Lukaschenko läuft das Volk davon

12. November 2011, 11:38
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    foto: reuters/fedosenko

    Immer weniger Weißrussen können sich Fleisch leisten. Die traditionelle Fleischmesse Anfang November bot vielen Minskern eine seltene Gelegenheit, günstig einzukaufen.

Das Regime steckt in einer schweren Krise: Nach der politischen Freiheit wurde den Bürgern auch ihr bescheidener Wohlstand gestrichen

Die Menschen reagieren mit Massenauswanderung.

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Moskau/Minsk - Slawa ist Techniker. Er ist Spezialist beim Aufbau von Kommunikationsnetzen und arbeitet bei einer großen Nachrichtenagentur in Moskau. Eigentlich stammt seine Familie aus Weißrussland, doch Slawa hat seit Jahren einen russischen Pass. Zu seinen Eltern fährt er allenfalls in den Urlaub nach Minsk.

"Irgendeinen Job hätte ich mit meiner Ausbildung damals wohl auch in Weißrussland bekommen, aber ob es das gewesen wäre, was ich kann und was mir Spaß macht, ist fraglich" , sagt er. Auch bei der Bezahlung hätte er wohl deutliche Abstriche machen müssen.

Viel verdienen konnten Weißrussen noch nie. Junge Männer zog es daher schon früher oft nach Russland. Andere blieben im Land, die soziale Sicherheit, die das Regime seinen Untertanen gewährte, hielt sie zurück, zumal das Staats-TV mit Reportagen aus dem "wilden Russland" die Bevölkerung schreckte

Doch nun nimmt die Auswanderung ein neues Ausmaß an. In Scharen reisen die Weißrussen auf Arbeitssuche nach Russland aus, vor allem Hochqualifizierte zieht es fort. Schätzungen nach arbeiten schon bis zu einer Million Weißrussen im Nachbarland. "Hoffentlich müssen wir nicht in einem Jahr die Ausreise von einer Million der am besten ausgebildeten Kader konstatieren" , warnt Alexander Jaroschuk, Chef des demokratischen Gewerkschaftskongresses in Weißrussland, vor einer Verdopplung der Zahlen.

Frisches Geld gedruckt

Weißrussland steckt in einer fundamentalen Wirtschaftskrise. Die Ursachen dafür sind hausgemacht. Jahrelang hat das Land über seinen Verhältnissen gelebt. Für die Sozialprogramme druckte die Nationalbank munter frisches Geld, der weißrussische Rubel blieb auf politischen Druck allerdings stabil.

Das Fass zum Überlaufen brachte schließlich die Wahlkampagne 2010. Der seit 1994 diktatorisch herrschende Präsident Alexander Lukaschenko wollte sich nicht nur zum vierten Mal wiederwählen lassen, sondern strebte mit all seiner Macht auch nach einem "würdigen Ergebnis" .

Im Vorfeld spendierte er daher Lehrern, Ärzten und anderen staatlichen Angestellten eine saftige Gehaltserhöhung, um sein Wahlversprechen, das Durchschnittsgehalt der Weißrussen auf 500 US-Dollar anzuheben, einzuhalten. Anschließend ließ er sich ein Wahlergebnis von 80 Prozent gutschreiben, die Proteste der Opposition gegen Wahlfälschung wurden niedergeknüppelt, mehrere Präsidentschaftskandidaten zu Haftstrafen verurteilt.

Doch kurz nach den Wahlen waren die Kassen endgültig leer. Neue Kredite aus dem Westen konnte Lukaschenko nach seinem harten Vorgehen gegen die Demonstranten nicht ergattern. Lukaschenko musste dem Druck nachgeben und den weißrussischen Rubel abwerten.

Eine Spirale wurde in Gang gesetzt, die Minsk nicht stoppen konnte. Der Finanz- folgte die Wirtschaftskrise, Betriebe gingen pleite, viele wurden arbeitslos. Die Gehaltsaufbesserungen vor den Wahlen sind längst durch 100 Prozent Inflation und weitere Rubelabwertungen aufgefressen.

Lukaschenkos Ansehen ist tief gefallen. Heute würden nur noch 20 Prozent Lukaschenko wählen, da es keine Wahlen gibt, stimmt das Volk mit den Füßen ab. (André Ballin/DER STANDARD, Printausgabe, 12.11.2011)

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Posting 1 bis 25 von 87
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hart_aber_fair
21
13.11.2011, 19:47

heute würden auch nur 20% merkel wählen... dürfen wir sie alte jetzt gewaltsam stürzen?

Gerg K.
10
13.11.2011, 19:06
Läuft das Volk davon?

Dem Schmuddelegger und dem Failman auch...

byron sully
13
13.11.2011, 15:03

hoffentlich wird diese diktatur bald ähnlich fallen wie jene in tunesien und ägypten.

lessismore
11
13.11.2011, 15:43

Woran erkennt man eine Diktatur?

byron sully
00
14.11.2011, 14:52

am fehlen von freien wahlen, mangelnder gewaltenteilung, presse-, meinungs und demonstrationsfreiheit zum beispiel. auf zwei europäische staaten (weißrußland und vatikan) trifft aus meiner sicht zumindest ein teil der punkte zu, diese beiden würde ich also als diktaturen bezeichnen (wobei die im vatikan de facto eine ziemlich harmlose ist).

