Irgendwann sprudelt der Champagner

11. November 2011, 17:52
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Neues vom Fußballteam: Marcel Koller hat seinen 51. Geburtstag gefeiert - Bei Marko Arnautovic hat es "klick" gemacht, er will verantwortlich für das Land sein

Wien - Teamchef Marcel Koller hat bilanziert. Nicht die ersten 51 Jahre, die er am Freitag vollendet hat, sondern die ersten drei gemeinsamen Tage mit der österreichischen Fußballnationalmannschaft. Zuvor hat der Schweizer von ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner und ÖFB-Generaldirektor Alfred Ludwig das neue Heimtrikot (in Rot-Weiß gehalten, traditionell von Ausstatter Puma gestrickt) und eine hübsch verpackte Flasche Champagner geschenkt bekommen. Ludwig wies darauf hin, dass es sich bei dem Sprudel um das ultimative "Siegergetränk" handelt. Die erste Gelegenheit, es zu vernichten, könnte der Dienstag bieten. Vorausgesetzt, Österreich schlägt in Lemberg die Ukraine. Falls nicht, drängt sich Silvester auf. Am 31. Dezember ist kein Länderspiel angesetzt.

Koller ist vorerst "sehr zufrieden. Es macht Spaß, alle ziehen mit, sie hören zu, die Bereitschaft ist enorm, das Klima gut." Das körperliche Programm wird ab Samstag reduziert, die Zahl der Einheiten halbiert. Somit bleibt bis zum Matchtag ein Training pro Tag übrig. "Es war sehr intensiv. Aber es war wichtig, Kontakt auf dem Platz zu bekommen. Nur Theorie ist zu wenig." Er sei mit keinen konkreten Vorstellungen an die Arbeit mit den Spielern herangegangen. "Das verschwendet nur Energie, falls sie nicht eintreten. Ich gehe an die Sache direkt ran, gebe neue Impulse."

Keine Blutgrätschen

Noch befindet sich Koller in der Phase der Beobachtung, die Startformation stehe keinesfalls fest. "Wir wollen schneller aus der Tiefe kommen. Die Stürmer sind verpflichtet, auch etwas in der Defensive zu tun. Aber nicht mit Blutgrätschen am eigenen Sechzehner, da passieren die meisten Elfer. Es reicht für sie Pressing an der Mittellinie."

Marko Arnautovic wird sich also weiter vorne aufhalten. Seine fußballerischen Qualitäten sind unbestritten, über diverse Eskapaden und Aussetzer möchte er künftig nichts mehr lesen oder hören. Eine wesentliche Voraussetzung ist freilich, dass er keine mehr liefert. "Vieles stimmt ja nicht. Ich will positiv vorkommen." Der 22-Jährige möchte den Kontakt mit der Journaille reduzieren. "Ich fühle mich erwachsener, es hat klick gemacht, ich will nicht mehr so viel reden. Meine Leistungen sollen sprechen."

Koller ist völlig unvoreingenommen auf Arnautovic zugegangen, er hat ihn in Bremen besucht. Als Geschenk brachte er eine DVD mit den besten Szenen des Werder-Legionärs mit. Arnautovic: "Das war eine Ehre für mich. Er hat gesagt, so will er mich sehen. Koller ist eine Respektperson, der Trainer ist immer der Chef." Arnautovic betont, dass die österreichische Nationalmannschaft nach wie vor die österreichische Nationalmannschaft ist. "Wir stehen auf dem Platz, ich bin nur einer von elf Spielern. Wir sind verantwortlich für dieses Land." Das war nicht als Kampfansage an Werner Faymann, Michael Spindelegger, Maria Fekter oder die Finanzmärkte zu verstehen. Arnautovic bezog sich ausschließlich auf den Fußball. "Ich bin überzeugt, dass es bergauf geht."

Verteidiger Sebastian Prödl, Klubkollege bei Werder, hält einen Aufschwung ebenfalls für wahrscheinlich. "Wir wollen etwas entfachen, eine neue Ära starten, die Marke Österreich mit Wiedererkennungswert schaffen."

Sollte das gelingen, könnte der wunderbare Fall eintreten, dass Koller den Champagner erst 2014 in Brasilien entsorgt. Während der WM. Es muss aber nicht sein. Silvester 2011 bleibt im Rennen. Prödl: "Es wird schwierig, gegen die Ukraine zu gewinnen." (DER STANDARD Printausgabe 12./13.11.2011)

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    Marko Arnautovic will fortan selbst als Stütze wirken.

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