Gaddafi ließ libanesischen Schiitenführer Moussa Sadr "liquidieren"

11. November 2011, 14:02
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Moussa Sadr führte angeblich vor seiner Ermordung zweieinhalbstündiges Gespräch mit dem Diktator

Benghazi/Dubai - Libyens früherer Machthaber Muammar al-Gaddafi hat nach Angaben eines ehemaligen Vertrauten den hohen libanesischen Schiiten-Geistlichen Imam Moussa Sadr im August 1978 "liquidieren" lassen, nachdem er mit ihm in seinem Büro ein zweieinhalbstündiges Gespräch geführt hatte. Nachher habe Gaddafi befohlen: "Bringt ihn weg!", berichtete Ahmed Ramadan dem in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ansässigen TV-Sender "Al-Aan" am Donnerstag in einem Interview. Ramadan, der als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten in der Umgebung des Diktators galt, befindet sich nach Angaben des Senders gegenwärtig in Benghazi in Haft.

Die Leiche von Moussa Sadr sei entweder in Janzour oder in Sebha beerdigt worden, sagte Ramadan. Bereits im März hatte der damals zurückgetretene Chefdelegierte Libyens bei der Arabischen Liga in Kairo, Abdulmoneim al-Honi, in einem Interview geäußert, der Gründer der libanesischen schiitischen Amal-Bewegung sei während eines Libyen-Besuchs umgebracht und in der südlichen Region Sebha begraben worden. Gaddafis persönlicher Pilot Najmeddin al-Yaziji sei beauftragt worden, die Leiche nach Sebha zu fliegen, sagte Honi, der damals Mitglied des libyschen Revolutionsrates war. Kurze Zeit später sei der Pilot liquidiert worden.

Die libanesischen Behörden hatten erklärt, Moussa Sadr habe vor seinem Verschwinden in Tripolis mit Gaddafi gestritten. Libyen gab dagegen an, der Imam sei mit zwei Begleitern nach Rom weitergeflogen. Dort kam er jedoch nie an. Moussa Sadr gründete die schiitische Amal-Bewegung, an deren Spitze der libanesische Parlamentspräsident Nabih Berri steht. Sie ist mit der pro-iranischen Hisbollah verbündet.

2008 war in Beirut Haftbefehl gegen den libyschen Machthaber erlassen worden. Da Gaddafi formal nicht Staatsoberhaupt war, hatte die libanesische Justiz Anklage wegen Entführung und Freiheitsberaubung gegen ihn erhoben. Libyen hatte 2003 die diplomatischen Beziehungen zum Libanon abgebrochen. Gaddafi hatte den Libanon mehrmals heftig attackiert und für "unfähig" erklärt, "ein unabhängiger Staat zu sein".

Die Hisbollah hatte nach Gaddafis gewaltsamem Tod dem libyschen Volk zu seinem "immensen Sieg" nach einem "langen und verlustreichen Kampf gegen die Tyrannei" gratuliert. (APA)

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