Jakob Auer ist der neue Chefbauer

11. November 2011, 20:01
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Einst Pflichtschulabschluss und Präsenzdienst, heute Parlamentarier mit den meisten Nebenfunktionen - und jetzt noch ein Amt: Jakob Auer (63) seit 28 Jahren im Nationalrat, ist neuer Präsident des mächtigen schwarzen Bauernbundes, den sein Vorgänger Hals über Kopf verlassen hat.

Zum Auftakt gab Auer, Schweinebauer in Oberösterreich, gleich einmal ein Versprechen ab: dass er von seinen zehn Nebenbeschäftigungen nun auf "einige" verzichten werde.

Die eigene Schweinemast "mit 500 Plätzen" hat der gebürtige Tiroler aber ohnehin schon an seine Frau sowie einen seiner beiden Söhne übertragen.

Den Aufsichtsratschef bei der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich wird Auer wohl kaum abgeben, weil er daraus ein Einkommen lukriert, ebenso wie aus der Funktion als Genossenschaftsanwalt. Überhaupt entfallen von Auers Nebentätigkeiten die meisten unter das Giebelkreuz. Die übrigen Posten bringen ihm aber, so beteuert er, kein zusätzliches Salär zu seiner Einkunft als Nationalrat. Etwa sein Engagement bei der Raiffeisenbank Wels Süd; oder als Vize-Vorsitzender der Raiffeisen Klimaschutzinitiative. Herbert Kickl, FPÖ-Generalsekretär und nicht gerade ein Freund der feinen Klinge, bereitete dem Neuen an der Spitze der wichtigen schwarzen Teilorganisation deshalb einen äußerst unfreundlichen Empfang: "Die Giebelkreuz-Krake" habe "einen neuen Fangarm" , ätzte er per Aussendung.

Nach dem ersten Auftritt von Auer steht jedenfalls fest: Hier ist auch nach Fritz Grillitsch nicht gerade ein liberaler Landwirt am Werk. Tierschutz? Die Diskussion um artgerechte Ferkelhaltung ist für Auer "nicht nachvollziehbar" . Bio? Wird auch künftig nicht mehr erzeugt, weil dies für viele Konsumenten "unleistbar" wäre. Debatten um höhere Grundsteuern sieht Auer, vornehm ausgedrückt, als "große Herausforderung" - kein Wunder, denn das würde seine Bauern gehörig belasten. Immerhin zu der von Grillitisch angedachten Kürzung von Sozialleistungen für arbeitslose Ausländer findet der Bauernbündler deutliche Worte: Gäbe es hierzulande keine ausländischen Erntehelfer, "würden wir dumm dastehen" .

Und was macht Auer, wenn er nicht gerade im Nationalrat sitzt oder in einer seiner Nebenfunktionen tätig ist? Schlafen mitnichten. Seine Hobbys: die Feuerwehr und Skifahren - was ihm sogar schon einmal den Meisterschaftstitel im Parlament eingebracht hat. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD; Printausgabe, 12./13.11.2011)

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