AWD und Konsorten

Als Dankeschön ein Ferrari fürs Wochenende

11. November 2011, 21:14

Ein Insider schildert, wie Mitarbeiter und Kunden von Finanz-Strukturvertrieben ausgenutzt werden, und warum der Computer regiert

Wien - Zu seinen besten Zeiten hatte er 500 Finanzkeiler unter sich, er war im Topmanagement von zwei deutschen Strukturvertrieben tätig - unter anderem bei AWD. Nach einem Zerwürfnis stieg er aus der Branche aus. Seine Lebensgeschichte hielt Maximilian von Ah im Roman "Geld fressen Seele auf" fest - wobei der Name nur ein Pseudonym ist.

Am Donnerstagabend war von Ah auf Einladung des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) in Wien zu Gast und schilderte, dass es bei Strukturvertrieben "wie bei Sekten" zugehe. Das Grundübel aus seiner Sicht: Die Mitarbeiter, in der Regel "freie Agenten" , werden in finanzielle Abhängigkeit geführt. Bezahlt werden sie grundsätzlich nur auf Provisionsbasis. Da die ersten Provisionen aber oft erst sechs Monate nach Anbahnung eines Geschäfts ausbezahlt werden, bekommen sie ihr Geld zunächst nur auf Kreditbasis. Für das Darlehen werden Zinsen verrechnet - "somit setzt die Negativspirale ein" , meint von Ah. Man sei gezwungen, immer neue Kunden zu bringen, um nicht auf den Rückständen sitzenzubleiben.

Die Schulung der Mitarbeiter baue stark auf psychologischen Elementen auf. Mitarbeiter sollten "keine Produkte, sondern eine positive Vision" verkaufen. Gefragt werde nicht: "Wollen Sie eine Lebensversicherung?" Sondern: "Wie würde es Ihnen gefallen, wenn Sie im Alter keine Miete mehr bezahlen müssten?" Wer wenig Kunden bringt, kann schon mal vor versammelter Mannschaft zur Rede gestellt werden. Wer erfolgreich ist, wird mit Geschenken belohnt - "das kann schon mal ein Ferrari für ein Wochenende sein" .

Die tatsächliche Finanzausbildung findet laut dem Insider außerhalb der Strukturvertriebe statt. Die Entscheidung, welche Produkte einem Kunden angeboten werden, treffe ohnehin ein Computerprogramm, auf das die kleinen Mitarbeiter keinen Einfluss haben. AWD hat die Vorwürfe am Freitag zurückgewiesen.

Peter Kolba vom VKI kennt ähnliche Geschichten aus Österreich. Hierzulande sind Klagen gegen AWD in Sachen Immofinanz-Aktien und gegen andere Strukturvertriebe in Sachen MEL anhängig. Kolba plädiert für ein Verbot des Provisionssystems. Dieses biete automatisch Anreize, jene Produkte zu verkaufen, die die höchsten Provisionen für die Vermittler abwerfen. (go, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 12./13.11.2011)

Kommentar posten
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T_User81
00
14.11.2011, 10:52
hmmmmmm

irgendwie kann ich jemandem der seit 16 Jahren nicht mehr in einem Unternehmen ist nicht so viel abgewinnen!

Gibt es aktuelle Geschichten? Bin ein großer Mafia Fan und würde gerne heutige Stories hören!

Wie funktioniert dieses Kreditsystem überhaupt?

Ich habe gehört, dass nur Einsteiger eine Art "Gehalt" bekommen um ihre Grundkosten Anfangs decken zu können, da sie ja nicht beraten dürfen, danach werden sie Schritt für Schritt umgestellt

sandromazzola2
11
14.11.2011, 07:50
blödsinn

Unwahrscheinlich was hier für ein blödsinn gepostet wird

DerHiasbaua
00
18.4.2012, 16:40

was ist daran unwahrscheinlich? es steht ja schon im forum

Peter_23
22
13.11.2011, 19:13
Das ist alles seit Jahren bekannt

Interessanter wäre eher die Frage, wie es dieser AWD nach der Immofinanz-Pleite bzw. den Kriminalfall Immofinanz und der bankrotten Konstantia Privatbank schaffen konnte, immer noch so gut da zu stehen?

Da ist zu vermuten, dass gerade bei AWD bis hinauf in höchste politische FPÖVP-Ebenen (Grasser/BUWOG/Immofinanz/AWD) immer noch entsprechende Seilschaften und Schmierabteilungen bestehen. Das mal dazustellen/zu klären wäre interessanter.

Diese mündelsichere Immofinanz-Aktie ist auch schon wieder im ATX drinnen - was da läuft ist unverständlich.

Die kleinen AWD-Mitarbeiter, die bekanntermassen und leicht erkennbar keine Ahnung haben, sind dabei eigentlich uninteressant.

