Verdächtiger laut "Kurier" in Katar - Badener Polizei weiß von nichts
Nach dem möglichen Betrug bei einer
Internetpokerrunde im Oktober sind die Erhebungen der Badener Polizei
nach wie vor am Laufen. Ergebnisse gebe es vorerst nicht, teilte
Oberst Walter Santin von der Stadtpolizei am Montag mit. "Wir warten
noch auf die Computerauswertungen im Landeskriminalamt", sagte er zur
APA. Wie lange das noch dauern werde, sei unklar.
Kein Haftbefehl
Laut der Tageszeitung "Kurier" (Montagsausgabe) dürfte sich der
Hauptverdächtige, ein in England lebender deutscher Staatsbürger
(24), derzeit in Katar aufhalten. Bei der Badener Exekutive wusste
man davon nichts, sah aber auch keinen Grund zur Beunruhigung: "Es
spricht nichts dagegen, dass er sich im Ausland aufhält", betonte
Santin. Schließlich gebe es keinen Haftbefehl oder etwas Ähnliches.
Der 24-Jährige hatte die Vorwürfe bestritten - wenn man Pech im Spiel
habe, werde stets ein Schuldiger gesucht, so seine Argumentation.
Poker-Profis wollen selbst ermitteln
Dem "Kurier" zufolge wollen die betrogenen Poker-Profis nun auf
eigene Faust ermitteln. Der Schaden belaufe sich demnach mittlerweile
auf einen knapp zweistelligen Millionenbereich. "Wir sammeln gerade
Beweise und versuchen, die Geschichte bestmöglich zu strukturieren,
weil uns bewusst ist, dass es für einen nicht fachkenntlichen
Polizisten sehr schwer sein wird, die Geschichte nachzuvollziehen",
wurde ein Spieler in dem Blatt zitiert. Nach Abschluss der eigenen
Erhebungen wolle man Anzeige in London erstatten und diese auch nach
Österreich weiterleiten.
Trojaner auf Computern installiert
Den niederösterreichischen Ermittlern ist davon noch nichts
bekannt. Man gehe nach wie vor von den ursprünglich vorgebrachten
Vorwürfen aus: Der Deutsche soll mittels USB-Stick einen "Trojaner"
auf den Computern seiner Mitspieler installiert haben, wodurch er die
Möglichkeit gehabt haben soll, ihre Karten zu sehen und das Spiel zu
beeinflussen. Ein Schweizer hätte dadurch in den vergangenen Wochen
350.000 US-Dollar (247.175 Euro), ein Wiener 40.000 US-Dollar (28.249
Euro) an den Mann verloren.
"Geständnis unter Druck"
Auf die Spur kamen sie dem Verdächtigen, weil sie den Trojaner von
einem Fachmann untersuchen ließen und sich so herausstellte, dass
ihre Karten an die Internetadresse des Deutschen weitergeleitet
wurden. Daraufhin seien sie in seinem Hotel angerückt und hätten ihn
"unter Druck" zu einem Geständnis gebracht, das er aber später
widerrufen habe. Ermittelt wird nun gegen alle drei Spieler - zum
einen wegen Internetbetrugs, zum anderen wegen Nötigung und
Freiheitsentziehung. In Baden hieß es, man müsse die weiteren
Entwicklungen abwarten. Man könne jedenfalls nicht auf eigene Faust
Erhebungen im Ausland starten. (APA)