BahnhofCity: Die Überraschung des Erfolgs

Interview | 11. November 2011, 17:33
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    foto: apa / georg hochmuth

    Siegerprojekt des Diva-Award 2011: die BahnhofCity Wien West von Neumann & Steiner. Die Eröffnung des Büro- und Shoppingcenter-Bahnhofs findet am 23. November statt.

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    foto: diva consult

    Siegerpodium des Diva-Award 2011 in der Skybar in Wien (v.li.): Juror Gerhard Rodler, Alexander Gluttig (ÖBB), Architekt Heinz Neumann, Architekt Eric Steiner, Andreas Kallischek (ÖBB), Künstler Bernd Fasching, Auslober Christian Sommer, Juror Thomas Malloth und Juror Ferenc Sabo.

Am Mittwochabend wurde der BahnhofCity Wien West der Diva-Award 2011 für die beste Gewerbe-Immobilie verliehen

Wien - Am Mittwoch wurden der nationalen Immobilienschar, die in großer Zahl in die Skybar in die Kärntner Straße gekommen war, die Finalisten sowie der Preisträger des diesjährigen Diva-Awards präsentiert. Aus insgesamt acht Finalisten - sieben davon in Wien - ging die BahnhofCity in Wien als Siegerin hervor. Gelobt wurde vor allem die komplexe Entstehungsgeschichte sowie die Zusammenarbeit zwischen den Architekten, dem Bundesdenkmalamt und der Bauherrin ÖBB Immobilienmanagement GmbH - auch wenn das Publikum diese Begeisterung in Form zum Teil mürrischer Kommentare nicht teilte.

Die neue BahnhofCity umfasst ein unterirdisches Shoppingcenter mit 17.000 Quadratmeter Verkaufsfläche (betrieben von der ECE, Durchschnittsmiete 35 Euro pro Quadratmeter, Vermietungsgrad 100 Prozent), 13.000 Quadratmeter Büroflächen mit Mieten um 14 Euro pro Quadratmeter sowie das Low-Budget-Hotel Motel One mit 441 Zimmern, das nach Auskunft von Claus Stadler, Geschäftsführer der ÖBB Immobilienmanagement, im Laufe des nächsten Jahres auf dem Markt zum Verkauf platziert wird.

"Wir sind alle überrascht, wie gut sich die Verwertung der BahnhofCity letztendlich entwickelt hat" , sagte Stadler vor wenigen Wochen im Rahmen einer Pressekonferenz. "Es ist das erste Mal, dass ein Infastrukturprojekt der ÖBB zur Gänze mit Immobilien finanziert wird."

Wojciech Czaja bat den Auslober des Diva-Awards und Geschäftsführer der Diva Consult, Christian Sommer, zum Gespräch:

***

STANDARD: Der diesjährige Hauptpreis geht an die BahnhofCity Wien West. Warum?

Sommer: Die BahnhofCity Wien West zeichnet sich durch die Kombination verschiedener Nutzungen aus: Hotel, Büro, Retail und natürlich auch der Bahnhof selbst. Das alles unter einen Hut zu bringen ist eine Aufgabe, die wir in dieser Form in Wien noch nie zuvor vorgefunden haben. Die Lösung ist funktionell, baulich eindrucksvoll und wirtschaftlich erfolgreich.

STANDARD: Unter Architekten und Fachleuten wird der Umgang mit der historischen Bausubstanz sehr kritisiert.

Sommer:  Der Diva-Award ist kein Architekturpreis. Wir versuchen die Gesamtheit eines Projekts zu bewerten. Wenn Sie mich persönlich fragen, hat es mich am meisten gestört, dass der Bahnhof nicht komplett abgerissen wurde.

STANDARD: Warum?

Sommer:  Ich finde, dass dort ein moderner Bahnhof hingehört, und ich finde, dass der Denkmalschutz für diese Halle weit übers Ziel hinausschießt. Fast jeder Wiener verbindet mit dem Westbahnhof eine gewisse Sentimentalität, aber es kann mir niemand erzählen, dass das ein schönes und wertvolles Gebäude ist. Mit so einer Substanz aus den Fünfzigerjahren umzugehen macht ein Bauvorhaben nicht einfacher, nur schwieriger. Mit einem ganz neuen Projekt hätten die Architekten etwas noch Besseres machen können.

STANDARD: Sie haben den Award heuer zum zehnten Mal vergeben. Wie haben sich die eingereichten Projekte in dieser Zeit verändert?