LightCurves
03
13.11.2011, 17:10

Sekte triffts wohl gut. In einer beruflich recht durchwachsenen Zeit war ich mal bei einem Vorstellungsgespräch bei OVB - musste dort mehrmals laut auflachen ob des vernunftbereinigten Geschwätzes, dessen ich dort ausgesetzt war. So verzweifelt, einzusteigen war ich glücklicherweise nicht.

Flip
01
13.11.2011, 13:37

Ich glaube, wir Forenteilnehmer sollten uns treffen und zu so einer Gehirnwäscheveranstlung hingehen um die Gehirnwäscher dort bissl zu verorschen. Oo

Wolfgang Pimminger
 
00
23.2.2012, 21:01
Hab ich bereits einmal gemacht.

Linz, Hotel Spitz, Veranstaltung von HMI, ungefähr 20 Teilnehmer, die als neue "Mitarbeiter" geworben werden sollten.

Einge, wenige unangenehme Fragen gegen Ende des Motivationsvortrags haben ausgereicht, dem Vortragenden die Schweißperlen auf die Stirn zu treiben.

Fazit: Aus dieser Veranstaltung ging keiner dort hin.

Peter_23
00
13.11.2011, 19:16
Nein, nicht "verorschen"

Viel besser ist es sich das mal wirklich selber anzuschauen und selber Eindruck verschaffen. Aber nichts sonst tun/sagen. Das ist definitiv beeindruckend und sehr lehrreich.

Man sollte aber emotional einen gewissen Abstand dazu haben. Das ich wichtig. Wenn man den Abstand selbst nicht hat oder ein kleiner Choleriker ist, sollte man das sein lassen. Aus eigenen Interesse.

Samuel Bellamy
10
13.11.2011, 12:57
Für was Vermittler?

Vermittler (besser: Keiler) sind so hilfreich wie ein Kropf. Jene, die sich wirklich auskennen, arbeiten sowieso im Private Banking-Bereich (garantieren aber auch keine Renditen). Und den Rest kann man sowieso vergessen. Da ist es egal, ob der Vermittler ein Maurer ist oder der Schalterheini von der Raika/BA/Volksbank/Sparkasse etc.

Am besten: Wenn man sich mit Wertpapieren auskennt, diese selbstständig über Online-Broker wie z.B. Brokerjet oder direktanlage.at kaufen. Wenn man sich nicht mit Wertpapieren auskennt: Einfach die Finger von solchen Geschäften - und vor allem von Geschäften mit Vermittlern - lassen.

RS69
 
00

Man kann auch sehr einfach einen nehmen, der zumindest eine fundierte Ausbildung hat. Jeder entscheidet selbst, von wem er sich beraten lässt.

Es gibt übrigens weit mehr als "Wertpapiere".

Gerade auch steuerliche Aspekte von Investments sollten's nicht vernachlässigen, und viele interessante Investments werden nicht bei Onlinebrokern gehandelt.

RS69
 
00
13.11.2011, 13:14

... oder einen guten Berater suchen. ;-)

kritisch sein
13
13.11.2011, 10:58
Einseitige Berichterstattung

Und wenn man auf seine Bank geht, dann berät einen der Bankmitarbeiter aus reinem sozialem Engagement?

Natürlich verkauft der Bankmitarbeiter auch nur die Produkte die er von den Zentralen vorgegeben bekommt, die eigenen Hausprodukte. Und, ach welche Überraschung, auch diese Produkte haben meist dieselben Ausgabekostenaufschläge und Provisionen, die in dem Fall die Bank einstreicht und dann als 15. Und 16. Gehalt an den Mitarbeiter ausbezahlt.

Und alle Fondsprodukte die uns ein Bankmitarbeiter verkauft hat sind immer die erfolgreichsten gewesen? Also ich habe da noch Fonds aus der Dot.com Krise im Depot…

Nein ich möchte AWD nicht verteidigen. Aber die einseitige Berichterstattung hier nervt.

Moondancer
06
13.11.2011, 10:05
...plus/minus..

Vor vielen Jahren wollte der AWD mich mit dem Angebot eines Top Einkommens werben, als ich gerade aus der Versicherungsbranche wegging. Ich habe abgelehnt, weil das System für mich nicht in Ordnung war. Aber deshalb gleich zu erklären, man müsse das Provisionssystem verbieten, ist Schwachsinn. Leistungssysteme verbieten? Das kann nur Leuten einfallen, die nie in ihrem Leben erfahren haben, was Leistung ist..und wenn man es in diesem Segment verbietet, dann bitte auch gleich in allen anderen Branchen: Sport, Politik, Versicherung, Banken.....

AbtreibungsstraffreiheitsbefürworterIn
00
13.11.2011, 11:05

... "Aktualisierung von Daten".

AbtreibungsstraffreiheitsbefürworterIn
00
13.11.2011, 11:05
Kritisiert wird hier die Bindung des Provisionssystems

an Kundenverarschung. Kundenverarschung = Leistung?

Leistungssysteme sind gut, aber die sollten betriebsintern erfolgen, sodaß der Leidtragende bei falscher Leistung der Betrieb ist und nicht der Kunde, der sich bei Minderleistung normalerweise einen anderen Betrieb suchen wird.

