Haberzettl-Abgang

Letzte Ausfahrt in den Wohnbau der Eisenbahner

13. November 2011, 17:10
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    foto: apa

    Anpfiff zum Rückzug von Bahn und Gewerkschaft für Fahrdienstleiter Wilhelm Haberzettl.

Über Konflikte zwischen Wilhelm Haberzettl und SPÖ-Spitze herrscht rot-rotes Schweigen. Beredter sind Gewerkschafter

Wien - Dass Wilhelm Haberzettl den ÖBB-Holding-Aufsichtsrat vor dem in den mutmaßlichen Korruptionsskandal rund um den Linzer Terminal Tower verwickelten Horst Pöchhacker verlassen würde, galt als denkunmöglich. Seit Samstag ist es fix: Der 56-jährige langjährige ÖBB-Konzernbetriebsratschef legt bis Jahresende alle Funktionen in Bundesbahn und Gewerkschaft zurück und überlässt einem seiner schärfsten Widersacher, dem fast 73-jährigen ehemaligen Porr-Chef, das Feld - der Standard berichtete exklusiv.

Seit der damalige SP-Verkehrsminister Werner Faymann Pöchhacker als Aufsichtsratschef der Bahn installierte, ließen die beiden keinen Zwist aus: Pöchhacker warf Haberzettl vor, Personalabbau und Reformen zu blockieren. Haberzettl konterte, "Pö" mache die ÖBB mit unfinanzierbaren Tunnelprojekten zu einem Baukonzern mit angeschlossenem Eisenbahnbetrieb. Nun wechselt Haberzettl seinerseits in die Bauwirtschaft, er wird zweiter Geschäftsführer der in WBG Wohnen und Bauen umbenannten früheren Wohnbaugesellschaft der Ös- terreichischen Bundesbahnen. Er wird damit Herr über tausende Eisenbahnerwohnungen.

Dafür ist dem roten Spitzengewerkschafter (bis 2009 stand er der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter vor, ehe er von Privatangestelltengewerkschafter Wolfgang Katzian abgelöst wurde) zumindest seitens der Blauen eine schlechte Nachred' sicher: Haberzettl ziehe sich ins rote Wohnbau-Versorgungsparadies zurück, klagte FP-Generalsekretär Harald Vilimsky. "Offenbar konnte man es dem treuen Genossen nicht zumuten, allein mit seinem Nationalratseinkommen das Auslangen zu finden." Haberzettl lasse die ÖBBler im Stich.

Das stellt Haberzettl, der alle ÖBB-Chefs seit Helmut Draxler gegen sich hatte, in Abrede. Es sei Zeit für einen Generationswechsel. Über die "persönlichen Gründe" wird in Gewerkschaft und SPÖ spekuliert. Während die Parteispitze Streit mit Haberzettl über die ÖBB-Zukunft dementiert, sind Auskenner im ÖGB gesprächiger. Sie unken, die Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft Vida (in der die Eisenbahnergewerkschaft aufgegangen ist) sei knapp bei Kasse und reduziere Büroflächen in der ÖGB-Zentrale. Diesen Niedergang wolle Haberzettl nicht mitverwalten. "Blödsinn" und "Gerüchte ohne Substanz", wehrt Vida-Chef Rudolf Kaske ab.

ÖGB-Insider berichten freilich von akutem Sparzwang. ÖBB-Belegschaftsvertreter mit Vida-Mandat würden ihre Büros vom "Catamaran" in die ÖBB übersiedeln, um bei Vida Kosten zu sparen. Das klingt logisch. Von rund 80.000 Eisenbahnergewerkschaftsmitgliedern sind mehr als 40.000 Pensionisten, die Mitgliedsbeiträge daher tendenziell rückläufig. "Strukturen an geänderte Verhältnisse anpassen", beschrieb Haberzettl die Entwicklung vor Jahren.

Ob es für die ÖBB, die Haberzettls Abgang lapidar bedauerte, mit seinem Nachfolger leichter wird, ist ungewiss. Als Wunschkandidat der Basis gilt in Internet-Foren Roman Hebenstreit, Betriebsratschef der ÖBB-Traktion. Er hat tausende Lokführer hinter sich und damit das ÖBB-Nervenzentrum. (ung, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.11.2011)

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15 Postings
standardantwort
10
14.11.2011, 12:04

Wieer ein Nehmer mehr; und die kleinen Mitglieder werden verarscht - aber die lassen sich das eh gerne gefallen, weil es halt einer der ihren geschafft hat und lebenslang bestens versorgt ist...

chaimele
11
14.11.2011, 11:14
na gott sei dank ist er gut versorgt, hab mir schon sorgen gemacht

was österreich braucht sind mehr solcher kapazunder, die einfach alles können und überall ihrer tätigkeit nachgehen können.

