Von Graz zum mongolischen Mörder-Khan

11. November 2011, 17:53
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Ein literarisches Fundstück: James Palmers Biografie "Der blutige weiße Baron"

Den Wettstreit zwischen Realität und Fiktion um den absurdesten und größenwahnsinnigsten Lebensweg gewinnt nicht immer die Fiktion. Auch im Falle des 1885 in Graz geborenen Freiherrn Roman Nikolaj Maximilian von Ungern-Sternberg zieht sie den Kürzeren. Ungern gelangte mit der russischen Armee an den Ort seines Wirkens, in die Mongolei. Er sollte zu einem Barbaren heranreifen, der sich im Jahrhundert, nein, im Jahrtausend geirrt zu haben schien.

James Palmer, Verfasser der Biografie Der blutige weiße Baron, ist dem Freiherrn in die mongolischen Steppen gefolgt. Zwei Dinge waren für den Baron bestimmend: das Kriegshandwerk, das er mit Überschwang betrieb, und fernöstlicher Okkultismus, buddhistischer Helden- und Dämonenglauben. Götter und Prophezeiungen bestimmten sein Leben. Narbenübersät ritt er mit nacktem Oberkörper an der Spitze eines zusammengewürfelten Heers und mordete und folterte bestialisch wie kein Zweiter.

Er hielt sich für den wiedererstandenen Dschingis Khan und trat an, den von den Chinesen gefangenen Lebendigen Buddha zu befreien und gleichzeitig ein Imperium zu gründen. "Mein Name ist so sehr mit Hass und Angst verbunden, dass niemand beurteilen kann, was wahr und was falsch ist, was Geschichte und was Mythos", sagt Ungern über sich selbst. Und so beginnt seine Biografie. (Alois Pumhösel  / DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.11.2011)

  • James Palmer, "Der blutige weiße  Baron". € 32,90 / 379 Seiten.  
Eichborn, Frankfurt am Main 2010
    foto: eichborn

    James Palmer, "Der blutige weiße Baron". € 32,90 / 379 Seiten. Eichborn, Frankfurt am Main 2010

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