Gutscheinportale

Österreich im Coupon-Rausch

Tatjana Rauth, 15. November 2011, 17:10
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    foto: reuters/brendan mcdermid

    Börsenfein gemacht: Groupon-CEO Andrew Mason mit Ehefrau Jenny Gillespie in New York.

Goldgräberstimmung im Internet: Am Coupon-Hype wollen alle mitverdienen - auch Medien sehen ihre Chance auf mehr Umsatz

Begonnen hat der Hype um das Geschäftsmodell von Marktführer Groupon im November 2008, als Gründer Andrew Mason beschloss, lokalen Anbietern eine neue Werbeplattform zur Verfügung zu stellen. Das in Chicago beheimatete Geschäft boomte und Groupon wurde zu einem der meist beachteten Start-Ups der Welt. Was folgte waren Investoren, deren finanzielle Unterstützungen massiv in Expansion flossen, sodass Groupon heute in bereits 35 Ländern Geschäfte mit lokalen Anbietern macht.

Daniel Glasner, Geschäftsführer von Groupon Europe, beschreibt die Vorgehensweise so: "Wir expandieren derzeit in Europa, Asien und Australien. Wir müssen in jedem Land Leute vor Ort haben, die den Partnern das Konzept erklären und gute Deals aushandeln. Es ist ein sehr lokales Modell, das erfordert, jeden Tag in jedem Markt zu bestehen. Es hilft nichts, in einem Markt gut zu sein und in einem anderen Markt aus dieser Stärke heraus zu arbeiten."

Auf der Jagd nach Fantastilliarden

Es kam wie es kommen musste: Nachdem Google 2010 ein Übernahmeangebot in Höhe von sechs Milliarden US-Dollar machte, schossen Nachahmer wie Pilze aus dem Boden. Herold.at-Geschäftsführer Thomas Friess kann ein Lied davon singen: "Alle zwei Wochen klopft bei mir ein Gutscheinportal an, das mit uns kooperieren möchte. Beim Durchgehen der Business Cases stellt sich dann aber meist heraus, dass die alle nicht nachrechnen."

"Heute" und der Volkskühlschrank

Die Tageszeitung "Heute" ist im Juni 2011 mit Dealheute.at ins Geschäft eingestiegen. Christof Hinterplattner, Geschäftsführer der Heute Ecommerce GmbH, argumentiert den Schritt als Einstieg ins E-Commerce Geschäft: "Wir sind ein Reichweitenverlag und haben das Geschäftsmodell schlank aufgesetzt. Es ist der Beginn einer viel weitgehenderen strategischen Betrachtung, wie wir mit unseren starken Medien auch in den Direktabsatz und in das Vermittlungsgeschäft einsteigen können, wie das ja bereits europaweit Verlage, die auf hohe Reichweiten setzen, machen. Wenn man sich anschaut, was Axel Springer heute schon mit "Bild" macht, vom Volkskühlschrank bis zum Auto, das funktioniert. Kaufmännisch betrachtet ist das hochinteressant."

Derzeit werden bei "Heute" noch ungleich kleinere Brötchen gebacken. Immerhin 15.000 Gutscheine konnten bis Ende September vertrieben werden und die Kurve geht stetig nach oben, erzählt Hinterplattner. Eines sollte jedoch jedem, der sich auf dieses Geschäftsmodell einlässt, klar sein: "Es ist ein hochgradig erklärungsbedürftiges Geschäft, das nicht nebenbei zu machen ist. Man muss den Businesspartnern erklären, wie es funktioniert und warum es eine Marketing-Investition ist. Sobald jemand beginnt, den Deckungsbeitrag zu berechnen, wird es argumentativ schon schwierig. Man muss dann sagen: 'Lieber Kunde, du kriegst ein Marketingpaket, ein Kommunikationspaket, ein Werbepaket. Wir bringen Frequenz und neue Kunden - binden musst du sie dann selbst.'"

Kein gutes Zeugnis nach Herold.at-Analyse

Auch der Yellow-Page-Anbieter Herold.at hat bereits Evaluierungen zum Groupon-Geschäftsmodell hinter sich. Geschäftsführer Thomas Friess ist nach eingehender kaufmännischer Betrachtung jedoch nicht von der Rentabilität des Geschäftsmodells zu überzeugen: "Unsere Analyse hat ergeben, dass das Modell von Groupon zwei wesentliche Schwachstellen hat: Einerseits sind das die erheblichen Marketinginvestitionen, die nötig sind, um entsprechend viele E-Mail-Adressen zu generieren und ausreichend Usage auf das Portal zu bringen. Zweitens braucht man eine große Salestruppe, die natürlich auch erhebliche Kosten verursacht. Hierbei ist es ganz entscheidend, zu prüfen, wie viele Kunden man pro Tag akquirieren kann und was davon konkret an Gewinn übrig bleibt."

