UNESCO benötigt Hilfsfonds

11. November 2011, 13:43
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Radikale Sparmaßnahmen - Ärger und Protestnote wegen israelischer Karikatur

Paris / Tel Aviv - Alarmstimmung bei der UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO) in Paris: Ein Notfonds soll die wichtigsten Programme retten, nachdem die USA wegen der Aufnahme Palästinas ihre Beitragszahlungen gestoppt haben.  Der ölreiche afrikanische Staat Gabun zahlte als erster eine Spende von zwei Millionen Dollar ein, wie die Organisation am Freitag weiter mitteilte.

UNESCO-Chefin Irina Bokova warnte zum Abschluss der Generalversammlung am Donnerstag vor schweren Einschnitten. Sie hatte bereits davor radikale Sparmaßnahmen angekündigt: Mehrere Publikationen und Konferenzen würden gestrichen und Programme gekürzt. 

Die USA haben bisher in der UNESCO den höchsten Beitrag gezahlt. Sie stoppten jedoch ihre Zahlung, nachdem die Organisation die Palästinenser als 195. Mitglied aufgenommen hatte. In einer Erklärung der Organisation heißt es: "Das lässt die UNESCO mit einem unmittelbaren Fehlbetrag von 65 Millionen Dollar bis Ende 2011, sowie einer weiteren Finanzlücke von 22 Prozent ihres 653 Millionen Dollar-Budgets für 2012-2013. Israel hat nachgezogen und ebenfalls seine Beiträge von 1,5 Millionen Dollar für 2012-2013 zurückgehalten (0,3 Prozent des UNESCO-Budgets)."

Ärger wegen Karikaturen

Die UNESCO hat sich wegen einer Karikatur in der linksliberalen Zeitung "Haaretz" bei der israelischen Regierung beschwert. In dem Protestschreiben der UNESCO-Generaldirektorin  Bokowa sei der Zeitung Aufwiegelung vorgeworfen worden, berichtete "Haaretz" am Freitag.   In der am 4. November veröffentlichten Zeichnung befiehlt Ministerpräsident Benjamin Netanyahu seinen Kampfpiloten, auf dem Rückweg von einem Militärschlag gegen den Iran auch gleich noch das UNESCO-Büro in Ramallah zu bombardieren. Die Karikatur habe die Verärgerung der israelischen Regierung über die Aufnahme der Palästinenser in die UN-Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Paris verdeutlichen sollen, schrieb die Zeitung.

"Eine solche Karikatur gefährdet das Leben unbewaffneter Diplomaten, und Sie haben die Pflicht, sie zu beschützen", habe UNESCO-Sprecher Eric Falt dem israelischen UNO-Botschafter Nimrod Barkan bei der Überreichung der Protestnote vorgehalten.  Der israelische Diplomat habe geantwortet, dass die Regierung keinen Einfluss darauf habe, was die Zeitungen veröffentlichten. Nachdem Barkan den Protest an das Außenministerium in Jerusalem weitergeleitet habe, sei ihm von dort geantwortet worden: "Was genau will die Unesco von uns? Dass unsere Jungs sie verteidigen oder dass wir die Zeitung schließen?"  Die Arbeitsbedingungen bei der UNESCO ähnelten offenbar zunehmend denen auf der "Farm der Tiere", habe es in der Antwort des Ministeriums geheißen. In dem Roman schildert George Orwell eine Revolution der Tiere gegen ihren Bauern, die zu einer noch viel schlimmeren Diktatur der Schweine über den Rest der Tiere führt.   (APA)

 

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