Syrien und die Arabische Liga: Strategisches Denken

Kommentar13. November 2011, 18:13
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Die regionale Gemengelage, die ein militärisches Eingreifen in Syrien gefährlicher macht als in Libyen, besteht weiter

Dass das Regime von Bashar al-Assad in den drei Tagen bis zur Suspendierung Syriens seine "letzte Chance" zum friedlichen Rückzug von den Straßen nützt, glaubt die Arabische Liga selbst nicht. Viel zu viel ist passiert, mit Ausnahme einiger weniger wollen auch die Oppositionellen keine gütliche Einigung mehr, genauso wenig wie die USA, die den Liga-Friedensplan zwar begrüßten, aber weiter zum "regime change" aufriefen.

In Damaskus versteht man die Entscheidung der Arabischen Liga als ersten Schritt auf dem Weg zu einer Intervention von außen. Wenn die arabische Staatengemeinschaft selbst nach Maßnahmen ruft, dann ist es für Russland und China im Uno-Sicherheitsrat viel schwieriger, sich zu verweigern. Das war schon bei Libyen so.

Wobei die regionale Gemengelage, die ein militärisches Eingreifen in Syrien um so viel gefährlicher macht als in Libyen, jedoch weiter besteht - und mit dem Säbelrasseln gegen den Iran sogar noch schärfere Facetten bekommen hat. Im strategischen Denken zum Umbau der Region sind Syrien und der Iran - und die Hisbollah im Libanon - ein Paket. Einige Liga-Mitglieder sind gewiss mehr von diesem Denken konditioniert als von der Sorge um die syrischen Demonstranten. Denn eines ist sicher: Wenn in Syrien eine sunnitische Minderheit eine alawitische Mehrheit unterdrücken würde, und nicht umgekehrt, dann gäbe es keine Suspendierung in der Arabischen Liga. (DER STANDARD-Printausgabe, 14.11.2011)

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