Brandstätter gegen Fellner

"Journalistischer Bettnässer" keine Beleidigung

11. November 2011, 13:14

"Kurier"-Chefredakteur Brandstätter mit Klage gegen "Österreich"-Herausgeber Fellner abgeblitzt

Dass "Österreich"-Herausgeber Wolfgang Fellner den "Kurier"-Chefredakteur Wolfgang Brandstätter in seiner Zeitung als "journalistischen Bettnässer" bezeichnet hat, hat für den "Österreich"-Herausgeber vorerst keine straf- und medienrechtlichen Folgen. Brandstätter ist am Freitag im Wiener Straflandesgericht mit einer Klage wegen Beleidigung abgeblitzt, in der er auch eine Entschädigung nach dem Mediengesetz geltend gemacht hatte.

Während Brandstätters Rechtsvertreter Stephan Ruggenthaler betonte, mit der inkriminierten Passage wären "die Grenzen der zulässigen Kritik meilenweit überschritten worden", sprach Richter Herwig Handsur den zur Verhandlung nicht erschienenen Fellner frei.

Für sich genommen komme der Ausdruck zweifellos einer Beleidigung gleich, doch dürfe dieser nicht für sich allein, sondern müsse "in einer Zusammenschau" betrachtet werden. Insofern liege "kein loses Schimpfwort" vor, sondern eine Kritik, in der laut Handsur "ein Tatsachensubstrat zu erkennen ist". Er sei der Meinung, dass diese Form der Kritik noch rechtlich gedeckt sei, stellte der Richter fest.

Ruggenthaler legte dagegen umgehend volle Berufung ein. Brandstätter, der als Privatankläger persönlich anwesend, aber vom Richter nicht vernommen worden war, nahm den nicht rechtskräftigen Freispruch für seinen Kontrahenten kommentarlos zur Kenntnis.

Ausgangspunkt des Rechtsstreits war ein 55 Sekunden langer Clip, den Brandstätter am 22. Juli auf der Video-Plattform Youtube platzierte. Darin ging er mit der "Österreich"-Berichterstattung über den EU-Krisengipfel in Brüssel ins Gericht: "Österreich" schreibe, Bundeskanzler Werner Faymann habe den Gipfel gerettet. "Das glauben Sie nicht, ich glaube es auch nicht, auch der Herr Fellner glaubt es nicht. Aber er schreibt es," hielt Brandstätter fest.

"Vorne Lob für den Kanzler, hinten Geld für die Zeitung. Noch Fragen?"

Brandstätter brachte das unmittelbar in Zusammenhang mit einem Inserat des Bundeskanzleramts, das in der betreffenden "Österreich"-Ausgabe wenige Seiten nach dem Lob für Faymann abgedruckt wurde. Dazu der wörtliche Kommentar des "Kurier"-Chefredakteurs: "Und so sehen wir, wie die österreichische Medienlandschaft funktioniert: Vorne Lob für den Kanzler, hinten Geld für die Zeitung. Noch Fragen?"

Die Antwort Fellners ließ nicht lange auf sich warten. Er konstatierte am 31. Juli, in der Medien-Szene wären "derzeit die journalistischen Bettnässer unterwegs". Und weiter: "Weil ihnen aufgrund des großen Erfolgs von 'Österreich' und des Gratisblättchens 'Heute' die Leser davonlaufen, pinkeln die offenbar verzweifelten Chefredakteure von 'Kurier' und einiger Bundesländer-Blätter die eigene Branche an." Dem Vorwurf, man könne sich bei "Österreich" mittels Inseraten eine freundliche Berichterstattung "kaufen", bescheinigte Fellner "Kindergarten-Niveau".

"Zulässige Reaktion"

Für Lisa Knapp (Kanzlei Zöchbauer), die Rechtsvertreterin des "Österreich"-Herausgebers, handelte es sich dabei um eine "zulässige Reaktion auf die Angriffe des Privatanklägers", wie sie nun im Grauen Haus zu bedenken gab. Dieser "pinkle" tatsächlich regelmäßig die Konkurrenz an, habe Fellner etwa auf der Kommunikationsplattform Twitter einen "Lügner" genannt. Für den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) wäre die Bezeichnung "journalistischer Bettnässer" daher mit Sicherheit rechtlich unbedenklich, betonte Knapp.

