Limaj plädiert auf unschuldig

11. November 2011, 14:49
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Prozess wegen Vorwurfs der Kriegsverbrechen in einem UCK-Gefangenenlager

Pristina/Belgrad - Der einstige Befehlshaber der "Kosovarischen Befreiungsarmee" (UCK) Fatmir Limaj, gegen welchen am Freitag in Pristina ein Prozess wegen Kriegsverbrechen während des Krieges im Kosovo (1998-99) begonnen hat, plädierte auf unschuldig. Ebenso äußerten sich laut Medienberichten alle neun Mitangeklagte.

Der frühere Verkehrsminister und Vizevorsitzende der regierenden Demokratischen Partei (PDK) muss sich wegen des Vorwurfs der Folterung und Ermordung von sieben Serben und eines Kosovaren während des Krieges im Kosovo 1998/99 verantworten. Die Anklage wirft ihm zudem vor, im UCK-Gefängnis von Kleqka (Klecka) südlich der Hauptstadt Prishtina (Pristina) persönlich einen serbischen Gefangenen gefoltert und die Erschießung von zwei serbischen Polizisten angeordnet zu haben.

Mit Ausnahme von Limaj waren die Angeklagten bereits im März festgenommen worden. Der derzeitige Parlamentsabgeordnete Limaj war erst im September unter Hausarrest gestellt worden. Er ist am Freitag in Polizeibegleitung vor Gericht erschienen.

Einer der Kronzeugen im Prozess gegen Limaj, ein ehemaliger Wachmann im UCK-Gefangenenlager in Klecka, beging vor wenigen Wochen in Duisburg Selbstmord. Ein gerichtsmedizinischer Befund über die Todesursachen soll noch nicht vorliegen. Die Ankläger besitzen eine auf rund 200 Seiten formulierte schriftliche Aussage des Kronzeugen. Im Fall Limaj war am Dienstag auch Premier Hashim Thaci als einstiger politischer Führer der UCK befragt worden. Laut Medienberichten hatte die Anhörung durch EULEX-Staatsanwalt Maurizio Salustro mit Unterbrechung zwei Stunden gedauert.

Limaj ist ein erster UCK-Befehlshaber, der sich wegen Kriegsverbrechen vor einem kosovarischen Gericht zu verteidigen hat. In einem gegen ihn vor dem UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen im einstigen Jugoslawien geführten Prozess war er 2007 freigesprochen worden. (APA)

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