Watergate-Einbruch war für Nixon "dumm" und "unglaublich"

11. November 2011, 14:46
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Aussage vor Grand Jury auf Klage von Historiker herausgegeben

Washington - Fast vier Jahrzehnte nach dem Sturz von Richard Nixon durch die Watergate-Affäre ist die bisher geheime Aussage des Ex-Präsidenten vor einer Untersuchungskommission veröffentlicht worden. Nixon bezeichnet darin den Einbruch in die Wahlkampfzentrale der oppositionellen Demokraten als "dumm" und "unglaublich", wie aus Aufzeichnungen einer Aussage unter Eid vom Juni 1975 vor Geschworenen hervorgeht, die am Donnerstag (Ortszeit) von der Nixon-Bibliothek veröffentlicht wurden. Ein Historiker hatte erfolgreich auf Herausgabe der Aufzeichnung geklagt.

Begonnen hatte die beispiellose Affäre am 17. Juni 1972. Damals brachen fünf Männer in die Wahlkampfzentrale der oppositionellen Demokraten im Washingtoner Watergate-Komplex ein, um Abhörmikrofone in den Büros anzubringen. Ihre Spur führte auf direktem Weg ins Weiße Haus, zum Wahlkampfteam der Republikaner und zum damaligen Präsidenten Nixon. Der Präsident trat schließlich am 8. August 1974 im Zuge der Enthüllungen zur Watergate-Affäre zurück. Material gegen das Weiße Haus lieferte in der Affäre eine als "Deep Throat" bekannte Quelle, die sich erst 2005 als der frühere stellvertretende Chef der US-Bundespolizei FBI, Mark Felt, entpuppte.

"Ich habe kräftig Dampf abgelassen"

Nixon beschreibt in der Anhörung zehn Monate nach seinem Sturz auch, wie er einen Wutanfall bekommen habe, als er erfuhr, dass gut 18 Minuten aus einer Tonaufzeichnung eines Treffens im Weißen Haus nach Bekanntwerden der Watergate-Affäre gelöscht worden waren. Die fehlende Stelle hätte ihm zufolge belegen können, dass er von dem Einbruch nichts gewusst habe. "Ich habe kräftig Dampf abgelassen", sagte der Ex-Präsident, der als "Tricky Dicky" bekannt war.

In weiteren Aufzeichnungen, die von der Bibliothek nun veröffentlicht wurden, beschreibt Nixon auch andere Episoden aus seiner Zeit im Weißen Haus. So erzählt er, wie er einmal früh morgens zum Lincoln Memorial ging, um Demonstranten gegen den Vietnam-Krieg zu treffen. "Ich habe den Secret Service noch nie so vor Schreck erstarrt gesehen", erzählte der 1994 verstorbene Ex-Präsident mit Blick auf seine Leibwächter. Er habe dann um 4.40 Uhr morgens eine kleine Gruppe Studenten angetroffen, die "nicht unfreundlich", aber wohl etwas eingeschüchtert gewesen sei. Er habe den Kriegsgegnern gesagt, dass er verstehe, wie sie sich fühlten.

Freimütig berichtet Nixon auch über seine Geringschätzung für Karriere-Diplomaten, die er als "einen Haufen Eunuchen" bezeichnete. "Ich meine das nicht in einem körperlichen Sinn, aber in einem emotionalen, geistigen Sinn. Sie sind nicht für das amerikanische System freier Unternehmerschaft."

Nixon sagte weiter, er habe bei großen Ländern Einfluss auf die Besetzung mit Botschaftern genommen, bei kleineren aber nicht. In die seien häufiger großzügige Spender für Wahlkämpfe geschickt worden. Das sei schon unter seinen Vorgängern so gewesen: "Perle Mesta wurde nicht nach Luxemburg geschickt, weil sie einen großen Busen hatte", sagte der Ex-Präsident mit Blick auf eine bekannte Society-Lady der Nachkriegszeit im politischen Washington. "Perle Mesta ging nach Luxemburg, weil sie einen guten (Spenden-)Beitrag geleistet hat." Nixon starb 1994. (APA)

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    Richard Nixon verabschiedet sich am 9. August 1974 von seinen ehemaligen Mitarbeitern und steigt in seinen Helikopter.

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