Schlaganfallmittel

200 Todesfälle nach Einnahme von Pradaxa

12. November 2011, 14:38

Mittel soll tödliche Blutungen auslösen - Pharma-Konzern forderte Ärzte zu Vorsicht auf

Weltweit sind nach der Behandlung mit dem neuen Schlaganfallmittel von Boehringer Ingelheim mehr als 200 Menschen gestorben. Seit der ersten Zulassung von Pradaxa im März 2008 bis zum 31. Oktober 2011 beträgt die Gesamtzahl der weltweit gemeldeten Verdachtsfälle von tödlichen Blutungen 260, wie Deutschlands zweitgrößter Pharmakonzern am Samstag mitteilte. Einem Bericht von "Spiegel-Online" zufolge traten 21 Todesfälle in Europa auf, vier davon in Deutschland. Anfang November hatte der Familienkonzern von einer Größenordnung von lediglich etwa 50 Verdachtsfällen zu tödlichen Blutungen im zeitlichen Zusammenhang mit der Einnahme von Pradaxa gesprochen.

Boehringer Ingelheim wies darauf hin, dass die Zahl der bisher gemeldeten Verdachtsfälle damit im Verhältnis deutlicher geringer als jene sei, die in der Zulassungsstudie für das Behandlungsfeld Schlaganfall-Prävention erhoben worden war. "Boehringer Ingelheim nimmt alle Meldungen zu Nebenwirkungen und Todesfällen sehr ernst und überwacht den Einsatz all seiner Medikamente inklusive Pradaxa kontinuierlich", erklärte Klaus Dugi, Top-Manager im Medizingeschäft bei Boehringer.

Zur Vorsicht aufgerufen

Der in Ingelheim bei Mainz ansässige Konzern hatte erst jüngst die Ärzte aufgefordert, künftig weitere Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen. So sollen die Mediziner die Nierenfunktion von Patienten vor einer Behandlung mit dem Präparat überprüfen. Bei Patienten, die älter als 75 sind oder unter einer beeinträchtigten Nierenfunktion leiden, solle das Organ mindestens jährlich untersucht werden. Patienten mit schweren Nierenfunktionsstörungen sollten das Mittel gar nicht erst bekommen. Das Schlaganfall-Präparat Pradaxa wird hauptsächlich über die Niere ausgeschieden. Ist die Nierenfunktion aber gestört, bleibt das Medikament im Körper. Innere Blutungen können dann lebensbedrohlich werden. (Reuters)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 43
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u-turn
23
13.11.2011, 18:42
leute lernt lesen! und vor allem denken!

260 todesfälle von wievielen patienten, die das medikament einnehmen? 260 von 1000 oder 260 von 1000000. steht nirgends und somit wahnsinnig schlechter arktikel vom standard. unter aller sau!! schlechter gehts kaum, reine panikmache von ahnunglosen!
und dann kommen wieder panikpost von ahnungslosen, und frau dagi r. zeichnet sich auch mal wieder durch unglaublich fundiertes medizinischen wissen aus! wahnsinn!
aber jeder darf schreiben was er will, nur sollte sich jeder was dabei denken wenn er was liest!

Transalpin2
00
14.11.2011, 08:46
Stimme absolut zu ....

... was die Qualität der vom STANDARD hier transportierten Informationen betrifft. Das ist leider kein Einzelfall, sondern die Wissenschaftsredaktion im Bereich medizinischer Studien baut wöchentlich mehrere dicke Hämmer.

Clemens Schwarz
01
13.11.2011, 22:47
410000 Patientjahre

um ihre Frage zu beantworten und es ist ein 15 Milliarden Euro Mark. Also geht es um richtig große Beträhe.

byron sully
01
13.11.2011, 14:56

manchmal hab ich das gefühl, man lebt ohne medikamente um einiges sicherer...

M L3
10
13.11.2011, 22:10
Bei velen Erkrankungen stirbt man ohne Medikamente um einiges sicherer

byron sully
01
14.11.2011, 14:39

das stimmt schon. und ich möchte mein posting auch nicht als radikale medikamente-ablehnung verstanden wissen (ich nehm hin und wieder auch mal selber welche), sondern wollte eher hinterfragen, ob medikamente auch wirklich immer nötig sind bzw. sinnvoll verschrieben werden.

birka
10
14.11.2011, 21:02

wenn man auf Schlaganfälle steht dann sollte man auf Pradaxa genauso verzichten wie auf Markumar

u-turn
00
14.11.2011, 12:17
das leben ansich ist eine krankheit

mit einer mortalität von 100%

wuca
22
13.11.2011, 18:32

die lebenserwartung sagt was anderes, ansonsten einfach jeden arzt und jegliche medikamente meiden. zwingt sie ja keiner.

byron sully
01
14.11.2011, 14:40

ich lehne medikamente nicht ab, ich hinterfrage nur manche verschreibungspraktiken.

