Von der "grauen Eminenz" im Stich gelassen

14. November 2011, 14:37
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Weggefährten Haberzettls sind von seinem Rücktritt überrascht - Eisenbahner fühlen sich im Stich gelassen

"Persönliche Gründe" hat Wilhelm Haberzettl als Motivation für seinen Abgang angegeben. Wie am Samstag bekannt wurde, legt der langjährige ÖBB-Konzernbetriebsratschef bis Jahresende alle Funktionen in Bundesbahn und Gewerkschaft zurück (DER STANDARD berichtete). Seither herrscht Rätselraten, was diese "persönlichen Gründe" sein könnten. Alfred Gajdosik, Bundesvorsitzender der Fraktion Christlicher Gewerkschafter, habe von Haberzettls Abgang selbst erst aus der Zeitung erfahren. Er sei überrascht und habe keine Ahnung, warum er gegangen ist, zumal Haberzettl die "graue Eminenz" in der Gewerkschaft sei. "Ich kann nicht einmal eine Mutmaßung angstellen", sagt er zu derStandard.at.

Eine "natürliche Angelegenheit"

Auch Haberzettels Fraktionskollegin im ÖGB, Elisabeth Vondrasek, stellvertretende Vorsitzende in der FSG zeigt sich im von Haberzettls Rücktritt überrascht. Sie habe davon auch erst am Samstag aus der Zeitung erfahren. Sie glaubt, dass Haberzettl sich einfach "verändern will". Streitigkeiten innerhalb der Gewerkschaft seien ihr nicht bekannt.

"So schlecht geht es der Gewerkschaft nicht", meint der Politologe Ferdinand Karlhofer in seiner Einschätzung zum Rücktritt von Haberzettl. Er sieht auch keinen Hinweis auf einen Bruch in der Beziehung zwischen SPÖ und Gewerkschaft, vor allem auch deswegen, weil der langjährige Eisenbahner-Gewerkschafter nun in eine Wohbaugenossenschaft wechselt, die im Einflussbereich der SPÖ steht. Karlhofer meint, er könne zwar nicht hinter die Kulissen blicken, der Aufbruch zu neuen Ufern dürfte aber eher eine "natürliche Angelegenheit" sein.

"Ins Trockene bringen"

Anton Hedenig, grüner Arbeiterkammerrat der  Alternativen Gewerkschafter und Eisenbahner glaubt, dass sich Haberzettl "ins Trockene" bringen möchte. "Ich sehe auf uns Eisenbahner einiges zukommen", sagt Hedenig zu derStandard.at. Er fürchtet etwa Eingriffe in das Dienstrecht und in die Pensionen. Haberzettl habe sich mit seinem neunen Posten bei "Gemeinnützigen allgemeinen Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft" (BWS) ein gutes Ausgedinge geschaffen. Haberzettl als Vertreter der Eisenbahner weine er keine Träne nach. "Unter seine Ägide hat sich vieles für uns Eisenbahner verschlechtert", sagt Hedenig.

"Er ist uns endlich los"

Auch im internen Internetforum der Vida wird Haberzettl scharf kritisiert. "Haberzettl geht - ein Tag der Hoffnung und Freude" ist da etwa zu lesen. Oder: "Mitten im Chaos bei der Fahrbegünstigung legte Willi Haberzettel seine Funktion zurück". Und: "Die ‚persönlichen Gründe‘ sind wohl die Eisenbahner, die er nur als 'anstrengend' wahrnimmt. In seiner neuen Funktion ist er uns endlich los". Diese Kritik kann Gajdosik nicht teilen: "Feig war Haberzettl nie. Vielmehr ist er der Typ, der Dinge beinhart durchzieht". (burg, rasch, derStandard.at, 14. November 2011)

 

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