Besichtigung mit Journalisten

Japan bei Fukushima zuversichtlich

13. November 2011, 10:12

Erstmals Journalisten zur Ruine des AKW gelassen - Umweltminister Hosono: "Die Lage in der Anlage verbessert sich"

Okuma/Tokio - Auch acht Monate nach Beginn der Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima Daiichi zeugt das AKW noch immer von den Verwüstungen in Folge des Erdbebens und des Tsunamis. Auf einer von der Regierung erstmals seit dem 11. März organisierten Besichtigungstour bekamen Journalisten am Samstag von ihrem Bus aus zerstörte Reaktorwände, verrostete Gerüste, Kräne zur Beseitigung der Trümmerhaufen und verbogene Strommasten zu sehen. Sie begleiteten den für die Atomkrise zuständigen Umweltminister Goshi Hosono. "Die Lage in der Anlage verbessert sich", versicherte dieser.

Die gut 30 überwiegend japanischen Reporter mussten weiße Schutzanzüge und Atomschutzmasken tragen, durften aber nur vom Bus aus vier Reaktorgebäude von außen sowie einzelne andere Stellen anschauen. In die Gebäude selbst wurden sie nicht gelassen. "Wir, die wir hier arbeiten, haben das Gefühl, dass die Reaktoren stabil sind", erklärte der Manager der Kernkraftwerks, Masao Yoshida. Die Lage sei aber weiterhin so ernst, dass es schwierig sei, die notwendigen Arbeiten durchzuführen, sagte er nach der Tour in der erdbebensicheren Zentrale, dem einzigen Gebäude, das die Journalisten betreten durften.

Als der Bus mit den Journalisten am Reaktor Nummer 3 vorbeifuhr, habe der Geigerzähler geschrillt, berichtete die japanische Zeitung "Asahi Shimbun". Als ein Angestellter der Betreibergesellschaft Tepco die Strahlung gemessen habe, soll das Gerät eine Belastung von einem Millisievert pro Stunde (1.000 Mikrosievert) angezeigt haben. Der Grenzwert der Zentralregierung zur Evakuierung eines bewohnten Gebietes liegt bei 20 Millisievert (20.000 Mikrosievert) pro Jahr.

Durch das Unglück gelangte hohe Strahlung in die Umwelt und in die Nahrungskette. Tote in direkter Folge des Atomunfalls wurden aber nicht gemeldet. Das Gebiet im Umkreis von 20 Kilometern um das AKW wurde evakuiert, Zehntausende von Menschen verloren ihre Heimat.

In den ersten Tagen nach Beginn der Katastrophe habe er "mehrmals gedacht, dass ich sterben würde", wurde Yoshida weiter zitiert. In Folge des Erdbebens und des Tsunami am 11. März war es in den Reaktorgebäuden zu mehreren Wasserstoffexplosionen gekommen, wodurch Strahlung freigesetzt wurde. In den Reaktoren 1 bis 3 kam es zudem zu Kernschmelzen. Tepco gelang es inzwischen laut Medienberichten, eine Hülle um das Reaktorgebäude Nummer 1 zu errichten, um den Austritt von Radioaktivität zu reduzieren. Die Strahlenbelastung ist nach Angaben der Regierung inzwischen weit geringer als in den ersten Tagen.

Ihm sei von den Einsatzkräften in der Atomanlage berichtet worden, dass sie zum Jahresende wie geplant die Reaktoren ganz unter Kontrolle bekommen, wurde Umweltminister Hosono zitiert. Experten sprechen von einem "cold shutdown". Man wolle daher in Kürze mit den abschließenden Arbeiten beginnen, sagte Hosono laut der japanischen Nachrichtenagentur Jiji Press. Nach Angaben der Regierung wird es jedoch mindestens weitere 30 Jahre dauern, um den Kernbrennstoff zu beseitigen und die Atomanlage stillzulegen. Auf dem Reaktorgelände arbeiten nach Angaben des Betreibers Tepco täglich etwa 3.000 Menschen. (APA)

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10 Postings
Heinz Anderle
 
01
3.12.2011, 21:17
Die Zukunft der friedlichen Nuklearenergiegewinnung...

... wird am besten in Halbwertszeiten bemessen.

Dr. rer. nat. Heinz Anderle, Freigeist

W.E.
73
19.11.2011, 10:07
Atomkraft jetzt erst recht!

Wer zu rationalem Denken angesichts der Anti-Atom-Hysterie im deutschsprachigen Raum noch in der Lage ist, kommt man zwangsläufig zu dem Schluss, dass gerade Fukushima ein Beweis für die relative Sicherheit der Atomenergie ist. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Ein Uralt-Reaktor wird von einem Erdbeben erschüttert, wie es vielleicht alle 100 Jahre einmal vorkommt, wird danach von einer Flutwelle getroffen, welche tausende von Menschen tötet und ganze Landstriche verwüstet und trotz allem gelingt es den Ingenieuren innerhalb kurzer Zeit die Lage unter Kontrolle zu bringen ohne dass dabei auch nur ein einziger Mensch dabei ums Leben kommt. Atomkraft? Jetzt erst recht!

hedge
10
28.11.2011, 13:59

da hat sich aber jemand intensiv mit dem thema auseinandergesetzt ...

Friederich
21
21.11.2011, 14:37

Unwissenheit schützt vor Strahlung nicht.

WBR
02
16.11.2011, 21:08
Atomschutzmaske

Da ist der APA mal wieder eine tolle Wortschöpfung gelungen.

Voll in die Kaldaunen!
22
13.11.2011, 15:54
Bin neugierig, ob wir je die Wahrheit über die Strahlenopfer erfahren werden!

"Tote in direkter Folge des Atomunfalls wurden aber nicht gemeldet ...
Auf dem Reaktorgelände arbeiten nach Angaben des Betreibers Tepco täglich etwa 3.000 Menschen....
Nach Angaben der Regierung wird es jedoch mindestens weitere 30 Jahre dauern..."

W.E.
12
19.11.2011, 09:55

Die Wahrheit ist, dass durch das Reaktorunglück bisher noch kein einziger Mensch gestorben ist. Aber das passt ja leider nicht ins Weltbild der Anti-Atom-Aktivisten.

hedge
00
28.11.2011, 14:06

uiui, habs eh oben schon gepostet. Du musst dich aber richtig intensiv mit der Problematik auseinandergesetzt haben. Sonst würden dir solche Posts nichtmal einfallen, außer du willst über die echte Problematik der Atomenergie hinwegtäuschen, aber das unterstelle ich dir jetzt mal vorsichtshalber nicht.

Gerhard Ingolf
03
14.11.2011, 19:37
"Nach Angaben der Regierung wird es jedoch mindestens weitere 30 Jahre dauern..."

Das sind immerhin, je nach Betrachtung 3 bis 5 Reaktoren, wo man zuerst abwarten muss bis die Strahlung und Wärmeentwicklung der (jetzt ziemlich verformten und wahrscheinlich miteinander verschweißten) Reaktorbrennstäbe deutlich abgenommen hat. Sonst lagert man ja abgebrannte Brennstoffelemente auch viele Jahre am Reaktorgeleände, bevor man sie zur Wiederaufbereitungsanlage bringt.
Und danach muss man die Reaktorblöcke, mehrere m dicke Betonmäntel, abbauen.
Gegenfrage: Wie lange hat es gedauert, bis man in Wien die Flacktürme abgebaut hat? Vielleicht ist es in Fukushima auch kostengünstiger, eine Nachnutzung zu überlegen.

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