch eine weiße Jugendgang müssen sich zwei der Tatverdächtigen
seit Montag vor einem Londoner Strafgericht verantworten. Die beiden inzwischen
36 und 35 Jahre alten Männer Gary D. und David N. stehen im Verdacht, den damals
18-jährigen Sohn jamaikanischer Einwanderer, Stephen Lawrence, im April 1993 an
einer Bushaltestelle des Londoner Stadtteils Eltham überfallen und erstochen zu
haben. Eine umfassende Untersuchung kam 1999 zu dem Schluss, dass die Polizei
damals die Ermittlungen durch "eine Kombination aus professioneller Inkompetenz
und institutionellem Rassismus" behindert habe. Sie führte zu einer umfassenden
Reform des Polizei- und Justizwesens.
Am Montag begann das Verfahren mit der Auswahl der Geschworenen. Der
eigentliche Prozess startet voraussichtlich am Dienstag. Auch die Mutter des
Ermordeten, Doreen Lawrence, erschien zu dem Termin vor dem Gericht. Sie hat es
sich seit dem Tod ihres Sohns zum Ziel gesetzt, die Tat aufzuklären und andere
Opfer rassistisch motivierter Verbrechen zu unterstützen. Auch Stephens Vater
Neville traf vor Gericht ein.
Obwohl es Zeugen der Bluttat gibt, wurde keiner der Verdächtigen je
verurteilt. Gary D. und David N. bestreiten bis heute, für den Tod des
18-jährigen brillanten Schülers verantwortlich zu sein. Eine Gedenkplakette nahe
des Tatorts wurde mehrmals geschändet. (APA)