Der Herr der Stangen und seine Linie

13. November 2011, 17:43
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Franz Madl ist der Parcoursbauer des Wiener Pferdefests. Er gibt Ross und Reiter vor, welche Hindernisse zu absolvieren sind

Wien - "Internationaler Parcoursdesigner Level 3", so lautet Franz Madls offizieller Rang. Vor drei Jahren ist er gemeinsam mit 15 Kollegen zur dafür nötigen Prüfung des Weltreitverbands (FEI) angetreten, gemeinsam mit sechs anderen hat er bestanden, er gehörte also der Minderheit an. Mit seiner relativen Jugend fällt der 35-jährige Oberösterreicher sowieso aus dem Rahmen. Die allermeisten Parcoursbauer haben den 50er schon hinter sich.

Madl stammt aus Freinberg bei Schärding, das liegt gerade noch in Österreich und noch nicht in Bayern. Er ist Pendler, arbeitet bei ZF, einem Passauer Unternehmen für Arbeitsmaschinen-Antriebstechnik und Achssysteme, als Anlagenbediener und -überwacher. Der Firma ist er dankbar dafür, dass sie ihm Urlaub gibt, wenn er auf Turniere fährt, um den Springreitern die Hindernisse hinzustellen. "Es ist ein recht zeitintensives Hobby", sagt er.

Vom Ross zum Parcours

Was einen jungen Freinberger dazu bringt, Parcours zu bauen? Madl ist selbst geritten, sein Pferd verletzte sich, er half da und dort beim Stangentragen mit, lernte den berühmten Parcoursdesigner Frank Rothenberger kennen, assistierte ihm, lernte, legte Prüfungen ab. Zum Reiten kommt er selbst mittlerweile kaum noch. Dafür baute er schon bei einigen Turnieren in Österreich die Parcours. Dann fragte ihn Pferdefest-Veranstalter Josef Göllner, ob er sich die Stadthalle zutraue. Madl: "Jetzt bin ich der Chef."

Beim Parcoursbauen ist einiges zu beachten. Zum Beispiel jene Grundregel, dass sich die Pferde im Verlauf eines Turniers steigern sollen. Madl baut also am ersten Tag noch relativ einfach, um die Rösser nicht zu überfordern. Dann wird es immer heftiger, und der Große Preis sollte die schwierigste Prüfung darstellen. Ziel des Parcoursbauers ist es, einige, aber nicht zu viele Teilnehmer ins Stechen zu bekommen. Natürlich kann er einfahren, schließlich müssen Ross und Reiter mitspielen. "Wenn nur einer Null geht und bei zwanzig Reitern jeweils eine Stange fällt, würde es kein Stechen geben. Das wäre Pech." Im Derby am Samstag ist Madl freilich schon völlig richtig gelegen, elf Paare hatten da das Stechen erreicht.

Zwischen Sicherheit und Anspruch

3,50 bis 3,70 Meter misst der Galoppsprung eines Pferdes, in der Halle sind die Galoppsprünge meistens kürzer als im Freien, auf gutem Boden (wie jenem in der Stadthalle) sind sie länger als auf schlechtem. Das alles fließt in Madls Überlegungen mit ein. Wenn er Kombinationen baut, bei denen ein Hindernis maximal zwei Galoppsprünge vom nächsten entfernt steht, ist er sicherheitshalber mit Maßband unterwegs. In der Wiener Stadthalle stehen ihm ein Chefassistent, acht weitere Assistenten sowie zwölf Helfer für Auf- und Umbau der Parcours zur Seite.

Den Grand Prix heute, Montag, sagt Madl, habe er längst im Kopf. "Da ist Kreativität gefragt, das geht nicht auf Knopfdruck. Deshalb ist es gut, wenn man mit einem gewissen Plan für den Großen Preis schon zum Turnier kommt." Jeder Parcoursdesigner habe übrigens eine eigene Linie. Jene von Madl sieht aus wie folgt: "Anspruchsvoll soll es sein, flüssig zu reiten. Aber vor allem fair." (Fritz Neumann, DER STANDARD Printausgabe, 14. November 2011)

 

  • Madl ist exakt und kreativ.
    foto: steckenpferd.antville.org

    Madl ist exakt und kreativ.

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