52 Millionen Jahre alte Symbiose in Bernstein festgehalten

12. November 2011, 12:00
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Deutsche Forscher untersuchten eine Mykorrhiza, eine Lebensgemeinschaft von Pilz und Pflanze

Uni Göttingen - Mykorrhizen sind eine weitverbreitete Form der Symbiose zwischen Bodenpilzen und den Wurzeln bestimmter Pflanzen. Der Pilz tritt dabei mit dem Wurzelsystem der Wirtspflanze in Kontakt, vergrößert mit seinen fadenförmigen Zellen die Wurzeloberfläche der Pflanzen und unterstützt so deren Nahrungsaufnahme. Im Gegenzug liefert die Pflanze dem Pilz Energie in Form von Zuckern. Mit diesen Zuckern produziert der Pilz die für sein Wachstum notwendigen Substanzen.

Eine häufig vorkommende, bislang aber kaum in Fossilien erhalten gebliebene Variante dieser Symbiose nennt sich Ektomykorrhiza: Bei dieser Form der Symbiose dringt der Pilz nicht in die Wurzelzellen der Pflanzen ein. Auch diese Variante blickt auf eine lange Geschichte zurück - zumindest bis ins frühe Eozän, wie Geobiologen der Universität Göttingen in der Fachzeitschrift "New Phytologist" berichten. Sie untersuchten einen 52 Millionen Jahre alten Bernstein aus Indien, der eine Symbiose zwischen einem Pilz und einer bedecktsamigen Blütenpflanze konserviert hat.

Evolutionäres Erfolgsmodell

In Zusammenarbeit mit indischen Paläontologen und dem American Museum of Natural History in New York gelang den Wissenschaftern eine detaillierte Bearbeitung der Fossilien. Die gefundenen Einschlüsse im Bernstein lassen verschiedene Entwicklungsstadien erkennen und geben Einblicke in vielfältige morphologische Details.

"Der indische Bernstein unterscheidet sich in seiner chemischen Zusammensetzung deutlich von dem Baltischen Bernstein des Ostseeraumes und lässt sich in organischen Lösungsmitteln leicht lösen", erklärt Christina Beimforde, Spezialistin für fossile Pilze am Courant Forschungszentrum der Uni Göttingen. "Durch diese Besonderheit konnten wir eines der Mykorrhizasysteme aus dem fossilen Harz herauslösen. Durch ultrastrukturelle Analysen unter dem Rasterelektronenmikroskop konnten wir dieses Präparat genauso akribisch untersuchen wie die heute lebenden." In weiteren Untersuchungen wurden nun die organischen Bestandteile der versteinerten Pilz-Pflanzen-Lebensgemeinschaft analysiert.

Bereits vor über 400 Millionen Jahren unterstützten Pilze die Pflanzen bei der Eroberung des Festlandes - diese Lebensgemeinschaft gilt als Schlüsselinnovation in der Evolution der Pflanzen. Nach Ansicht der Wissenschafter ist der 52 Millionen Jahre alte Bernsteinfund ein weiterer Beleg für die morphologische Stabilität der Mykorrhizen, die auch in heutigen Ökosystemen eine wichtige Funktion einnehmen. (red)

  • Ektomykorrhizzen in indischem Bernstein
    foto: uni göttingen

    Ektomykorrhizzen in indischem Bernstein

  • Rasterelektronenmikroskop-Ansicht der Mykorrhizaoberfläche
    foto: uni göttingen

    Rasterelektronenmikroskop-Ansicht der Mykorrhizaoberfläche

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