Shodes
00
14.11.2011, 10:51
Nicht schlecht

Die Hälfte der Gewerkschaftsmitglieder sind Pensionisten? Entweder es gab früher mehr ÖBB-ler, oder die heute aktiven sind keine Gewerkschaftsmitglieder mehr, oder der Wechsel vom aktiven zum pensionierten Eisenbahner geschieht wirklich ziemlich früh.

ofen tschentschn
02
14.11.2011, 10:35
qualifikation?

fragt sich eigentlich niemand mit welcher qualifikation hr. haberzettel den geschäftsführerposten bei der wohnbaugesellschaft erhalten hat. war dies eine ausgeschriebene position mit kandidatenbewertung/auswahl?

Gerhard Grabner
09
13.11.2011, 21:14
Dass Pöchhacker und vorher Huber...

..aus der ÖBB eher eine Baufirma machten, da har Haberzettel schon recht, egal, wie man seine Politik sonst beurteilen mag.

fredi 1990
00
14.11.2011, 17:21
SCHUSSELS ERBEN haben halt gute arbeit geleistet!

die öbb ist unführbar!
die öbb-gesellschaften arbeiten gegeneinander!

jah fathead
00
14.11.2011, 09:13

Die haben ja nur der Regierung geholfen. So musste die Regierung kein Konjunkturpaket verabschieden :)

gebdensenfdazu
00
13.11.2011, 21:04

mal gucken wann die eisenbahnerwohnungen den besitzer wechseln....

blauwal
 
52
13.11.2011, 20:21
der verhinderer

jahrelang verhindert das die öbb ein sich selbst tragendes unternehmen wird. jetzt im angesicht, das bald alles den bach runtergeht , sich noch rechtzeitig aus der schusslinie gebracht. ein sogenannter feiner herr.

Politisch unkorrekt
00
13.11.2011, 19:24
Wer wird sein Nachfolger? Pelinka oder Rudas? Von wegen Generationenwechsel.....

Kriti Kaster
02
13.11.2011, 19:13
Wenn der Hebenstreit

sich nicht geändert hat (meine Beobachtungen sind einige Jahre her), dann ist er in erster Linie ein Roter und dann erst ein Gewerkschafter.

didi111
05
13.11.2011, 18:55
Meine Befürchtung aus dem Bauch heraus ..

..geht in die Richtung, daß durch das Faktum der schwindenden Bonität Österreichs die nächste zeit echt Sparen angesagt sein MUSS.

Obwohl Ende vergangener Woche eher wieder leichte Beruhigung eintrat an der Eurofront, sind die Themen weiter auf dem Tisch.

Rundum in Europa steigen die Schulden.

Ich las jetzt gerade im ORF-Teletext, daß Fekter, sollte die Ratingagenturen nächster Woche für Österreich eher bedenkliche Worte finden, die Schuldenbremse schneller einführen will.

Das ist auch (folge)richtig.

Ich unterstelle nur, daß es dazu schon seitens der Ministerien vorbereitende Gespräche gab mit bereits ausgearbeiteten Konzepten mit den betroffenen Betriebsräten.

Und das wird wahrscheinlich Haberzetttl nicht mitragen.

fredi 1990
00
14.11.2011, 17:24
hoffentlich sagt das die schotter-mitzi auch den neugebauer das gespart werden muss!

Kein Kommentar
12
14.11.2011, 09:32
Da werden sich noch mehr rote Bonzen verabschieden....

....., wenn sich das Füllhorn leert, weil gespart werden muss.

Der Alptraum eines jeden sozialistischen Politikers ist es, keine Wahlversprechungen machen zu können, die ex ante keine Glaubwürdigkeit haben.

Die ÖVP ist schon am Sand, jetzt erwischt es sukzessive die Roten.

didi111
00
14.11.2011, 11:06
Leider habern Sie recht..

Schaut man sich alleine jetzt die "Ten year government bond spreads" an, so sehen wir leider, wohin der Zug fährt.

http://markets.ft.com/RESEARCH/... nd-Spreads

Das wird wahrlich ein Trauerspiel werden.

DAS jetzt gespart werden muss, müssen auch Liesinger Nationalökonomen erkennen.

Die nächsten Wochen werden eindrucksvoll zeigen, wo wir stehen.

Sollte die Ratingagentur hier die nä#chsten Wochen mit einem Downgrading oder mit einer Warnung kommen, dann muss hier gehandelt werden.

Die Papiere sind sicher schon alle fertig und JETZT müssen sie den Betroffenen nähergebracht werden.

Das wird natürlich weh tun aber so wird diese Eurokrise auch in der Praxis ankommen.

..Leider...

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