Klima und Energie ganzheitlich betrachtet

19. November 2011, 17:02
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IIASA-Forscher entwickeln online zugängliches Modell, das ganzheitlichere Blicke ermöglicht

Laxenburg - Für einen ganzheitlichen Ansatz im Bereich Klimaschutz und Energiepolitik plädieren Experten des Internationalen Instituts für angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg. Die Berechnungen der Wissenschafter ergaben, dass Maßnahmen, die auch die Energiesicherheit und die Vermeidung von lokalen Luftschadstoffen berücksichtigen, die größten Klimaschutz-Effekte erzielen und gleichzeitig auch am nachhaltigsten zur Verbesserung der Energieversorgung beitragen. Die Forscher stellten ihre Ergebnisse in der neuen Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature Climate Change" vor.

Üblicherweise werden in Analysen über das Energiesystem einzelne Maßnahmen herausgegriffen und deren Effekt auf das Gesamtsystem untersucht, erklärt der Energieexperte Volker Krey im Gespräch. Bei der aktuellen Studie, die Krey mit David McCollum und Keywan Riahi am IIASA durchgeführt hat, ging es den Forschern aber darum, einige der wichtigsten Herausforderungen im Energiebereich - also Klimaschutz, Energiesicherheit und die Vermeidung von lokalen Luftschadstoffen - ganzheitlich zu betrachten.

Modell erlaubt detaillierte Prognosen

"Wir haben versucht all diese verschiedenen Dimensionen mit einem Modellierungsansatz zu quantifizieren", so Krey. Dieses Modell erlaube es nun, detaillierte Prognosen darüber anzustellen, welche Auswirkungen etwa der Ausbau von Solarenergie in Zukunft haben könnte. Gerade erneuerbare Energien hätten oftmals große Verbesserungen in allen Bereichen zur Folge. Der Einsatz von Technologien wie Windkraft wirke sich beispielsweise auch positiv auf die Energiesicherheit aus, da sich dadurch die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verringere. Generell würde die Nutzung verschiedener Energiequellen die Energiesicherheit eines Landes erhöhen. Das sei bei erneuerbaren Energien meist der Fall, da sich mit einer solchen Technologie alleine die Nachfrage nicht decken lasse.

Die Analysen würden zeigen, dass "man kurzfristige Ziele - wie die Reduktion von Luftschadstoffen - auch mit Blick auf eine langfristige Strategie erreichen kann". Das würde kurzfristig nicht mehr kosten und langfristig sogar mit Kostenreduktionen einher gehen. Das sei umso wichtiger, als sich das globale Klima nur sehr langsam verändere und daher Maßnahmen erst mit einer Verzögerung von mehreren Jahrzehnten sichtbar würden. "Im politischen Prozess sind derartige Maßnahmen dann vielleicht leichter zu verkaufen", hofft Krey.

Politische Realität

Der Energieexperte betont aber, dass die politische Realität anders aussehe. In vielen Ländern stünden vor allem verteilte Zuständigkeiten einer solchen integrierten Sichtweise im Weg. Diese Zuständigkeiten sollte man "im Energiebereich eng beieinander halten", um rascher und nachhaltiger handeln zu können. "Wenn man sich seitens der Politik über diese Synergien bewusst wird, hoffen wir, dass das auch stärker bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt wird."

Die Wissenschafter transferierten die Daten, die ihren Berechnungen zugrunde liegen, auf ein Webportal, wo Forschern und Personen, die über das nötige Hintergrundwissen verfügen, die Möglichkeit gegeben wird, verschiedene Szenarien selbst durchzurechnen. Man könne dort einzelne Parameter verschieden gewichten und sich dann ansehen, welche Auswirkungen sie auf andere Aspekte haben, so Krey, der auch die Hoffnung hegt, "dass sich Entscheidungsträger oder deren Berater mit dem Werkzeug auseinandersetzen." (APA)

  • Artikelbild
    bild: screenshot iiasa-tool
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