Sie kam aus dem inneren Sonnensystem

12. November 2011, 18:00
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... und wanderte in den Asteroidengürtel aus: Lutetia dürfte aus dem gleichen Urmaterial entstanden sein wie Erde, Venus und Merkur

Heidelberg - Der Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter gilt als Grenze zwischen innerem und äußerem Sonnensystem - drinnen liegen die erdähnlichen Gesteinsplaneten, draußen die Gasriesen. Zum allergrößten Teil dürften sich die hunderttausenden Objekte des Gürtels "vor Ort" gebildet haben - vermutlich hat die Schwerkrafteinwirkung des Jupiter verhindert, dass sich in dieser Region ein fünfter Gesteinsplanet analog zu Merkur, Venus, Erde und Mars bilden konnte.

Aber es gibt auch eine Minderheit von "eingewanderten" Asteroiden, die ursprünglich in einer anderen Region des Sonnensystems entstanden. Und einer davon ist offenbar die knapp 100 Kilometer durchmessende Lutetia, wie das Max-Planck-Institut für Astronomie berichtet.

Das Material, aus dem unsere Heimat besteht

Wie Beobachtungen der ESA-Raumsonde "Rosetta", des New Technology Telescope der Europäischen Südsternwarte und von Teleskopen der NASA zeigen, stimmen die Eigenschaften des Asteroiden mit denen einer seltenen Meteoritenart - den sogenannten Enstatit-Chondriten - überein, die sich nach heutiger Vorstellung in den innersten Bereichen des Sonnensystems gebildet hat. Enstatit-Chondriten bestehen aus Material aus der Entstehungszeit des Sonnensystems. Man geht davon aus, dass sie sich nahe der jungen Sonne gebildet haben und dass diese Sorte von Objekten eine der "Hauptzutaten" für die Entstehung der Gesteinsplaneten waren - insbesondere für Erde, Venus und Merkur.

Auch Lutetia dürfte ihre Existenz also im Innersten des Sonnensystems begonnen haben und wäre später nach außen zu ihrer jetzigen Position im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter gewandert. Dabei dürfte ihre Größe eine Rolle gespielt haben: Astronomen schätzen, dass weniger als zwei Prozent der Objekte, die aus der Nachbarschaft der sich herausbildenden Erde stammen, in den Asteroidengürtel gewandert sind. Der Großteil dieser Objekte wurde innerhalb weniger Millionen Jahre von den in Entstehung befindlichen jungen Planeten eingefangen. Einige der größeren Objekte mit Durchmessern von 100 Kilometern oder mehr dürften hingegen beim Vorbeiflug eines Gesteinsplaneten aus ihrer Bahn nach außen geschleudert worden sein.

Lohnendes Ziel

Damit ist der Asteroid gewissermaßen ein Archiv aus der Zeit, als sich das Planetensystem bildete - und ein ziemlich großes obendrein. "Lutetia dürfte die größte Ansammlung dieser Art urtümlichen Materials darstellen. Damit ist sie das ideale Ziel für zukünftige Missionen, die Gesteinsproben zur Erde bringen könnten. Anhand dieses Materials könnte man die Entstehung der Gesteinsplaneten wie unserer Erde im Detail untersuchen", schließt ESO-Astronom Pierre Vernazza. (red)

  • Als das Sonnensystem noch jung war, zog Lutetia noch nahe den Gesteinsplaneten des inneren Sonnensystems seine Bahn.
    illustration: eso/m. kornmesser and n. risinger (skysurvey.org)

    Als das Sonnensystem noch jung war, zog Lutetia noch nahe den Gesteinsplaneten des inneren Sonnensystems seine Bahn.

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