Lufthansa-Teilumzug entfacht Airport-Wettstreit

13. November 2011, 17:18
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Flughafen Domodedowo gerät auf die Verliererstraße

Die Lufthansa plant Zeitungsberichten zufolge 2012 einen Teil- umzug innerhalb Moskaus. Dabei könnte der Flughafen Domodedowo als Verlierer dastehen, und der Konkurrenzkampf unter Moskaus Airports spitzt sich weiter zu. Drei Lufthansa-Flüge pro Woche sollen ab kommendem Jahr von Moskau Wnukowo starten. Laut der Tageszeitung Kommersant sollen von dort aus Berlin und Frankfurt angeflogen werden. Es gehe dabei um neue Flugverbindungen, nicht um eine Verlegung von Flügen aus Domodedowo, heißt es.

Lufthansa wollte die Nachricht nicht kommentieren, gemeinsam mit Wnukowo sollen aber nächste Woche Details einer künftigen Kooperation öffentlich gemacht werden. Derzeit fliegt von Wnukowo die Lufthansa-Tochter Germanwings. Die Kranich-Airline ist seit 2008 beim Flughafen Domodedowo ansässig, über den auch die AUA Moskau ansteuert. Die Lufthansa war zum damals modernsten Moskauer Airport gewechselt, weil sich die Bedingungen beim Aeroflot-Basisflughafen Scheremetjewo verschlechtert hatten.

Sicherheitsmängel

Inzwischen steht Domodedowo unter Druck. Zwar ist der Konzern mit mehr als 22 Millionen Passagieren immer noch Moskaus größter Flughafen. Doch zuletzt geriet er wegen Sicherheitsmängeln - so beim Anschlag im Jänner, bei dem auch zwei Österreicher ums Leben kamen - in die Negativschlagzeilen. Seitdem fahnden Sicherheitsorgane nach den wahren Besitzern des privat geführten Airports. Durch ständige Umbauten hat zudem die Qualität der Abfertigung gelitten, Fluggäste sind unzufrieden. Experten vermuten daher, dass Lufthansa den Absprung wagt. "Ich schließe nicht aus, dass Lufthansa völlig nach Wnukowo umzieht", sagt der Chefredakteur der russischen Luftverkehrsrundschau, Alexej Sinizki.

Wnukowo (2010: 9,5 Millionen Fluggäste) soll nach dem Willen von Premier Wladimir Putin mit Scheremetjewo (19,3 Millionen Passagiere) fusionieren, um Domodedowo Konkurrenz zu machen. Doch während Scheremetjewo, umfassend modernisiert, sich auf Aeroflot stützen kann, waren die Perspektiven von Wnukowo bei diesem Szenario eher unklar. Zumal das Unternehmen heuer, nachdem es von der Stadtregierung nicht mehr finanziert wird, einen Verlust von 50 Millionen Euro hinnehmen musste.

Mit Lufthansa bekäme auch Wnukowo einen Branchenriesen ins Nest. Der Umzug weiterer Airlines der Star-Alliance, auch der AUA, wäre dann nicht ausgeschlossen. Domodedowo will allerdings um seinen Kunden kämpfen: Domodedowo "war und bleibt der wichtigste strategische Partner der Fluggesellschaft im Moskauer Hub", betonte der Pressedienst. Es geht um viel Geld bei dem Gerangel um die Fluggesellschaften. Bis 2020 sollen sich die Abfertigungszahlen der Moskauer Flughäfen verdoppeln. Dann würden jährlich 100 Millionen Passagiere in der russischen Hauptstadt starten oder landen.(André Ballin aus Moskau, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 14.11.2011)

 

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