Betrug bei Internetpokerrunde: Vorerst keine Ermittlungsergebnisse

14. November 2011, 14:15
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Verdächtiger laut "Kurier" in Katar - Badener Polizei weiß von nichts

Nach dem möglichen Betrug bei einer Internetpokerrunde im Oktober sind die Erhebungen der Badener Polizei nach wie vor am Laufen. Ergebnisse gebe es vorerst nicht, teilte Oberst Walter Santin von der Stadtpolizei am Montag mit. "Wir warten noch auf die Computerauswertungen im Landeskriminalamt", sagte er zur APA. Wie lange das noch dauern werde, sei unklar.

Kein Haftbefehl

Laut der Tageszeitung "Kurier" (Montagsausgabe) dürfte sich der Hauptverdächtige, ein in England lebender deutscher Staatsbürger (24), derzeit in Katar aufhalten. Bei der Badener Exekutive wusste man davon nichts, sah aber auch keinen Grund zur Beunruhigung: "Es spricht nichts dagegen, dass er sich im Ausland aufhält", betonte Santin. Schließlich gebe es keinen Haftbefehl oder etwas Ähnliches. Der 24-Jährige hatte die Vorwürfe bestritten - wenn man Pech im Spiel habe, werde stets ein Schuldiger gesucht, so seine Argumentation.

Poker-Profis wollen selbst ermitteln

Dem "Kurier" zufolge wollen die betrogenen Poker-Profis nun auf eigene Faust ermitteln. Der Schaden belaufe sich demnach mittlerweile auf einen knapp zweistelligen Millionenbereich. "Wir sammeln gerade Beweise und versuchen, die Geschichte bestmöglich zu strukturieren, weil uns bewusst ist, dass es für einen nicht fachkenntlichen Polizisten sehr schwer sein wird, die Geschichte nachzuvollziehen", wurde ein Spieler in dem Blatt zitiert. Nach Abschluss der eigenen Erhebungen wolle man Anzeige in London erstatten und diese auch nach Österreich weiterleiten.

Trojaner auf Computern installiert

Den niederösterreichischen Ermittlern ist davon noch nichts bekannt. Man gehe nach wie vor von den ursprünglich vorgebrachten Vorwürfen aus: Der Deutsche soll mittels USB-Stick einen "Trojaner" auf den Computern seiner Mitspieler installiert haben, wodurch er die Möglichkeit gehabt haben soll, ihre Karten zu sehen und das Spiel zu beeinflussen. Ein Schweizer hätte dadurch in den vergangenen Wochen 350.000 US-Dollar (247.175 Euro), ein Wiener 40.000 US-Dollar (28.249 Euro) an den Mann verloren.

"Geständnis unter Druck"

Auf die Spur kamen sie dem Verdächtigen, weil sie den Trojaner von einem Fachmann untersuchen ließen und sich so herausstellte, dass ihre Karten an die Internetadresse des Deutschen weitergeleitet wurden. Daraufhin seien sie in seinem Hotel angerückt und hätten ihn "unter Druck" zu einem Geständnis gebracht, das er aber später widerrufen habe. Ermittelt wird nun gegen alle drei Spieler - zum einen wegen Internetbetrugs, zum anderen wegen Nötigung und Freiheitsentziehung. In Baden hieß es, man müsse die weiteren Entwicklungen abwarten. Man könne jedenfalls nicht auf eigene Faust Erhebungen im Ausland starten. (APA)

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