Heiße Diskussionen um schmutzige Kohle

12. November 2011, 10:59
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So manches Kohlekraftwerk dürfte nur deshalb errichtet werden, weil dabei internationale Klimagelder lukriert werden können

Brüssel/Wien - Energie aus Kohle ist die klimaschädlichste fossile Energie, weshalb Klimaschützer am liebsten hätten, dass sie erst gar nicht mehr abgebaut und verbrannt wird. Doch das Gegenteil ist der Fall. Immer mehr Kohlekraftwerke werden aufgestellt - und das ironischerweise sogar häufig mithilfe von internationalen Klimaschutzgeldern.

Im Rahmen eines Vorabtreffens zur Klimakonferenz in Durban, Südafrika, im Dezember soll deshalb noch im November darüber beratschlagt werden, ob und wie die UN solche klimaschädlichen Projekte künftig unterstützten will. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard hatte erst kürzlich dazu zum Standard gemeint, dass es genau zu überlegen sei, ob solche Projekte im Rahmen von CDM (Clean Development Mechanism) gestoppt werden sollen. Schließlich handelt es sich dabei um "Clean Coal"-Projekte. Das heißt, alte Kohlekraftwerke werden so umgerüstet, dass sie weniger vom klimaschädlichen Kohlendioxid (CO2) in die Atmosphäre pusten. Oder einem neuen Kraftwerk wird mit verschiedenen Technologien höchstmögliche Energieeffizienz verpasst. Auch die umstrittene CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage, dabei wird das CO2 verflüssigt und im Erdreich gebunkert) zählt zu "Clean Coal"-Technologien.

Klimaschützern ist die Weißwaschung von Kohle gar nicht recht. "Finanzielle Unterstützungen für Kohlekraftwerke ist eine klar umweltschädliche Subvention, die gänzlich abgeschafft werden muss", so Johannes Wahlmüller von Global 2000. Internationale Klimaschutzgelder sollten besser in erneuerbare Energie und Energieeffizienz gesteckt werden.

Einfach schwarz-weiß ist es aber nicht. Die Verfügbarkeit von Kohle ist (im Gegensatz zum Erdöl) noch viele Jahrzehnte gesichert. Insbesondere China und Indien setzen vermehrt auf eigene Kohle und bauen ein Kraftwerk nach dem anderen. Dies macht diese Länder unabhängiger von Energieimporten - allerdings sind die weltweit im Steigen begriffenen Treibhausgasemissionen auch auf die forcierte Nutzung von Kohle zurückzuführen.

Besonders pikant wird die Sache dadurch, dass in einer erst kürzlich veröffentlichten Studie von CDM-Watch, einer Brüsseler Klimaschutzorganisation, geargwöhnt wird, dass viele Kohle-Projekte nur deshalb initiiert werden, weil es dafür Finanzgutschriften geben kann. Möglich werden die Millionenzuschüsse, weil die Projektwerber vor dem zuständigen CDM Executive Board angeben, ohne die Klimaschutzgelder Kraftwerke mit schlechterem Wirkungsgrad und höheren Emissionen bauen zu müssen. Das CDM Executive Board gehört zur UN-Klimaorganisation UNFCCC.

Programmreformen

Schon früher waren CDM-Programme kritisch aufgefallen. So wurden CDM-Finanzmittel für die Entsorgung des klimaschädlichen Kältemittels HFC-23 in China aufgewendet. So lange, bis klar wurde, dass in China angesichts der Klimaschutzgelder die Produktion dafür extra angekurbelt worden war.

Auch wenn "Clean Coal"-Kraftwerke weiterhin im Rahmen der UN-Klimaschutzvorgaben gesponsert werden, zu einer Programmreformierung von CDM (Clean Development Mechanism) wird es auf alle Fälle kommen müssen, so Klimakommissarin Hedegaard. CDM sei so administrativ aufwändig, dass nur große Staaten wie China und Indien Projektausschreibungen durchführen können. "Die EU will, dass CDM künftig mehr auf Afrika, mehr auf die ganz armen Länder zugeschnitten wird", sagte sie. Damit kann sich auch Alexandra Amerstorfer, Geschäftsführerin der in Österreich zuständigen Kommunalkredit Public Consulting (KPC), anfreunden. Überhaupt habe man in Österreich im Rahmen von CDM keine Kohlekraftwerke unterstützt, betont sie. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 12./13.11.2011)

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    Um den Energiehunger Chinas zu stillen, werden viele Kohlekraftwerke gebaut.

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