HLAB27
11
13.11.2011, 11:00

mhmm hätte mir eine höhere zahl erwartet. unter dem bisherigen marcumar gibt es deutlich mehr tötliche blutungen. und die todesfälle wenn man beide medikamente bei vorhofflimmern nicht verabreicht sind bei weitem höher. was soll die einseitige darstellung im artikel? dabigatran ist bisher ein absoluter fortschritt.

f gut
11
13.11.2011, 19:14
.....bitte, tuns mir einen Gefallen.....

.......schreibens töDlich, wenns geht, bitte!!!!!!!!!!!!!!!!!
Der Tod ist richtig, du bist tot ist auch richtig, ich töte auch, aber man schreibt tödlich!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!1

astemp79
22
13.11.2011, 09:16
Studien

Mir kann keiner erzählen, dass diese Gefahr in Phase 3 der Zulassungsstudien - mit 1000-5000 Patienten! - nicht aufgefallen wäre.
Das Verschweigen ungünstiger Studienergebnisse wäre aber glatter Betrug. Es wäre daher dringend notwendig, diese Studien streng zu überwachen und unabhängig zu prüfen und die Studienziele vorher genauestens festzulegen.
Ebenso müsste die Zulassungsbehörde strenger unabhängig überwacht werden - denn sie hat Aufsichtspflicht für alle auf dem Markt befindlichen Medikamente, und ihr hätten diese Missstände (die sicher nur die Spitze des Eisbergs anzeigen) längst aufdecken müssen.

Transalpin2
00
14.11.2011, 11:18
doch, das geht! Hier wird es erzählt:

Sie können auf der Web-Site
http://sampsize.sourceforge.net/iface/index.html
es sich auch selber ausrechnen!!!!!
Wenn die Rate der Blutungen tatsächlich (wie oben von Clemens Schwarz berichtet) bei 260:410000 = 0,00063 liegt, dann haben Sie bei einer klinischen Studie mit 2500 Patienten in der einen und 2500 in der anderen Gruppe eine statistische Chance ("Power") von rund 5%, dass Sie diesen Unterschied zu 0% Blutungen auch finden! Statt Gesinnungen zu posten, wären Argumente vielleicht bei so wichtigen Fragen wie der Risiko/Nutzen-Abwägung nach Schlaganfall der bessere Weg.

Dagmar Rehak Wien
 
10
13.11.2011, 12:06

Es kommen mir auch die Ergebnisse immer wie vorbestimmt vor.
ZB werden immer nur zwei Medikamente verglichen, und dann das weniger tödliche als das um xy% lebensverlängendere beworben. Oder wenn Probanden wegen vorzeitigen Todes ausfallen, werden sie aus der Statistik genommen, anstatt darüber nachzudenken, ob das vielleicht an der Droge gelegen hat. Dann wird auch oft behauptet, die erwünschte Wirkung würde "beeindruckend" sein, während die unerwünschte Wirkung im 1%-Bereich liegt. Dabei ist das völlig unmöglich, dass eine Substanz Gerinnsel verhindert, aber nicht auch die alltägliche Gewebeneubildung. Die Leute zerfallen praktisch bei lebendigem Leib. Das geht schon aus der Wirkung hervor, aber die "Studien" erkennen das angeblich nicht.

marty fink
00
14.11.2011, 11:33
Bereits nach ihrem ersten Satz sieht man,

dass sie von modernen Studiendesign keine Ahnung haben...
Nehmen sie doch die von ihnen kritisierten Studien zur Hand, diese werden sie ja anhand ihrer fundierten Kritik durchgelesen haben und argumentieren dann genau mit dem zugrundeliegenden Zahlenmaterial und den ihre Meinung nach kritischen Punkten des Designs!

Transalpin2
01
14.11.2011, 08:36
UNSINN!

1) Mittel X gegen Mittel Y zu vergleichen, wird von den Zulassungsbehörden dann VERLANGT, wenn es schon einen wirksamen Standard gibt (also z.B. Y), der wirksamer ist als Placebo. In einer solchen Situation wäre es UNETHISCH, wiederum die Hälfte der StudienpatientInnen in einer Placebo-kontrollierten Studie unbehandelt zu lassen!
2) Von keiner Zulassungsbehörde würde eine Phase III Studie akzeptiert, in der nicht genau über die Drop-Out Patienten berichtet wird, und gecheckt wurde, ob diese das Ergebnis verfälschen. Dazu gibt es jede Menge solider statistischer Techniken.
3) Ob Adverse Events akzeptabel sind oder nicht, hängt nicht (nur) von der Häufigkeit ab, sondern auch vom Schaden, der OHNE Medikament zu erwarten ist.

