Im Bilderland spielen Antiquitäten, Möbel und angewandte Kunst nur noch die Begleitmusik: ein Stimmungsbericht zu den Wiener Kunstmessen
Von der Idee, international relevante Vertreter des Kunsthandels nach
Wien zu lotsen habe man sich endgültig verabschiedet, bekannte Alexandra
Graski-Hoffmann im Vorfeld der aktuellen Hofburg-Messe ("Art & Antique",
bis 13. 11.). "In der regionalen Suppe schwimmt es sich doch gut",
erklärte die Veranstalterin unverblümt. Na denn.
In die zuletzt frei gewordenen Aussteller-Lücken rückten andere nach,
Neuzugänge oder auch Wikam-Abtrünnige, insgesamt aber nicht immer zum
Wohl der Vielfalt. Die Schmucksektion war bislang ausreichend abgedeckt
und hätte genau genommen keiner Aufstockung bedurft. Immerhin verdankt
man dieser Fraktion nun den Zusatz "Design" im Untertitel der Messe,
weil sich die Vintageanbieter dem Vernehmen nach gegen zeitgenössischen
Flitter zur Wehr gesetzt hatten.
Die Unschärfe dieses Begriffs machte man sich zunutze, denn Entwürfe von
Verner Panton oder von Zaha Hadid wird man hier vergeblich suchen.
Stattdessen wirkt die Kategorie bildende Kunst mittlerweile derart
dominant, dass angewandte Kunst, Antiquitäten und vor allem der Bereich
Möbel in diesem Bilderland nur noch die Begleitmusik zu spielen
scheinen.
Rote-Pünktchen-Parade
Die Krux: Die seit dem vergangenen Wochenende verzeichneten Abschlüsse
dürften dieses mehr zufällig entstandene als tatsächlich geplante
Konzept bestätigen. In der auf den ersten Blick eher stiefmütterlich
repräsentierten Sektion Antiquitäten und angewandte Kunst begann der
europäische Rubel zu rollen. Auch wechselten Gemälde aller Epochen den
Besitzer, lediglich in Preisklassen ab 50.000 Euro scheinen sich Herr
und Frau Österreicher ein bisserl zu zieren, ab 200.000 Euro wird es
dann schon sehr dünn. Der Renner der Saison ist die Gattung 3000 bis
20.000 Euro, in der Hofburg eher ein Minderheitenprogramm, in den Palais
Niederösterreich und Ferstel (Wikam, bis 13. 11.) ein lukrativer
Schwerpunkt. Die ehemals auf Messen übliche Rote-Pünktchen-Parade ist
Geschichte: Verkauftes wird abgehängt und hurtig durch "Neues" ersetzt.
Insofern lohnen Mehrmalsbesuche, an den Wänden ist die Abwechslung
garantiert. Vom Paralleltermin dürften jedenfalls beide Formate
profitieren, auch von dem Zeitdruck, den Messen für Sammler darstellen.
Das Gros der verzeichneten Verkäufe dankt man dem lokalen Publikum. Ganz
so locker sitzt das Börserl trotz drohender Rezession und niedriger
Verzinsung leider nicht. Denn Österreicher bevorzugen in Krisenzeiten
schnell verfügbares Geld, wie die jüngste Statistik der Nationalbank
belegt. 208 Milliarden Euro und damit ein knappes Drittel des heimischen
Privatvermögens parkt derzeit auf täglich fälligen Konten. Wer
gedanklich jemals mit einer Flucht in Sachwerte liebäugelte, fände in
jedem einzelnen der noch bis inklusive Sonntag verfügbaren
Messeteilnehmer vermutlich recht willige Spielkameraden. (Olga Kronsteiner / DER STANDARD, Printausgabe, 12./13.11.2011)