UniCredit ist auf der Suche nach Geld

11. November 2011, 17:35
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Bei der Bank Austria-Mutter bastelt man am Montag an einer neuen Konzernaufstellung. Eine Kapitalerhöhung steht im Raum, die FPÖ sorgt sich um die Bank Austria

Wien/Mailand/München - Im Aufsichtsrat der italienischen Bank Austria-Mutter UniCredit am Montag wird das mittelfristige Schicksal der italienischen Bank Austria-Mutter UniCredit entschieden. Bankchef Federico Ghizzoni legt dem Verwaltungsrat seinen neuen Dreijahres-Plan der künftigen Konzernaufstellung vor. Am Nachmittag erläutert Ghizzoni dann den Märkten die Strategie. Im Markt werden vor allem Weichenstellungen für eine riesige Kapitalerhöhung erwartet. Fünf bis sieben Milliarden Euro waren zuletzt im Gespräch. Offen ist, ob Anfang nächster Woche tatsächlich der Startschuss für eine Aufstockung erfolgt oder ob es eine Verschiebung gibt. Spannend bleibt, wer derzeit einen solchen Aktienzukauf stemmen würde. Außerdem stehen am Montag die Neunmonatszahlen an.

Die eskalierte Italien-Schuldenkrise geht mit einem wohl erhöhten Abwertungsbedarf auf italienische Staatsanleihen einher. Die Zinslast für diese Anleihen ist seit Wochenbeginn im "kritischen Bereich". Italienische Banken sind seit Wochen an den Börsen unter scharfem Druck. 

Die UniCredit muss wie alle Großbanken bis Juni 2012 ihre Kapitalquoten erhöhen. Experten erwarten, dass die Mailänder Großbank das Kapital nicht aus eigener Kraft aufbringen kann, sondern eine Kapitalerhöhung durchführen muss. Doch die derzeit starken Schwankungen an den Märkten sind Gift für derartige Vorhaben, schrieb die "Welt". In normalen Zeiten wären 7 Mrd. Euro zwar eine stolze Summe, aber kein riesiges Problem - aber solange Italien von den Finanzmärkten getrieben werde, sei eine Kapitalerhöhung dieser Größenordnung eine Herkulesaufgabe für Ghizzoni.

Rätsel um Staatsfondsgelder

Anfang des Monats gab es Marktspekulationen, wonach große Staatsfonds bereit stünden. Die italienische Zeitung "Il Messaggero" und Dow Jones hatten berichtet, dass Investmentfonds aus Katar und China Interesse an einer Teilnahme signalisiert hätten. Die Qatar Investment Authority etwa wäre bereit, sich an Stelle des Großaktionärs Libyen an einer Kapitalerhöhung zu beteiligen, hieß es. Libyen hält über einen Fonds und die Zentralbank des Landes 7,6 Prozent an der UniCredit.

Italiens Banken trifft die Sorge um die Bonität Italiens besonders hart: Die sechs größten Banken halten zusammen 123 Mrd. Euro in italienischen Staatsanleihen - das entspricht 75 Prozent ihrer Kapitaldecke. UniCredit allein kommt auf 40 bis 50 Mrd. Euro.

Für die FPÖ gerät die Bank Austria in Gefahr

Der freiheitliche Finanzsprecher Elmar Podgorschek hat am Freitag Sorge geäußert, die UniCredit könnte mit italienischen Staatsanleihen nun auch die Bank Austria in den Abgrund ziehen. Es stehe zu befürchten, dass die Tochter von der Mutter über kurz oder lang ausgeräumt wird, so der FP-Politiker in einer Aussendung. Das lässt man im Umfeld der Bank Austria nicht auf sich sitzen: Der FP-Abgeordnete wurde heute daran erinnert, dass die Bank Austria drei Jahre keine Dividende nach Mailand überwiesen und vor einem Jahr zwei Milliarden Kapitalerhöhung bekommen habe.

Mehr Italo-Schulden hält nur noch der unmittelbare UniCredit-Konkurrent Intesa: Mit 64 Mrd. Euro ist das Institut der "Welt" zufolge Spitzenreiter. Allerdings: Im Gegensatz zur UniCredit hat die Intesa mit einer soliden Kapitaldecke aufzuwarten. Im EBA-Blitz-Stresstest war sie die einzige italienische Großbank, die kein zusätzliches Kapital braucht. Die anderen Banken des Landes müssen insgesamt bis Juni 2012 zusätzliche 14,8 Mrd. Euro Kapital aufstellen.

Finanzmärkte sind nervös

Schon jetzt hat der dramatische Anstieg der Risikoprämien auf italienische Staatspapiere die Banken gebeutelt. Der Zeitung zufolge müssen sie 4,9 Mrd. Euro an zusätzlichen Sicherheiten für jene Geschäfte nachschießen, für die sie als Sicherheit italienische Anleihen hinterlegt hatten. Das ergibt sich aus einer Erklärung des größten europäischen Clearinghauses LCH Clearnet. "Das verschärft die Spirale nach unten noch weiter", wird ein Analyst von Bernstein zitiert. Schließlich würden die Finanzhäuser gleichzeitig an mehreren Fronten kämpfen: Zu den Problemen bei der Refinanzierung kämen höhere Kapitalanforderungen, Handelsverluste und die schlechten Konjunkturaussichten.

Durch die höhere Risikoeinstufung Italiens seien Banken des Landes bereits von einigen internationalen Finanzierungsmärkten abgeschnitten und ihre Fremdkapitalkosten gestiegen. Immer mehr Banken kappten dem Bericht zufolge ihre Geschäftsverbindungen zu den italienischen Häusern. Die Refinanzierung müssen die Institute zunehmend über die EZB stemmen. (APA)

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