Deutsche Börse will EU-Regulator besänftigen

14. November 2011, 14:24
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Während Börsechef Francioni die Bedenken der Regulierer zu zerstreuen sucht, kämpft der Betriebsrat gegen die Fusion mit NYSE

Frankfurt - Die Deutsche Börse beharrt im Streit mit der EU-Kommission um ihre Fusion mit der Nyse Euronext auf ihrer Position zum Derivatemarkt. Deutsche-Börse-Vorstandschef Reto Francioni wehrte sich gegen die Haltung der EU, die das Gewicht der beiden Fusionspartner im Handel mit Derivaten und damit den ganzen Zusammenschluss kritisch sieht. Sie klammert dabei aber die außerbörslichen Märkte aus. Die EU-Kommission will in Sachen Fusion bis 22. Dezember ihre Antwort geben.

"Der eigentliche Wettbewerb findet nicht zwischen den einzelnen Börsen statt, sondern zwischen den Börsen und den OTC-Märkten", betonte Francioni auf dem Bankenkongress "Euro Finance Week" am Montag in Frankfurt. Die kaum regulierten Märkte abseits der Börsen vereinigten 85 Prozent des Derivatehandels auf sich. 

Betriebsräte gegen Fusion

Der Betriebsrat der Deutschen Börse will gemeinsam mit Kollegen aus Frankreich und Luxemburg gegen die Fusion kämpfen. Bei einem Treffen hätten sie Ende Oktober beschlossen, ihre Kräfte zu bündeln und gemeinsam zu agieren, teilte er am Montag mit. Die Vorsitzende Irmtraud Busch sagte aber, der Betriebsrat werde vorerst nicht verraten, welche Aktionen geplant seien. Die Arbeitnehmervertreter fürchten einen Stellenabbau.

Mit der Fusion würden die Handelsplätze in Frankfurt am Main, New York, Paris, Lissabon, Amsterdam und Brüssel unter einem Dach zusammengeführt. An dem neuen Börsenbetreiber sollen den Plänen zufolge die Aktionäre der Deutschen Börse 60 Prozent und die Anteilseigner der NYSE Euronext 40 Prozent der Aktien halten.

Der entstehende Börsenriese hätte einen geschätzten Börsenwert von fast 17,6 Mrd. Euro und würde knapp 90 Prozent des europäischen Derivatehandels kontrollieren. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hatte bereits Anfang Mai grünes Licht für den Zusammenschluss gegeben. Die Aktionäre von Deutscher Börse und NYSE Euronext stimmten der Fusion im Juli zu. Die EU-Kommission will bis 22. Dezember ihre Antwort geben.

Macht sei nicht zu groß

Der Streit mit der EU um die Derivatemärkte gilt als die größte Hürde vor dem transatlantischen Zusammenschluss. Nyse und Deutsche Börse sind derzeit an der Reihe, Zugeständnisse anzubieten, um die Fusion doch noch durchzusetzen.

Francioni versuchte auch, Bedenken der Brüsseler Regulierer zu zerstreuen, dass die Marktmacht der Derivatebörsen Liffe (Nyse Euronext) und Eurex (Deutsche Börse) zu groß wäre. Die Londoner Liffe und die deutsch-schweizerische Eurex seien an entgegengesetzten Enden der Zinskurve tätig, viele Akteure machten deshalb Geschäfte an beiden Handelsplätzen. "Es gibt keinen Wettbewerb zwischen den beiden Börsen", betonte Francioni. (APA)

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