"Hallo" ebenso in Ordnung wie "Grüß Gott"

11. November 2011, 17:07
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Im Rahmen von Österreichs größter Karrieremesse Career Calling mit 5000 Besuchern stellten sich Spitzenmanager den Fragen der Studierenden: Was wird verlangt?

Was wird verlangt, was geboten? Was kommt gut an, was sollte man beim Bewerben doch eher lassen? Moderatorin Karin Bauer hatte am Donnerstag bei der Career Calling, Karrieremesse der WU, TU Wien und der Uni für Bodenkultur, ein ganzes Set an praktischen Fragen an die Spitzenmanager vor studentischem Auditorium.

In auch sehr persönlicher Atmosphäre ließen die Wirtschaftslenker auch in ihren Werdegang blicken, berichteten über ihre Erfolgserlebnisse, Momente des Scheiterns, "lessons learned". Dies alles auf Basis grundsätzlich positiver Erwartungen, was die konjunkturelle Zukunft betrifft, dies alles auf Basis einer breiten Chancenpalette für Praktika und für den Jobeinstieg aus dem Kreis der 150 Aussteller der Messe im Wiener Austria Center.

"Es gibt nicht den Hofer-Typ, wir suchen keine Klone", sagte etwa Hofer-Generaldirektor Friedhelm Dold auf die Frage nach den Wunschprofilen der Kandidaten. Welche Grundtugenden speziell in ihren Branchen gefragt seien? Darauf die Spitzenmanager unisono: Diese seien wohl überall gleich - wo gebe es denn eine Branche, in der Flexibilität, Lern- und Einsatzbereitschaft, internationale Offenheit, nicht gefragt seien?

Spezifische Benimm- oder Dress-Regeln nannte auch Doris Tomanek, in der UniCredit / Bank Austria Personalchefin für Österreich und Osteuropa sowie Mitglied des Vorstands, nicht: Auf Basis guten Benehmens sei ein "Hallo" ebenso in Ordnung wie "Grüß Gott", im Büro herrsche kein Krawattenzwang. Tomanek: "Was wir nicht oder kaum brauchen können, sind pure Einzelkämpfer, wir suchen Teamplayer." Und das Engagement für den Job? "Wenn der Beruf der richtige ist, wenn die Stelle im Unternehmen die richtige ist, dann ist auch das Engagement da", formuliert Tomanek sehr unkompliziert, worum es ihr in der Personalwirtschaft geht.

In der sich so rasch ändernden Arbeitswelt, die Dold künftig mit noch mehr Dynamik, noch höherem Tempo und noch rascherem Wandel sieht, sei es besonders wichtig, keine starren Pläne für die Karriere zu haben, wohl aber die Optionen und Wege zu sehen und darüber mit den Unternehmen auch zu sprechen, so ebenso unisono die Top-Manager.

Byron Haynes wird noch deutlicher: Die Chancen im Moment ergreifen, rät er den Jungen, und: Ohne auch ein Stück persönliches Risiko einzugehen, sei sichtbarer Erfolg vermutlich nicht zu erlangen. Haynes: "Gib 120 Prozent" sei sein Motto gewesen. Ob sich das mit Work-Life-Balance ausgehe? Nicht immer, gibt er unumwunden zu.

Emotionale Intelligenz, die Fähigkeit, interkulturell und zwischenmenschlich "unter Anwendung der Vernunft zwischen den Zeilen zu lesen", ist für Andreas Ludwig, den Vorstandsvorsitzenden der Umdasch AG, nach der ersten Anforderung der Integrität ein ganz zentrales Kriterium für Erfolg. Was ihm besonders gefällt, weil er wohl selbst auch so funktioniert: "Eine gewisse Hemdsärmeligkeit." Wer in den stark expandierenden Familienkonzern gut passe? Da die Führung auf Vertrauen basiere, stelle sich schnell heraus, wer passe und wer nicht, so Ludwig.

Fazit der Messe insgesamt: vielfältige Chancen für Junge, Gespräche auf Augenhöhe. (red/DER STANDARD; Printausgabe, 12./13.11.2011)

  • Andreas Ludwig, Vorstandschef Umdasch AG.
    foto: umdasch

    Andreas Ludwig, Vorstandschef Umdasch AG.

  • Byron Haynes, Vorstandsvorsitzender Bawag/P.S.K.
    foto: bawag/psk

    Byron Haynes, Vorstandsvorsitzender Bawag/P.S.K.

  • Doris Tomanek, Vorstand UniCredit / Bank Austria.
    foto: unicredit bankaustria/kurt keinrath

    Doris Tomanek, Vorstand UniCredit / Bank Austria.

  • Friedhelm Dold, Generaldirektor Hofer KG.
    foto: hofer

    Friedhelm Dold, Generaldirektor Hofer KG.

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