Demgegenüber stellte sie für Brandstätters Anwalt eine Ungeheuerlichkeit und "gezielte Beleidigung" dar. Fellner habe "in dieses eine Wort alles hineingepackt, was einen anderen kränkt. Bettnässen ist schon bei Kindern etwas sehr Betrübliches. Die leiden darunter, die Kameraden lachen sie aus", meinte Ruggenthaler. (APA)

Nachlese
Helmut Brandstätter: "Vorne ein Lob für den Kanzler, hinten Geld für die Zeitung"
- "Kurier"-Chefredakteur: "Und so sehen wir, wie die österreichische Medienlandschaft funktioniert"

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22 Postings
Elisabeth Jarok
00
20.11.2011, 20:59
warum

muss ein Kurier-Chefredakteur extra auf YouTube gehen, um über einen Österreich-Herausgeber herzuziehen? Darf er das in der eigenen Zeitung nicht? Fragen über Fragen.....

Hadik1
00
18.11.2011, 07:59
Brunz

Es gibt halt auch juristische Bettnässer - besonders im Bereich der Medienjustiz.

Briefmarkenkleber
00
15.11.2011, 17:12
Warum eckt die Sandart nie an?

Weils zu gut is? Weils kan interessiert? Weils APA fehlerfrei abtippen kann...

Fragen über Fragen.

Hlsebastian
01
15.11.2011, 09:04
Wofür gibt es die Justiz denn sonst?

suboptimal
 
01
13.11.2011, 14:32
Tatsachensubstrat

*notiert*

ich bin rapid-fan
04
13.11.2011, 14:11
Scheiß Fellner!!!

suboptimal
 
01
13.11.2011, 14:33
o.o

ich finde die zwei ganz genau gleich grindig.
Die Windeln können sie sich ungeschaut teilen.

Kristof E.
04
13.11.2011, 08:51
Juristische Bettnässer

Darf man den urteilenden Richter also getrost einen juristischen Bettnässer nennen? Wär interessant wie gerechtfertigt er diese Kritik betrachtet wenn es ihn selbst betrifft?!

Toporosso
04
13.11.2011, 04:52

Ja, die Metaphern sind ein Hund. Fellner bezeichnet Brandstätter als Bettnässer und verteidigt diese Bezeichnung mit dem Hinweis, dieser pinkle regelmäßig die Konkurrenz, also ihn, an. Dass ist eigentlich nur möglich, wenn die beiden im gleichen Bett liegen, darin ist sicherlich ein Tatsachensubstrat erkennbar, wenngleich diese Vorstellung insgesamt nachvollziehbar für Brandstätter eine unerfreuliche ist.

mirdochegal
03
12.11.2011, 13:10
"Tatsachensubstrat"

Eindeutig mein neues Lieblingswort!

Dagobert Drache
00
12.11.2011, 11:35

Helmut, nicht Wolfgang.

diktatur des boulevards
07
12.11.2011, 10:36

immer lustig wenn sich leitfossilien des österreichischen schweinejournalismus gegenseitig an die gurgel gehen

Rahoul
00
12.11.2011, 04:59
"Kindergarten-Niveau" nennt es der Fellner treffend.

Unglaublich, womit sich die österr. Justiz befassen muß...
Das Studium der Juristerei dauert X Jahre, kostet Y an Steuergeld, dann werden (top-ausgebildete) richterliche Ressourcen an solche Kinkerlitzchen gebunden.

Hadik1
00
18.11.2011, 08:02
"Top-Ausgebildete"...

"Das Studium der Juristerei dauert X Jahre, kostet Y an Steuergeld..."

Und am Ende fällen die "Top-Ausgebildeten" solche Urteile!

milo66
014
11.11.2011, 19:59

Meine großmutter hätt gesagt, 'steck beide in einen sack und hau drauf, triffst immer den richtigen'.

TaddyX
00
12.11.2011, 21:00
Einfach ...

... herrlich! Hiermit verleihe ich ihr den "goldenen Sack". ;-)

William Bonney
04
11.11.2011, 16:46
brandy wird langsam zur lachnummer

und sein kasblattl hat immer weniger leser

kurtlauswien
04
12.11.2011, 07:33
völlig richtig

also man muss den fellner (und sein blattl) nicht lieben, aber mit seiner brandy-analyse hat er völlig recht. obwohl (journalistischer) bettnässer nicht ganz ausreichend ist...zumindest "seine" zeitung hat brandy ruiniert...wo setzen ihn konrad, pröll & co in der folge als "sanierer" ein?

waniwiadawödua
110
11.11.2011, 13:51

der herausgeber des fellnerschas bezeichnet den chefredakteur des raiffeisenfetzens als journalistischen betnässer.
herrlich!

Zniachtl
00
13.11.2011, 12:58

Ich freue mich schon auf den Kurier-Leitartikel, in dem Fellner als journalistisches Nackerpatzerl bezeichnet wird :-)

boomnaboom
03
11.11.2011, 17:22
ja richtig: BETNÄSSER!

waniwiadawödua
03
11.11.2011, 19:35

stimmt, das fehlende t fällt nicht weiter auf.

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