Telekom-Ergebnis bricht um die Hälfte ein

14. November 2011, 12:30
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Wettbewerb, Weißrussland und Regulator belasteten Ergebnis - Der Jahresüberschuss legte zu, die Nettoverschuldung aber auch

Wien - Die Telekom Austria hat in den ersten neun Monaten des heurigen Jahres einen kräftigen Ergebnisrückgang eingefahren, hält aber an der Dividendenpolitik von 0,76 Euro je Aktie für die Jahre 2011 und 2012 fest. Das Betriebsergebnis (Ebit) stürzte um 56,2 Prozent auf 208,8 Millionen Euro ab. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) gab um 7,9 Prozent auf 1,19 Milliarden Euro nach. Wie hoch das tatsächliche Ebit war, gab das teilstaatliche börsenotierte Unternehmen am Montagmorgen ad hoc nicht bekannt.

Der Umsatz gab von Jänner bis September 2011 um 4,1 Prozent auf 3,34 Milliarden Euro nach. Die Mitarbeiterzahl der Gruppe legte dank Zukäufen um drei Prozent auf 17.063 Personen zu. Die Zahl der Festnetzanschlüsse erhöhte sich um 16,6 Prozent auf 2,69 Millionen, bei den Mobilfunkkunden gab es ein Plus von 2,7 Prozent auf 19,98 Millionen. Die Investitionen wurden um 2,6 Prozent auf 454,9 Millionen Euro hochgefahren. In einem international freundlichen Börsenumfeld konnten die Titel der Telekom Austria am Montag deutliche Kursgewinne einfahren.

Drittes Quartal mit geringerem Rückgang

Die Gruppe, an der der Staat noch 28,42 Prozent hält, musste auch im dritten Quartal 2011 einen Ergebnisrückgang hinnehmen, allerdings war dieser weit geringer als noch im Halbjahr. Im Juli, August und September gab das Ebit um 5,6 Prozent auf 166,1 Mio. Euro nach. Das Ebitda gab um 8,1 Prozent auf 412,9 Millionen Euro nach.

Beim Umsatz wurde ein Minus von 6,2 Prozent eingefahren, er lag bei 1,11 Mrd. Euro. Der Jahresüberschuss und der Gewinn je Aktie erreichten jeweils ein Plus von 33 Prozent, während der Free Cash Flow um 14 Prozent zurückging. Deutlich zugelegt hat die Nettoverschuldung des Unternehmens. Sie wurde im dritten Quartal um 5,5 Prozent auf 3,49 Mrd. Euro gesteigert, teilte die Telekom auf ihrer Homepage mit.

Konzern ließ auch in Österreich Federn

In Österreich ging der Umsatz trotz eines Kundenwachstums um 4,7 Prozent auf 2.190,1 Mio. Euro zurück. "Mehr als 40 Prozent des Rückgangs sind auf geringere Einnahmen aus Roaming und Zusammenschaltung zurückzuführen", gibt Telekom-Chef Hannes Ametsreiter am Montag zu bedenken. Zum Ende des dritten Quartals gab es 2,3 Mio. Festnetzanschlüsse in Österreich, eine Steigerung um ein Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Beachtlich ist die Steigerung bei den Festnetz-Breitbandanschlüssen um 11,4 Prozent auf 1,2 Mio. - damit wird laut Telekom bereits mehr als die Hälfte der Festnetzanschlüsse für Internetservices genutzt. Im Mobilfunkbereich steigt die Kundenbasis um 3,9 Prozent auf 5,2 Mio. in den ersten neun Monaten des Jahres, die Anzahl der mobilen Breitbandkunden stieg um 17 Prozent.

Ausblick bestätigt

Der Ausblick für das Gesamtjahr 2011 wurde bestätigt: Die Gruppen-Umsatzerlöse sollen ungefähr bei 4,50 Mrd. Euro liegen, das bereinigte Gruppen-Ebitda bis zu 1,55 Mrd. Euro betragen. Telekom-Chef Hannes Ametsreiter hatte den ursprünglichen Ausblick bei der Präsentation der Halbjahreszahlen minimal zurück gefahren. Die Mindestdividende von 0,76 Euro für die Jahre 2011 und 2012 wurde damals wie heute aufrechterhalten.

Die Telekom begründet den Ergebniseinbruch mit der starken Abwertung des weißrussischen Rubels, dem harten Wettbewerb in Österreich und den regulatorischen Vorgaben. Die Telekom steht in Weißrussland hinter dem Betreiber Velcom, das Engagement dort ist Teil der Untersuchungen der Task Force zur Aufdeckung der Telekom-Skandale rund im den Lobbyisten Peter Hochegger. Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass die Telekom auch Zahlungen an eine Vorfeldorganisation des ÖVP-Bauernbundes tätigte. Unruhe herrscht in der Telekom auch wegen eines möglichen Einstiegs des Investors Ronny Pecik und einer eventuellen weiteren Privatisierung des Unternehmens, wie sie Vizekanzler Michael Spindelegger am vergangenen Freitag angedacht hatte. (APA)

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