Sommer: Vor zehn Jahren stand die Bildung von neuen Bürostandorten im Vordergrund. Beispiele dafür sind die Donaucity, der Wienerberg und die Euro-Plaza. Doch jetzt kommt eine neue Komponente hinzu: Das Siegerprojekt BahnhofCity Wien West hat nicht nur lokale, sondern auch überregionale Bedeutung. Jetzt machen die Projektentwickler nicht nur Bürostandorte, sondern ganze Stadtgebiete. Das ist ein Trend, den es in Ländern wie etwa Deutschland schon lange gibt. Jetzt ist dieser Trend auch bei uns gelandet.

STANDARD: Unter acht Finalisten gab es ein einziges Projekt, das nicht in Wien ist. Wie erklären Sie sich das?

Sommer: Es gab wenig Einreichungen aus den Bundesländern. Wir wollten dezidiert einige Projekte aus den Bundesländern, besonders aus Vorarlberg, zur Teilnahme am Award einladen. Doch das wurde abgelehnt.

STANDARD: Wie beurteilen Sie die Bereitschaft, sich mit Themen der ökologischen und städtebaulichen Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen?

Sommer: Die Bereitschaft, sich energieeffizient zu präsentieren, ist in der Immobilienwirtschaft sehr groß. Doch ich glaube, dass es in der Frage der wirklichen Nachhaltigkeit noch einige Themenbereiche gibt, die in der ganzen Euphorie der Energieeffizienz noch zu wenig Berücksichtigung finden.

STANDARD: Und zwar?

Sommer: Bisher wurde alles Mögliche unternommen, um eine gewisse Nachhaltigkeit bei einzelnen Projekten oder Clustern zu erreichen. Jetzt wird es darum gehen, auch in der Planung von ganzen Stadtteilen internationale Standards zu setzen. Das ist eine komplexe Aufgabe, aber das wird definitiv der nächste Schritt sein. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12./13.11.2011)

CHRISTIAN SOMMER (46) studierte Wirtschaft und ist seit 1998 Geschäftsführer der Diva Consult GmbH.

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Chocoholic
01
13.11.2011, 16:38
Wie auf dem Foto schauts aber nur aus, wenn man eine verzerrte Perspektive hat.

Ohne verzerrte Perspektive ist dieses Gebäude das Hässlichste, was ich je gesehen habe. Ich hoffe, dass wenigstens ökologische Baumateerialien für ökofreundliches Heizen und Beleuchten verwendet wurden, aber irgendwie beschleicht mich das Gefühl, dass das hier auch nicht passiert ist.

Eigentlich habnich durch vertippen den Artikel geöffnet, als ich vor Schreck übeer die headline fast vom Hocker gefallen bin.

In einem einzigen Punkt stimme ich Sommer teilweise zu: die verglaste Halle hätte mit eingebaut werden können, aber das patzhässliche kobaltblaue Haus geh bitte! Bei den ganzen Ratzhütten rundherum wirklich wurscht.

Anuntiata
02
13.11.2011, 16:35
Ich warte noch immer darauf

dass die zum Schutz der Passanten angebrachte Wellblechverkleidung im afrikanischen Slum Style bei Fertigstellung abgenommen wird.

/irony off

studiosa1
00
13.11.2011, 14:01
Postanalyse:

Eine Parade vorwärtsschauender, positiver, zukunftsorientierter Menschen auf der Höhe der Zeit.
Nur die Lagerhalle aus den 50erJahren finden sie schön.
Man glaubts nicht

rudi rednose
00
13.11.2011, 12:26
Als ob ein Kind mit Bauklötzchen gespielt und nicht fertig

weggeräumt hätte - so sieht's aus. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden und meinen trifft es eindeutig nicht.

Kontrahent1
07
13.11.2011, 11:35
Ich finds einfach schiarch!

Besonders wegen der Farce um den Denkmalschutz des Westbahnhofs.- Von dem ist optisch nichts übrig geblieben.

I joj
00
17.1.2012, 17:47

Die Bahnhofshalle steht ja nachwievor, oder?

Miko9
05
13.11.2011, 10:06
Was sagt zu dem Schandfleck eigentlich die MA19?

Sonst überall so pingelig und hier haben wohl alle weg geschaut von dieser Magistratsabteilung!

Monky
12
13.11.2011, 10:32

mundtot bezahlt????????

pardon!
09
13.11.2011, 09:41

clever gemacht - bevor man inserate bezahlt, lobt man einen preis aus, spielt selbst ein bisserl juror, sucht sich als sieger jene immobilie aus, bei der man selbst noch mitnaschen möchte und schon hat man die aufmerksamkeit, die sonst nur für viel geld zu bekommen wäre, fast gratis. wer war eigentlich sieger in der kategorie "beste briefkastenbefestigungsschraube in einem nebengebäude"?