Dagmar Rehak Wien
 
20
14.11.2011, 08:50

ad 1) Unethisch ist eine Ausrede. Damit geht man davon aus, dass es mit Medikament auf jeden Fall besser ist, das ist aber nicht der Fall. Wahrscheinlich hat es schon entsprechende Vergeichsstudien gegeben, aber das Ergebnis hat nicht gefallen.
ad 2) Stimmt einfach nicht. In jeder Studie gibt es Probanden, die ohne nähere Erklärung ausfallen. Da gibt es keinerlei Kontrolle.
ad 3) Der Schaden, der ohne Medikament zu erwarten wäre, wird in der Regel ohne jeden Beleg behauptet. Es ergibt sich allein schon aus der beabsichtigten Wirkung eine Gesundheitsschädigung, die es unbehandelt nicht geben würde, im oben erwähnten Medikament zB die Behinderung der Wundheilung und Gewebeerneuerung.

Transalpin2
01
14.11.2011, 09:04
und schon wieder falsch .....

@1) Natürlich wurde die Wirksamkeit eines neuen Mittels in beide Richtungen überprüft, also auch, ob es vielleicht schlechter ist, als Placebo oder "treatment as usual". Übrigens: Von rennomierten Zeitschriften (BMJ, NEJM, Lancet) werden nur noch klinische Studien veröfftentlicht, die VORHER in entsprechenden Registern angemeldet wurden. D.h., das "unter den Tisch fallen lassen", das Sie vermuten, geht nicht mehr!
@2: Drop-Out Analyse macht man z.B. so, dass man für alle Drop-Outs annimmt, dass das Mittel NICHT wirkt (man ist z.B. konservativ). Wenn dann trotzdem ein Vorteil für Drug X ensteht, ist es OK.
@3: Es gibt für Schlaganfälle sehr präzise Studien, die einen voraussagen lassen, wieviele nach Erstinsult in welcher Frist versterben.

Bonair
00
14.11.2011, 14:01
@2: Drop-Out Analyse macht man z.B. so, dass man *restlicher Quatsch*.

Das ist aber sehr aufbauend, dass Sie es nicht einmal für möglich halten, dass:
a) Teilnehmer einer Studie nebenwirkungsbedingt abbrechen (so viel blinden Glauben an Medikamente wie Sie möcht ich auch mal haben!)
b) Teilnehmer wegziehen/ eine zum Studienpräparat kontraindizierte Therapie brauchen/ Nierenfunktionsverschlechterungen erleiden
c) Mortalitätsunterschiede nicht im einzelnen Individuum spürbar sind.

Ich bin mir nicht sicher, ob Studiendesign und Medizinstatistik Ihre starken Fächer sind, fürchte aber fast, dass dem nicht so ist...

Bonair
00
14.11.2011, 14:07
Sorry ;)

Sollte nicht so rüberkommen, hab den Namen der Alleswisserin oben gelesen.
Ich bin aber dennoch der Meinung, dass Drop Outs bei solchen Analysen nicht pauschal als Therapieversager klassifiziert werden.

Transalpin2
00
14.11.2011, 14:18
Ìch habe geschrieben: "z.B."

Wenn man (z.B. in Follow-Up Studien zur Suchtbehandlung) die nicht mehr erreichten (oft auch wieder "Abgestürzten") PatientInnen schlicht und einfach als "Therapieversagen" klassifiziert, ist man auf der sicheren Seite. D.h., wenn trotzdem die neue Therapie besser ist, dann ist sie es wirklich, auch wenn die "wahre" Erfolgsquote unklar bleibt. Das Argument sticht also gerade dann, wenn selektiver DROPOUT beim neuen Medikament auftritt.
Natürlich gibt es andere Techniken auch, z.B. "propensity scores" zu berechnen, oder multiple imputation Verfahren usw. .... Aber ich wollte es EINFACH halten.
Dass ich medikamentengläubig/studiengläubig wäre, das wäre mir neu. Im Gegenteil. Aber ich habe was gegen "Antiszientismus" bei SkeptikerInnen.

Bonair
11
14.11.2011, 10:02
Viel Geduld wünsche ich...

Dagmar medizinische Zusammenhänge näherbringen zu wollen, ist eine - gelinde gesagt - unglaubliche Zeitverschwendung.

Godesberg
00
14.11.2011, 12:52
Geteilte Geduld ist doppelte Geduld, daher liebste Dagmar, hören Sie:

ad 1) Wenn man ein großes Tier haben will, kann man wie folgt vorgehen. Man nimmt ein Tier, z.B. eine Katze. Dann nimmt man ein weiteres Tier, z.B. eine Kuh. Man stellt beide nebeneinander und stellt fest - sofern man kein sehr kleines Kalb genommen hat - dass die Kuh größer ist als die Katze. Jetzt sagt einem jemand: Hey, wir haben aus ersten Messungen eine begründete Vermutung, dass ein Elefant größer sein könnte als eine Kuh - und Sie wollen ja ein möglichst großes Tier haben. Was machen Sie also? Sie stellen den Elefanten natürlich neben die Kuh und nicht neben die Katze. Denn wenn der Elefant größer ist als Kuh, ist er ja auch größer als die Katze. Wenn nicht, ist es egal, denn Sie wollen ja das größte Tier haben.

Alles klar, oder?

Transalpin2
00
14.11.2011, 13:34
miau - Muhh - Trompeeeet!

Danke!

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