Regionale Schwimmübungen

11. November 2011, 17:22
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Im Bilderland spielen Antiquitäten, Möbel und angewandte Kunst nur noch die Begleitmusik: ein Stimmungsbericht zu den Wiener Kunstmessen

Von der Idee, international relevante Vertreter des Kunsthandels nach Wien zu lotsen habe man sich endgültig verabschiedet, bekannte Alexandra Graski-Hoffmann im Vorfeld der aktuellen Hofburg-Messe ("Art & Antique", bis 13. 11.). "In der regionalen Suppe schwimmt es sich doch gut", erklärte die Veranstalterin unverblümt. Na denn.

In die zuletzt frei gewordenen Aussteller-Lücken rückten andere nach, Neuzugänge oder auch Wikam-Abtrünnige, insgesamt aber nicht immer zum Wohl der Vielfalt. Die Schmucksektion war bislang ausreichend abgedeckt und hätte genau genommen keiner Aufstockung bedurft. Immerhin verdankt man dieser Fraktion nun den Zusatz "Design" im Untertitel der Messe, weil sich die Vintageanbieter dem Vernehmen nach gegen zeitgenössischen Flitter zur Wehr gesetzt hatten.

Die Unschärfe dieses Begriffs machte man sich zunutze, denn Entwürfe von Verner Panton oder von Zaha Hadid wird man hier vergeblich suchen. Stattdessen wirkt die Kategorie bildende Kunst mittlerweile derart dominant, dass angewandte Kunst, Antiquitäten und vor allem der Bereich Möbel in diesem Bilderland nur noch die Begleitmusik zu spielen scheinen.

Rote-Pünktchen-Parade

Die Krux: Die seit dem vergangenen Wochenende verzeichneten Abschlüsse dürften dieses mehr zufällig entstandene als tatsächlich geplante Konzept bestätigen. In der auf den ersten Blick eher stiefmütterlich repräsentierten Sektion Antiquitäten und angewandte Kunst begann der europäische Rubel zu rollen. Auch wechselten Gemälde aller Epochen den Besitzer, lediglich in Preisklassen ab 50.000 Euro scheinen sich Herr und Frau Österreicher ein bisserl zu zieren, ab 200.000 Euro wird es dann schon sehr dünn. Der Renner der Saison ist die Gattung 3000 bis 20.000 Euro, in der Hofburg eher ein Minderheitenprogramm, in den Palais Niederösterreich und Ferstel (Wikam, bis 13. 11.) ein lukrativer Schwerpunkt. Die ehemals auf Messen übliche Rote-Pünktchen-Parade ist Geschichte: Verkauftes wird abgehängt und hurtig durch "Neues" ersetzt. Insofern lohnen Mehrmalsbesuche, an den Wänden ist die Abwechslung garantiert. Vom Paralleltermin dürften jedenfalls beide Formate profitieren, auch von dem Zeitdruck, den Messen für Sammler darstellen.

Das Gros der verzeichneten Verkäufe dankt man dem lokalen Publikum. Ganz so locker sitzt das Börserl trotz drohender Rezession und niedriger Verzinsung leider nicht. Denn Österreicher bevorzugen in Krisenzeiten schnell verfügbares Geld, wie die jüngste Statistik der Nationalbank belegt. 208 Milliarden Euro und damit ein knappes Drittel des heimischen Privatvermögens parkt derzeit auf täglich fälligen Konten. Wer gedanklich jemals mit einer Flucht in Sachwerte liebäugelte, fände in jedem einzelnen der noch bis inklusive Sonntag verfügbaren Messeteilnehmer vermutlich recht willige Spielkameraden. (Olga Kronsteiner  / DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.11.2011)

  • Maria Lassnig: Ihr "Augapfel" (2010) wartet für wohlfeile 290.000 Euro 
in der Hofburg.
    foto: kovacek & zetter

    Maria Lassnig: Ihr "Augapfel" (2010) wartet für wohlfeile 290.000 Euro in der Hofburg.

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