F. Ritzl
15
13.11.2011, 08:39
Die Branche feiert sich selbst ...

... und verschandelt uns unsere Städte. Traurig sowas - aber die haben wohl die "besseren" Freunde :-((

mumuj
02
13.11.2011, 07:40
Grauslich,nur noch übertroffen von der Häslichkeit an den Grünnenberg

ka-r-li
01
13.11.2011, 03:23

das ist ja wohl das mieseste architekturfoto des jahrhunderts!

fallende linien wohin man schaut, eine "umgekippte" strassenlaterne genau im vordergrund, durch den winkel der aufnahme ist der geneigte fassadenwinkel kaum zu erkennen.

knick
01
13.11.2011, 01:28
fingernägelziehen wär eine lösung!

Lupus67
13
12.11.2011, 20:26
wie immer

"die eliten" loben sich gegenseitig, verteilen awards....................und arbeiten halt leider am geschmack von 90% der bevölkerung vorbei.......ist fast schon so wie die politik.

"die eliten" stellen sich deshalb erst gar keiner wahl. die politiker versuchens das auch seit jahren, indem sie zwischen "volkswillen" und ihrem amt 97 bünde und kammern gestellt haben

nord
13
12.11.2011, 20:15

was man da für eine schöne architektur hinbauen hätte können ... die auch zum platz und zum bahnhof passt ... und dann wird dieses optisch abbruchreife gebäude auch noch ausgezeichnet

ikepod
13
12.11.2011, 22:19

am schlimmsten ist die wahl der fasade!!!
Containerblech sieht besser aus!!!!

nord
00
12.11.2011, 22:35

ja, das sticht einem als erstes ins auge

InformierenStattSchwätzen
318
12.11.2011, 18:53

das einzig Schöne am neuen Westbahnhofkomplex ist die alte Halle.

Anuntiata
01
13.11.2011, 16:29
Aber auch nur die Halle.

Der Versuch mit Neuem Design die Halle aufzupeppen ist genau in das Gegenteil verkommen. Wo man vorher das Gefühl hatte in einer großen, weitläufigen hohen Halle zu stehen, trau ich mich mittlerweile nicht mal mehr stehenzubleiben, so gedrungen und eng ist alles geworden.

Schade, peinlich. Ich würd es zwar nicht als Schandfleck bezeichnen, aber es ist einfach nicht das, was man darauf machen hätte können...

alexanderletten
 
11
13.11.2011, 12:52

Was ist denn schön an der Halle?

Christian_P
01
13.11.2011, 18:27

Dass sie ein schlichtes und funktionales Bauwerk ist. Kein Investorenschei..., der mit seiner nichtssagenden Wellblechfassade wie ein Krebsgeschwür die klassische Bahnhofshalle erdrückt.

alexanderletten
 
00
13.11.2011, 19:02

Ein schlichtes und funktionales Bauwerk ist zB. auch jedes EFH, ein Brückensteg oder eine Turnhalle.

Die klassische Bhf-Halle hätte fallen und an deren Platz das jetzige Projekt stehen sollen.
Es gehört nicht viel Phantasie dazu um zu verstehen, dass das die einzig sinnvolle Variante gewesen wäre.
So ist es aber für beide Seiten ein Pfusch. In 15 Jahren wird man die Bude abreissen und grübeln, wie man dem Steuerzahler plausibel erklären soll, dass das Loch "sinnvoll" gestopft werden muss.

PS: In die Bhf-Halle wird mMn. viel zu viel hinein interpretiert. Die war von 60 Jahren funktionell und zeitgemäß, jetzt jedoch hat es den Charme einer Schwimmhalle und es wird ja nicht besser.

Leipzigs Bhf ist schön. der Bhf Rekawinkel auch.

Christian_P
00
18.11.2011, 15:05

Das jetzige Projekt ist eine Beleidigung für die Augen, wo auch immer auf unserer Kugel es sich breit macht.

alexanderletten
 
00
18.11.2011, 16:13

Es tut mir leid, aber Ihre Aussage ist hier Tenor bei jedem neuen Projekt und folglich nicht wirlkich überzeugend.
Welches Lösung wäre denn optimal, also überwiegend ansprechend, wenn der Platz allein schon arg begrenzt ist und zusätzlich bestehendes halbwegs mit integriert werden soll?
Optisch gelungene und spektakuläre Sachen werden auch spektakuläre Kosten verursachen.

Christian_P
00
21.11.2011, 20:07

alexanderletten, bitte lesen Sie "Der Städtebau" von Camillo Sitte!

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