Standard Leser4
 
20
15.11.2011, 17:22

In in Russland gibt es alle die von Ihnen aufgezaehlten Punkte ? Ist also eine Lupenreine Demokratie, wo mehr als die Haelfte der Teilrepubliken von Praesidenten regiert werden die seit 1994 im Amt sind.

byron sully
01
16.11.2011, 15:47

ich geb zu, rußland ist ein grenzfall. ich würde rußland dennoch grad noch als autoritäre demokratie und nicht als diktatur bezeichnen. die russischen wahlen sind zwar nicht ganz fair, aber im unterschied zu weißrußland wenigstens nicht gefälscht. und oppositionelle werden in rußland meist für einige stunden verhaftet, in weißrußland hingegen für monate bis jahre.

Standard Leser4
 
10
17.11.2011, 12:25

In Russland greift ja auch die Oppositiom nicht die Duma an, oder ?
Russland ist um keinen Jota besser wie Weissrussland, nur die einen haben Erdoel und Erdgas und die anderen haben "nichts" !
Sehen Sie den grossen Unterschied ?

Al Cohole
12
13.11.2011, 16:57
Gerg K.
11
13.11.2011, 19:07
Gilt das nicht auch

für fast jede sogenannte wesliche Demokratie?

Meerwelle
02
13.11.2011, 15:54

Unter anderem daran, dass sie von vielen Postern hier vehement verteidigt wird.

Der Kluge
58
13.11.2011, 03:07

Immer wieder belustigend, wie manche vermeintliche Linke reflexartige jedes Regime verteidigen und jede Diktatur kleinreden, so sie sich sozialistisch nennt.

Würde exakt der gleiche Staat, exakt das gleiche Regime, sich umbenennen und nicht "sozialistisch", sondern "nationalistisch" nennen, so würde das überall als faschistische Nazi-Hölle bekannt.

Aber so wird alles mit Wirtschaftskrise, österreichischer Korruption usw. verglichen, kontextualisiert und letztlich relativiert und geleugnet.

Sind ja unsere Genossen, auch wenns ein bisserl komisch drauf sind...

Kazimierz
14
13.11.2011, 11:35
Wo

wird diese Diktatur von 'Linken' kleingeredet?

byron sully
33
13.11.2011, 15:05

hier im standardforum gibt es zumindest große sympathien für putin. lukaschenko wird zwar nicht derart verherrlicht, aber doch immer wieder verharmlost. ob es aber immer linke sind, weiß ich nicht. meistens jedoch schon, denk ich.

Valjevac
00
14.11.2011, 14:15
Natürlich haben wir mehr Sympatien für Putin und Lukaschenko als für Sarkozy , Obama , Netanjahu , Camerun und andere Kriegsverbrecher , die sich das Recht nehmen und andere Länder zu überfallen wegen Bodenschätzen und das alles:::

mit einem Vortäuschung Einführung der Demokratie und Menschenrechte.

Obama sollte sich mehr um Menschenrechte in USA kümmern

Dieter Diskovic
01
13.11.2011, 16:43

und putin bezeichnet sich selbst als sozialisten? ich hab jedenfalls noch nie einen linken mit sympathie für putin kennengelernt. ich würde eher sagen, er steht ziemlich weit rechts.

byron sully
00
14.11.2011, 14:42

in meinem (großteils linken) umfeld gibt's auch kaum putin-sympathien. aber ich hab ein weltoffen-kritisches umfeld, das nicht brav dogmatisch alles gutheißt, was ein gegenpol der usa ist.

Der Kluge
22
13.11.2011, 13:56

zB hier

anders and
 
10
13.11.2011, 15:09

wen meinen Sie konkret?

"Saxonia" ist kein heimischer Linker, denn für ihn ist, wenn Sie seine Texte genauer analysieren, Deutsch eindeutig eine Fremdsprache.

Gerg K.
11
13.11.2011, 19:15
Ist Deutsch möglicherweise

auch Ihre dritte Fremdsprache?????

anders and
 
20
13.11.2011, 19:57

jeder intelligente Mensch der lesen kann weiß, dass das nicht so ist

aber für Sie ist das selbstverständlich nicht nachvollziehbar

Kazimierz
00
13.11.2011, 15:01
Und ein Beispiel reicht

um das mit 'die Linke' gleichzusetzen?

Gerg K.
10
13.11.2011, 19:16
Klar,

Links ist alles, was nicht ewig gestrig ist ;-)

asinus21
 
211
12.11.2011, 23:30

Lukaschenko ist eine einzige Katastrophe, das reinste Willkürregime. Todesstrafen werden einfach aus Weisung vollzogen, der blanke Terror herrscht. So ein Mensch hat nichts an der Süpitze eines Staates verloren.

Standard Leser4
 
20
14.11.2011, 11:55
Wann war den die letzte Willkuerliche Hinrichtung in Weissrussland ?

Na da waren Sie wohl noch nie in USA oder Brasilien, in China und in NordKorea und so weiter und so weiter....

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