Die Verkaufsquoten waren schon mal besser. Die Bilanz der 87. Kinsky-Auktion fällt damit in die Kategorie Trostpflaster
Natürlich
hatte der Rücktritt des erst seit Mai amtierenden Geschäftsführers
Nikolaus Schauerhuber jüngst für Gemunkel gesorgt. Aus gesundheitlichen
Gründen und im besten Einvernehmen, lautete die offizielle Version. Kaum
hatte seine Ära "im Kinsky" begonnen, war sie auch schon wieder vorbei.
Spontangenesung gilt es wohl keck zu attestieren, wenn Schauerhuber am
Samstag (12. 11.) im Westlicht für 840 Positionen den Auktionator gibt.
Derweilen ging anlässlich der 87. Auktion diese Woche alles seinen
gewohnten Gang. Souverän dirigierte Teilzeit-Pensionär Otto-Hans Ressler
die Sektionen Alte Meister sowie Jugendstil, und Energiebündel Michael
Kovacek gab bei Antiquitäten und Klassische Moderne sein Pult-Debüt.
Die im Vorfeld als Stimmungsmacher gehandelten Werke erwiesen sich als Musterschüler: Allen voran die von Äffchen bevölkerte Allegorie der Tulipomanie
Jan Brueghel d. J., um die sich der deutsche Kunsthändler Peter
Mühlbauer vergeblich bemühte, der Zuschlag erfolgte bei 74.000 Euro
(brutto 92.500) an einen französischen Telefonbieter. Für Johann Georg
Platzers Gemäldependant (Anbetung der Hirten, Kreuzabnahme)
behielt Dorotheums-Sensalin Renate Krenmayr mit 360.000 Euro (429.000)
die Oberhand. Den höchsten Zuschlag beim 19. Jahrhundert bewilligte
wiederum ein Brite für Corots Ebene von Bois-Guillaume (103.750)
gefolgt von einem heimischen Bieter, der sich Josef Niggs auf Porzellan
gemaltes Blumenstillleben sicherte (87.500).
Prominenz
behübschte die Sparte Jugendstil: Künftig wird Ronald Lauder (Neue
Galerie, New York) in Josef Hoffmanns mit gelb-beigem Rehleder
tapezierten Clubsesseln (31.250) lümmeln und aus einer Prutscher-Karaffe
(38.750) Hochprozentiges nippen. Bei Klassischer Moderne rief Bernard
Buffets moderat taxiertes Stillleben nicht weniger als 17 Telefonbieter
auf den Plan, am Ende des Scharmützels fiel der Hammer bei 35.000
(43.750) zugunsten eines Franzosen. Etwas tiefer langten zwei
Österreicher in die Taschen, die sich Josef Dobrowskys Die Armen im Geiste (78.244) oder Josef Flochs Wiese
(57.000/71.250) aus dem Angebot fischten. Den Tagessieg holte sich eine
kleine Tuschzeichnung Pablo Picassos (239.250), die in Frankreich eine
neue Heimat fand.
Der
Gesamtumsatz der 87. Auktionssause in der Höhe von 4,3 Millionen Euro
fiel mit einer durchschnittlichen Absatzquote von 44 Prozent dennoch in
die Kategorie Trostpflaster. (kron / DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.11.2011)