Hosea Ratschiller: Seitenhiebe beim Imitieren des Imitators

13. November 2011, 19:59
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Das Programm "Das gehört nicht hierher" des Nachwuchskabarettisten aus dem FM4-Team

Wien - Bryan Ferry darzustellen fällt Hosea Ratschiller, Nachwuchskabarettist aus dem FM4-Team, sicher leicht. Er dürfte auch ein überzeugendes Double für Peter Alexander abgeben. Doch die Sonnenbrille verweist auf Elvis. Und Hosea Ratschiller versteht es, dessen cooles Lächeln aufzusetzen. Aber er ahmt eigentlich nicht den King, sondern seinen Großvater nach, der, nachdem er aus dem Weltkrieg heimgekehrt war, als erster Elvis-Imitator reüssierte.

Vor der Trauergemeinde von Tschurtschach, einem fiktiven Nest, hat Ratschiller den Nachruf auf seinen Großvater zu halten. Immer wieder kommt er vom Thema ab, immer wieder stellt er fest: "Das gehört nicht hierher", wie denn auch das im Niedermair präsentierte Programm des Kärntners lautet. Aber genau das, was nicht hierher gehört, macht den sanft schrägen, mit unkorrekten Witzen durchsetzten Abend interessant: Ratschiller rechnet mit seiner Elterngeneration ab, er kritisiert die fehlende (Sozial-)Demokratie, er versteht die Politikverdrossenheit der Jungen und analysiert die neue Sklaverei.

Auch beim Leichenschmaus in der Alten Post ergreift Ratschiller das Wort. Doch nun, nach der Pause, hat er den roten Faden verloren: Zu viel gehört nicht hierher. Vor allem Melancholisches. Definitiv zu depri. Aber zumindest die erste Hälfte hat echt Klasse.  (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Printausgabe, 14.11.2011)

Nächste Termine: 14. und 15. 12.

  • Hosea Ratschiller.
    foto: niedermair

    Hosea Ratschiller.

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