Promidichte im Geschenkeparadies

11. November 2011, 20:08
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Im Zuge der vierten Auktionswoche (21.-25. 11.) suchen 1862 Kunstwerke unterschiedlicher Sparten neue Besitzer

Ein guter Zeitpunkt, um Weihnachtseinkäufe zu erledigen oder Wunschlisten zu ergänzen.

Wien - Man kann es dieser Tage nicht oft genug betonen: Das Christkind oder Väterchen Frost scharren längst in den Startlöchern. Gedanklich mag der 24. Dezember im Vergleich zu diversen Dringlichkeiten womöglich weit entfernt sein, tatsächlich sind es nur noch gute vier Wochen. 41 Tage, um genau zu sein, abzüglich der Sonn- und Feiertage exakt 35, an denen gekauft werden kann, womit man seinen Nächsten am Gabentisch erfreuen möchte. Statistisch gesehen werden in Österreich die Weihnachtseinkäufe zu mehr als 60 Prozent in der zweiten Novemberhälfte getätigt.

Insofern könnte es gut sein, dass demnächst Santa Claus mit seinem von Rentieren gezogenen Schlitten auf der Suche nach einem Parkplatz im Umfeld des Dorotheums gesichtet wird. Denn dort entstand in den letzten Tagen und Stunden unter der Regie des hauseigenen Expertenteams ein regelrechtes Geschenkeparadies.

Aus Nah und Fern werden hier zwischen 21. und 25. November 2011 Weihnachtsmänner und kunstaffine Christkindl auf Sammler unterschiedlicher Generationen treffen, um sich am Angebot der vierten Auktionswoche des Jahres zu bedienen. Verführerisch glitzern Juwelen schon jetzt in den Vitrinen, gleich neben noblen Armband- oder aparten Taschenuhren und im Dialog mit prunkvollen Silberpokalen, französischer Glaskunst des Jugendstils und mondänem zeitgenössischem Design.

Den erklärten Schwerpunkt hat man an den Wänden verteilt und punktuell mit Skulpturen versehen: 220 Kunstwerke der Sparte Zeitgenössisches und etwas mehr als 100 der Kategorie Klassische Moderne. Zu den gemeinsamen Nennern gehört hier die Internationalität, ein Attribut, das man sich hier entsprechend der Entwicklung in den letzten Jahren zu Recht an die Fahnen heften darf.

Bereits in die Kategorie Klassiker fällt - für Gegenwartskünstler sonst selten - etwa Robert Indiana. Mit seinem Signalkunstwerk Love hatte der Amerikaner in den 1960ern ein leuchtendes Pop-Sinnbild geschaffen, das unter Sammlern Ikonenstatus genießt. Zwei Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer besprayte Indiana ein Fragment mit seinem berühmten Love-Logo und verpasste der Rückseite mit Wall ein anderes seiner "Ein-Wort-Gedichte".

50 Jahre nach dem Bau der Mauer gehört Love/Wall zu den Highlights der aktuellen Dorotheums-Offerte. Auf Augenhöhe begegnen ihm der russische Konzeptkünstler Ilya Kabakow (Bei der Universität 1972) oder der Arte-povera-Mitbegründer Jannis Kounellis, der Farbe, Eisen, Blei und Kohle zu zeitloser Poesie komponierte, die mit archetypischen Klischees spielt. Die Parade der großen Namen lässt sich aktuell noch um Arbeiten von Anselm Kiefer, Lawrence Weiner, Gilbert & George oder Enrico Castellani ergänzen.

Mit ähnlicher Promidichte bedient die Sektion Klassische Moderne: kopflastig in stilistischen Variationen etwa, von Alexej Jawlenskys abstrakter Meditation L'heure bleu est en moi und Amedeo Modiglianis Zeichnung des Dichters Jean Cocteau über Oskar Kokoschkas Porträt einer Schauspielerin und Werner Bergs bäuerlichen Frauenköpfen bis zu einem Vexierbild aus den vielen Gesichtern einer Tänzerin von Erika Giovanna Klien.  (Olga Kronsteiner  / DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.11.2011)

  • Jannis Kounellis schuf mit dieser titellosen Arbeit zeitlose Poesie, die mit archetypischen Klischees spielt.
    foto: dorotheum

    Jannis Kounellis schuf mit dieser titellosen Arbeit zeitlose Poesie, die mit archetypischen Klischees spielt.

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