Bei langlaufenden, schwer überprüfbaren Finanzdienstleistungen ist die Sache doch ganz anders, da man bei Auflösung eines Vertrags trotz Einzahlung kleinerer Beträge von einem Jahr oder länger aufgrund diverser "Gebühren" bei Auflösung dann doch wieder nichts rausbekommt.

Ist bei mir so. ca. 2 Jahre einbezahlt, Auflösung bringt so gut wie nichts, deswegen nur stillgelegt.

Trotz merkbarem Desinteresse werde ich dennoch alle paar Jahre von OVB kontaktiert, zwecks

RS69
 
00

"Ist bei mir so. ca. 2 Jahre einbezahlt, Auflösung bringt so gut wie nichts, deswegen nur stillgelegt."

Sie haben nicht nach den Gebühren gefragt?
Den Vertrag nicht genau gelesen?

Klar ist der ausstieg ungünstig, wenn Sie einen langjährigen Vertrag abschliessen und dann doch wieder stornieren.

Markus1975
00
ähem

Der Leidtragende einer falsch erbrachten Leistung ist in erster Instanz doch bitte immer der Kunde und nie das Unternehmen. Wenn Sie sich ein Auto kaufen, und dieses geht kaputt, dann sind doch auch Sie als Kunde der Leidtragende und sonst niemand. Wichtig wäre, dass der Verkäufer dann auch für den diese Leistung haftet, die eben nur schlecht erbracht wurde. Es wird doch bitte niemand so dumm sein seiner eigenen Firma zu schaden ??? Und ja, in diesen Fällen ist Kundenverarschung die Leistung so schlimm sich das anhören mag... denn das bringt der Firma Kohle und jene, die die Vorgaben schaffen, werden auch belohnt ... Nur: Treffen wird es in erstert Linie immer den Kunden, egal ob Auto, Arzt, Wohnung oder eben Aktien

Lasst uns alle Piraten sein
02
13.11.2011, 09:53

Dieses Video (OVB) zeigt sehr gut, was der Kern derartiger "3-Buchstaben-Gehirnwäschereien" ist. Der Kunde ist kein Thema, stattdessen, saufen, Weiber und der uneingeschränkte eigene Vorteil.

http://tinyurl.com/crhbcb6

Jo H
00
13.11.2011, 09:38

mich wundert, dass solche vereine nicht längst verboten sind.

wahrscheinlich gibts auch da schmiergelder.

Sabine Werner
00
13.11.2011, 08:50

entschuldigung - wer so dämlich ist, und sich in solche strukturen einbinden läßt, eine sch.ß verdient und einfach nur unredlich sein muß - warum soll der mir leid tun? es treibt niemand andere dazu, sich zu verschulden und für ein butterbrot zu keilern - das machen die mensch ganz alleine. genauso abartig wie einen penner zu bedauern, der sich alleine wegen dummer katalogbestellungen verschuldet hat - kein mitleid mit awd mitarbeitern - wird keiner dazu gezwungen.

Mr. Creosote
 
10
13.11.2011, 09:24

Die Alternative aber heißt: Grundsicherung beziehen.

Beim AWD landen ja nur Leute, die sonst nichts gelernt haben und nichts können, aber das Herumsitzen in einem Büro satt haben. Und solange die Börsenkurse boomten hat die Kasse auch gestimmt. Die jetzt laut heulenden Kunden haben den Finanzdienstleistern die Wertpapiere förmlich aus den Händen gerissen.

Jake Gittes
01
13.11.2011, 08:34

Mafiaparagraph?

th004900
 
00
13.11.2011, 08:21

Ich habe berufsbedingt viel mit Finanzdienstleistungs- und Bankgeschädigten zu tun. Es ist erschreckend, welcher Ignoranz und Überheblichkeit diese ausgesetzt sind und mit welchen Taktiken versucht wird, berechtigte Ansprüche zu vertuschen und Beratungsfehler und -mängel zu verschleiern. Eines ist aber sehr auffällig (und erweckt den Eindruck systematischer vorsätzlicher Schädigung): gerade Finanzdienstleister verkauften bei desaströsen Veranlagungen oder Finanzierungen fast jedesmal eine "besonders günstige" Rechtsschutzversicherung mit dem Effekt: wenn die Seifenblase platzt, tragen die Geschädigten auch noch das Kostenrisiko (die alte RS deckt nicht mehr, die neue noch nicht / Wartezeit).

RS69
 
00

Noch mal genau: Sie kaufen jedes Jahr eine neue Rechtschutzversicherung? Oder investieren Sie nur einmal im Leben?

Ihre Geschichte ist schlecht durchdacht,

Dr. Lari and Mr. Fari
 
12
13.11.2011, 12:14
Ich habe im Laufe der Jahrzehnte

die Erfahrung gemacht, daß in meinem Bekanntenkreis genau DIEbei solchen Sachen draufgezahlt haben, die nicht besonders hell auf der Platten sind...

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