Der Österreicher und sein Mikro-Hund

Kolumne11. November 2011, 21:55
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Über hinterfotzige Kleintiere

Es ist ein Jammer. Der Tierfutterproduzent "Royal Canin" macht eine Umfrage, und was kommt dabei heraus? Der Anteil der sogenannten XS-Hunde an der heimischen Hundepopulation hat von 11 Prozent im Jahr 2009 auf 15 Prozent im Jahr 2011 zugelegt. Ist das österreichische Volk noch bei Sinnen?

Ich bin zwar noch nicht ganz durch bei der großen Sammelbild-Aktion von Österreich ("180 Hunderassen, die Sie kennen sollten"), aber die prinzipiellen Unterschiede zwischen Hunden sind mir bewusst: Es gibt, erstens, Maxihunde, das sind die großen, kalbsartigen. Dann mittelgroße Hunde, die sind etwas kleiner, und schließlich XS-Hunde (vulgo umgebaute Mäuse). Die Gentechniker arbeiten auch schon an Nanohunden, die die Südchinesen dann in einer einzigen Frühlingsrolle unterbringen können.

Missverstehen Sie mich nicht: Keineswegs möchte ich jenen Lesern, die sich hin und wieder einen Chihuahua aufs Brot streichen oder einen Rattler abbraten, ein schlechtes Gewissen machen. Ich möchte nur ein wenig Nachdenklichkeit in die Diskussion bringen, ob ein Zusammenleben von XS-Hund und Mensch überhaupt möglich ist. Meine Antwort: Nie und nimmer.

Denn: Jeder Mikrowaldi hat naturgemäß ein Eck weg. Der Grund dafür ist rührend und kann mit Alfred Adlers Minderwertigkeitskomplex erklärt werden. Seiner Kleinheit wegen wähnt sich der XS-Hund stets in Gefahr, mit einem Waschlappen, Badeschwamm oder Staubwedel verwechselt zu werden. Dieses frustrierende Lebensgefühl kompensiert er durch doppelte Fiesität, dreifache Beißlust und Hinterfotzigkeit zum Quadrat.

Wenn einen ein Dogo Argentino anfällt und verstümmelt, tut er das mit offenem Visier, im ehrlichen Kampf Hund gegen Mann. Der XS-Hund hingegen attackiert routinemäßig von hinten ("Wadlbeißer"), verzischt sich dann blitzartig in sein Mauseloch und lässt sein Opfer stehen wie einen begossenen Pudel. Zum Schmerz gesellen sich Schmach und Schande.

Eine zweite Umfrage, die mir zu denken gab, kam von News: 20 Prozent der Österreicher treiben SM-Spiele. Das kann kein Zufall sein. Der Zusammenhang mit den Hundevorlieben liegt auf der Hand. Typisches Handygespräch von Austro-Sado zu Austro-Maso: "Wart nur, du Ferkel, in einer halben Stunde wirst du bestraft! Und diesmal bring ich auch den Pekinesen mit." (DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.11.2011)

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