Erster Sowjetmensch im Paradies

11. November 2011, 17:20
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Der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow zu Gast bei der "Buch Wien" und im Salzburger Literaturhaus

Der Schriftsteller Andrej Jurjewitsch Kurkow (50), geboren in der Nähe des damaligen Leningrad, lebt seit seinen frühen Kindertagen in Kiew. Die ukrainische Hauptstadt gehörte bis 1991 zur Sowjetunion, um Letztere geht es im heuer erstmals auf Deutsch erschienenen Roman Der wahrhaftige Volkskontrolleur (Haymon, Übersetzung: Kerstin Monschein). Nachdem er unerwartet zum "Volkskontrolleur auf Lebenszeit für die ganze Sowjetunion" gewählt worden ist, trifft Protagonist Pawel Dobrynin auf seiner Reise durch das Riesenreich einige seltsame Gestalten.

Nach dem Fremdsprachenstudium (von einst elf spricht er eigenen Angaben zufolge "nur" noch sieben Sprachen) blieb Kurkow eine diplomatische Karriere "mangels Beziehungen" versagt. Er arbeitete kurz als Herausgeber einer Ingenieurszeitschrift. Es folgte der Militärdienst, den er als Gefängniswärter in Odessa ableistete. Danach wurde er Kameramann und schrieb Drehbücher.

Der wahrhaftige Volkskontrolleur pendelt zwischen Fantasie und Realität: Da gibt es einen Gedichte rezitierenden Papagei oder den Engel, der aus dem Paradies geflüchtet und auf der Suche nach einem Gerechten ist, um mit diesem gemeinsam in den Garten Eden zurückzukehren - denn bisher hat es noch kein einziger Sowjetbürger dorthin geschafft. Wie in den früheren Büchern Kurkows (etwa Picknick auf dem Eis oder Der Milchmann in der Nacht), in denen es um den postsozialistischen Turbokapitalismus geht, kommt der Autor auch hier nicht ohne schwarzen Humor aus. Die Lesungen in Wien (Buch Wien) und Salzburg bestreitet Kurkow auf Russisch wie Deutsch gleich selbst. (dog / DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.11.2011)

  • 12. 11., Wien, Messebühne, Literaturcafé, 12.00
  • 14. 11., Salzburg, Literaturhaus, 0662/42 24 11, 20.00

 

  • Kurkow daheim in Kiew
    foto: tatjana montik

    Kurkow daheim in Kiew

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