Weltschmerzgesang am Weg ins Heute

15. November 2011, 10:12
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Fado-Star Cristina Branco gastiert am Dienstag und Mittwoch in der Sargfabrik

Die Geschichte des Fado in Portugal ist eine wechselhafte: Noch Diktator Antonio Salazar versuchte anfangs gegen den Fado als "kulturlosen Dirnengesang" vorzugehen. Die immense Popularität jener Musik, die im frühen 19. Jahrhundert in den Lissabonner Armen- und Bordell-Vierteln entstanden war, ließ ihn bald zur berüchtigten Politik der "drei F" - Fado, Fatima und Fußball - umschwenken, die nichts anderes als ein nationalistisch und religiös gefärbtes "Brot & Spiele"-Programm bedeutete. Amália Rodrigues, zur unumstrittenen "Königin des Fado" aufgestiegen, tourte als Botschafterin von Salazars Gnaden durch die Welt. Nach der "Nelken-Revolution" schien der Fado durch jahrzehntelange politische Vereinnahmung hoffnungslos korrumpiert.

Es bedurfte einer neuen Generation von SängerInnen, die das Regime Salazar nicht mehr am eigenen Leib erfahren hatten, die sich der musikalischen Tradition unbefangen nähern konnten. Es bedurfte Pionieren wie Madredeus und Misia, die um 1990 eine neue Welle des Fado einleiten konnten, es bedurfte Sängerinnen wie Mariza und Cristina Branco, die den alten Weltschmerzgesang auf neue Weise populär machten.

Die 39-jährige Branco war ursprünglich ganz anders gepolt: Ella Fitzgerald und Billie Holiday waren die Göttinnen ihres Musikuniversums, bis ihr der Großvater zum 18. Geburtstag eine Schallplatte von Amália Rodrigues schenkte. 20 Jahre später zählt Branco zu den Stars der neuen Fado-Generation. Branco erweitert das traditionelle Instrumentarium, versieht die Fado-Melodien mit neuen Texten und schließt sie mit Einflüssen aus Jazz, Bossa Nova, Blues und - siehe Fado/Tango (2011) - lateinamerikanischen Klängen kurz. Bitte nicht versäumen! (felb, DER STANDARD - Printausgabe, 15. November 2011)

15./16. 11., Sargfabrik, Wien, 20.00

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    Fado-Star Cristina Branco singt heute und morgen in der Sargfabrik.

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