Punktesieg für die Taliban im Propaganda-Krieg

15. November 2011, 18:32
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In Kabul berät die Loya Jirga über das künftige Verhältnis mit den USA - Taliban haben angeblich den Sicherheitsplan des Treffens geknackt

Kabul/Neu-Delhi - Der Titel klingt harmlos, aber das Abkommen hat es in sich. Seit Monaten ringen Afghanistans Präsident Hamid Karsai und die USA im Stillen um eine "strategische Partnerschaft" für die Zeit nach dem angepeilten Truppenabzug 2014. Die Inhalte sind so heikel, dass bisher nur wenig nach außen drang.

Es geht etwa darum, ob die USA langfristig Militärbasen am Hindukusch behalten; ob sie weiterhin Afghanen einfach festnehmen und in ihre eigenen Militärgefängnisse stecken dürfen. Und vor allem: ob sie die Basen benutzen dürfen, um in Nachbarländern - das sind etwa Pakistan, Iran und China - zuzuschlagen und dort Militäroperationen auszuführen.

Angesichts der Brisanz hat Präsident Hamid Karsai eine Loya Jirga, eine traditionelle Ratsversammlung, einberufen, um sich Rückhalt zu holen. Zweitausend Delegierte aus dem ganzen Land sollen heute, Mittwoch, in einem Riesenzelt in Kabul zusammenkommen, um über das künftige Verhältnis zu den USA zu beraten. Karsai verlangt von Washington im Gegenzug Zusagen, dass es Afghanistans Armee und Polizei bezahlt, die künftig die Taliban bekämpfen sollen. Afghanistan selbst fehlen dazu die Mittel.

Doch die Jirga scheint unter keinem guten Stern zu stehen. Am Montag sorgte eine peinliche Sicherheitspanne für böse Schlagzeilen und schürte Angst vor Anschlägen. Die Taliban ergatterten angeblich einen hochgeheimen, gemeinsamen Sicherheitsplan von Nato und Kabul für die Jirga, komplett mit Namen und den - so meldeten einige Medien - echten Telefonnummern von Geheimdienstleuten. Die Taliban sagten, ein Insider habe ihnen das 27-seitige Papier zugespielt. Sie stellten den angeblichen Sicherheitsplan ins Internet.

Sicherheitsapparat infiltriert

Zwar bestritten Nato und Afghanistans Regierung, dass das Papier echt ist, doch im Propagandakrieg trugen die Taliban den Punktesieg davon. Der Coup verstärkt Sorgen, dass die Militanten die afghanischen Sicherheitskräfte bis in die Spitzen hinein infiltriert haben. Möglicherweise um die Scharte auszuwetzen, meldeten afghanische Kreise wenig später, man habe den bekannten Taliban-Sprecher Zabiullah Mujahid geschnappt. Die Taliban dementierten dies hingegen.

Bereits im Vorfeld hatten die Taliban gedroht, jeden zu töten, der an der Jirga teilnimmt. Am Montag wurde nach Angaben des Innenministeriums ein mutmaßlicher Selbstmordattentäter in der Nähe des Zeltes erschossen. Der Mann habe Sprengstoff bei sich getragen und einen Anschlag geplant. Ein mutmaßlicher Komplize sei festgenommen worden.

Aus Angst sagten mehrere Delegierte ihre Teilnahme an der Versammlung ab. Dutzende andere wie der prominente Oppositionspolitiker Abdullah Abdullah wollen die Jirga boykottieren, weil sie sie für undemokratisch halten. Eine Jirga-Sprecherin betonte aber, dass das letzte Wort beim Parlament bleibe.

Abdullah soll den USA nahestehen. Washington könnte es gelegen kommen, wenn der Status der Jirga durch einen relativ breiten Boykott untergraben wird. Die Amerikaner fürchten angeblich, dass die Delegierten ihnen die Tür weisen könnten. So warnen einige Afghanen, dass eine dauerhafte US-Militärpräsenz den Weg zu einem Frieden mit den Taliban verbauen könnte.

Die USA sollen Präsident Karsai deshalb gedrängt haben, die Loya Jirga zu verschieben. Nun soll die Versammlung zwar stattfinden, doch angeblich ist das Abkommen zwischen Kabul und Washington immer noch nicht fertig. Worüber die Delegierten abstimmen sollen, ist daher unklar. Die Regierung bleibt nebulos. "Wir wollen auf den Rat der Leute hören", heißt es lapidar. (DER STANDARD Printausgabe, 16.11.2011)

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    Präsident Hamid Karsai verlangt von den USA finanzielle Zusagen und schweigt noch über den Inhalt des Abkommens.

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    Verschärfte Sicherheitskontrollen in Kabul.

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