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Helmut Zilk (li.) mit Tamar und Teddy Kollek 2001 bei einer Feier in Jerusalem. Der nach Kollek benannte Lehrstuhl wird von Wien mitfinanziert.
Wenn das Politische privat wird, dann kann auch ein renommierter Professor beim Vortragen ins Stocken geraten. Mit bebender Stimme erzählt Israel Yuval die Geschichte seiner Familie: Seine Mutter floh 1939 als junges Mädchen von Wien nach Palästina. Großeltern und Tante wollten es ihr kurz darauf gleichtun, wurden aber in Serbien von den Nazis gefasst und hingerichtet. Zeit ihres Lebens, sagt Israel Yuval, habe seine Mutter unter zwei Dingen gelitten: unter dem Verlust ihrer Familie - und unter der durch die Flucht fehlenden Bildung.
Es sind Geschichten wie diese, die in Zukunft an der Hebrew University Jerusalem verstärkt erforscht werden sollen. Wiens Wissenschafts- und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SP) reiste in der vergangenen Woche nach Israel, um der Inauguration des Teddy-Kollek-Lehrstuhls beizuwohnen, benannt nach dem legendären Jerusalemer Bürgermeister mit Wiener Wurzeln. Professor Yuval ist Inhaber dieses mit 650.000 Euro dotierten Lehrstuhls, 250.000 Euro davon bezahlt die Stadt Wien. Auch um den früheren Wiener Bürgermeister Helmut Zilk wird sich ein Teil der Vorlesungen drehen.
Für Staatsbürgerschaft
Mailath-Pokorny findet deutliche Worte: Die Österreicher hätten sich lange etwas vorgelogen, was die eigene Nazi-Geschichte betrifft, meint er. Heute stelle sich die Stadt ihrer Vergangenheit und versuche, die Bande zwischen Österreich und Israel zu stärken. Der Stadtrat will sich außerdem dafür einsetzen, dass Familienangehörigen von Vertriebenen die österreichische Staatsbürgerschaft gewährt wird; die in Wien dafür zuständige MA 35 sei dazu bereit, sagte Mailath-Pokorny dem Standard, nun müsse er noch die Innenministerin überreden.
Freilich ist nicht alles eitel Sonnenschein zwischen Wien und Israel. Erst kürzlich schaffte es Österreich mit seiner Zustimmung zur Anerkennung Palästinas durch die Unesco auf die Titelseite der Jerusalem Post. Kein besonders guter Einstand für Franz Josef Kuglitsch, der seit wenigen Tagen österreichischer Botschafter in Israel ist. Das Ringen um eine gemeinsame Position der EU sei vergebens gewesen, erzählt Kuglitsch, der bei der Abstimmung noch in Wien war. In der österreichischen Vertretung in Jerusalem gab es böse Anrufe. Einziger Trost für die österreichischen Diplomaten: Der Ärger der Israelis verteilte sich auf die insgesamt elf EU-Länder, die mit Ja gestimmt hatten.
Mailath-Pokorny sagt, er könne sich vorstellen, "dass viele in der jüdischen Gemeinde in Wien nicht glücklich sind darüber" - so wie im Mai 2010, als der Gemeinderat einstimmig den Angriff der israelischen Armee auf ein Schiff der Gaza-Hilfsflotte verurteilte. "Das war nicht die glücklichste Entscheidung" , sagt Mailath-Pokorny, der meint, Wien müsse für Israel und Jerusalem eine "besondere Sensibilität" aufbringen.
Auch mit den Palästinensern will der Stadtrat den Kontakt verbessern, und Kultur, meint er, könne da ein Türöffner sein. Dementsprechend führt ihn seine Reise auch nach Ramallah. Die palästinensische Schauspielerin Bayan Shbib erzählt von ihrem jüngsten Fernsehprojekt, einer quasi im Wohnzimmer aufgenommenen Serie, die so rasch produziert und ausgestrahlt wurde, dass der Sender gar nicht erst dazukommt zu zensieren. Sie ist mit einem Salzburger verheiratet. Ihr Sohn, sagt sie, soll später einmal einige Jahre in Österreich verbringen, um seine Wurzeln kennenzulernen. Trotz aller Differenzen in der umstrittenen Region: Das Thema Spurensuche treibt die Menschen hüben wie drüben an. (Andrea Heigl aus Jerusalem, DER STANDARD; Printausgabe, 12./13.11.2011)
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