Zwischen Unschuld und Erotik: Ohrenputzstudios boomen in Japan

12. November 2011, 14:00
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Die Mehrheit der Kunden sind Männer, die Bediensteten Frauen - Eine halbe Stunde kostet umgerechnet 25 Euro - Klartext: "Keine sexuellen Dienste"

Tokio - Wenn Takahisa Kobayashi seinen Kopf in den Schoß der Ohrenputzerin bettet, denkt er an seine Mutter. Er liegt auf einer Matte aus Reisstroh und schaut in die sorgfältig geschminkten Augen der 24-jährigen Amane. Der traditionell eingerichtete Alkoven lässt die grellen Neonlichter der Straßen von Tokio vergessen. Die 24-Jährige spricht mit sanfter Stimme, während sie mit einem scharfen Bambusstock das Ohrenschmalz herauskratzt. Die zwischen Unschuld und Erotik rangierenden Ohrenstudios boomen in Japan.

"Ich komme hierher, um abzuschalten", sagt der 30-jährige Kobayashi, der eine Beratungsfirma leitet. "Die meisten Japaner verbinden das Ohrenputzen mit ihrer Kindheit." Schließlich erinnere ihn die Zeremonie an seine Mutter, die ihn auf ihren Schoß setzte, um liebevoll seine Gehörgänge vom Schmalz zu befreien. "Gelegentlich putzt meine Frau meine Ohren, aber das ist ohne den traditionell japanisch eingerichteten Raum und die Tatami-Matte nicht dasselbe."

Kobayashi ist einer von bis zu 150 Kunden - mehrheitlich Männer - die täglich in den Ohrenreinigungssalon Yamamoto Mimikakiten im quirligen Akihabara-Viertel kommen. Für eine halbe Stunde zahlen die Kunden umgerechnet 25 Euro. 16 Zimmer hat der Salon, einer von elf Filialen einer Kette. Oft sind alle belegt.

Amane begrüßt ihre Gäste im Sommer-Kimono mit einer Tasse grünem Tee. Sanft legt sie den Kopf der Kunden auf ihren Schoß und sucht die richtigen Stäbchen aus Metall oder Bambus. "Die Kunden sagen, es wirkt heilend und tröstlich, manche schlafen sogar fest ein während der Sitzung", sagt sie. Die 24-Jährige, die auch als Masseurin arbeitet, kam ursprünglich als Kundin zu dem Salon. Damit gehört sie zu einer Minderheit von nur fünf Prozent, wie Salonmanager Satoru Takahashi angibt.

Lockerung der Gesetze

Seit der Lockerung der Gesetze vor sechs Jahren boomt das Gewerbe in Japan. Nun dürfen Servicekräfte ohne medizinische Ausbildung ihre Dienste anbieten. Überall in den größeren Städten schossen Ohrensalons aus dem Boden. Während sich die Salons der Kette Yamamoto Mimikaki tatsächlich auf das Reinigen der Gehörgänge konzentriert, offerieren andere Ketten Exotischeres, wie zum Beispiel den stundenlangen Dienst am Ohr in speziellen Dienstmädchenkostümen.

"Keine sexuellen Dienste"

Die Mimikaki-Salons bewegen sich in der Grauzone zwischen Unschuld und kommerziellem Sex, ähnlich den japanischen Hostessen-Bars oder Coffee Shops mit leicht bekleideten Kellnerinnen. Sie wurzeln in der Geisha-Kultur, in der sich Gesellschaftsdamen viel Geld und Respekt verdienen können. Die dunkle Seite der Mimikaki-Industrie offenbarte sich jedoch vor zwei Jahren, als die Ohrenputzerin Miho Ejiri zusammen mit ihrer Großmutter von einem Kunden erstochen wurde: Zuvor hatte die 21-Jährige die Avancen des Mannes abgewehrt.

Da ausschließlich weibliches Personal der vorwiegend männlichen Kundschaft gegenübersteht, spricht ein Schild in der Rezeption Klartext: "Wir bieten keine sexuellen Dienste an", heißt es da. "Das Ohrenreinigen wird abgebrochen, sobald die Frauen belästigt werden." Gleichwohl dürfen Kunden ihre Lieblingsdame wählen und im Blog der Salons Fotos der aktuell beschäftigten Ohrenputzerinnen einsehen (www.yamamotomimikaki.com). Takahashi: "Nach dem Ohrenputzen blasen die Mädchen in die Ohren der Kunden, um Staub herauszuholen", erzählt er. "Viele bitten die Mädchen, kräftig zu blasen." (APA)

  • Die meisten Kunden in den japanischen Ohrenputzshops sind Männer. Sie  dürfen ihre Lieblingsdame wählen und im Blog der 
Salons Fotos der aktuell beschäftigten Ohrenputzerinnen einsehen.
    foto: www.yamamotomimikaki.com

    Die meisten Kunden in den japanischen Ohrenputzshops sind Männer. Sie  dürfen ihre Lieblingsdame wählen und im Blog der Salons Fotos der aktuell beschäftigten Ohrenputzerinnen einsehen.

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