Die Friess'sche Hypothese wird durch die turbulenten Diskussionen bezüglich des Börsegangs von Groupon Anfang November unterstützt. Die US-Börsenaufsicht zwang das Unternehmen aufgrund irreführender Angaben im Börsenprospekt mehrmals zur Überarbeitung der Angaben. Kritikpunkt waren die Angaben zum Ergebnis, das vor Abzug der Marketingkosten angegeben worden war.

Kostenblock Online Marketing

Tatsächlich ist Online Marketing ein großes Thema für Groupon, lässt Glasner im Gespräch aufhorchen, zu den Börsediskussionen dürfe er aber keine Stellung nehmen. Auch strategisch verrät er nur so viel: "Bis jetzt haben wir sehr viel in Online Marketing investiert, um neue Nutzer zu akquirieren. Wir machen das über alle Onlinekanäle, wobei wir bereits dabei sind, Differenzierungen voranzutreiben." Eine großer Schritt dahin liegt in der Personalisierung: "In den USA haben wir gerade unseren ersten Schritt mit sogenannten Smart Deals gemacht, die nur an einen bestimmten Kreis von Nutzern geschickt werden, definiert über Wohnort und Merkmale, die Nutzer selbst freigeben."

Restplätze bei "Heute"

Die Sorge um Marketingkosten und damit um einen der beiden großen Kostenblöcke bleibt DealHeute.at erspart, da für die Printanzeigen primär Restplätze im Gratisblatt verwendet werden würden, erklärt Christof Hinterplattner: "Der Kunde bekommt ein bisschen Print, ein bisschen Werbung auf Heute.at, wir haben die Deals auch in unseren FB-Seiten laufen, und natürlich über unseren ständig wachsenden Newsletter-Verteiler." Im Gegenzug erwarte sich "Heute" ein gutes Angebot. "Wir haben diese 50er-Regel: 50 Prozent Rabatt und 50 Prozent teilen."

Doch auch wenn die Marketingkosten vernachlässigbar und die Salesforce schmal aufgestellt sind, bleibt noch der Faktor Geschäftsabwicklung: "Das Hochinteressante an diesem Geschäftsmodell ist, es schaut nach vorne hin so einfach aus, aber man steht jeden Tag in der Mitte von B2B- und B2C-Prozessen mit hunderten Käufern und hat eine andere Ausgangssituation. Akquise, Customer Care, Stornos, Zahlungsprozesse, usw. All das war für uns ein großes Learning, aber die Prozesse haben wir in den Griff bekommen und die E-Commerce GmbH ist jetzt gut aufgestellt für alles, was noch kommen mag."

Null-Risiko

Friess hat letztlich beschlossen, sein eigenes kleines Modell Gutschein-king.at um die Idee zu bauen. "Wir haben das Groupon-Modell intensiv studiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass ein Gutscheinportal für Herold nur ein Nischenprodukt sein kann, das unsere bestehende Produktpalette ergänzt. Unsere Kunden haben die Möglichkeit, für einen festen Betrag ihren Gutschein für einen bestimmten Zeitraum auf unser Gutscheinportal zu stellen." (Tatjana Rauth/derStandard.at/15.11.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 102
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Max Kahlenberg
00
20.12.2011, 00:51
Hütchenspielerei ungestraft !

korro 1
00
19.11.2011, 19:57
Es gibt auch noch Alternativen

Die vorbestellen Portale sind wirklich gut. Ich persönlich nutze http://best-of-deals.de/gutscheine sehr gerne.

Aber wie sagt man doch so schön. Jedem das Seine ;-)

Walter B.Stechlich
10
16.11.2011, 17:49

finger weg von groupon, reine abzocke. habe einen gutschein für ein raucherentwöhungsset gekauft und habe es eingereicht.
ausser einer lesebestätigung habe ich nichts bekommen, trotz beschwerde bei der firma und bei groupon und das x-mal.

reine bauernfängerei imho!!!

rough_rider
00
21.11.2011, 21:02

hab drei Gutscheine gekauft:

2 x eingelöst
1 x Geld retour bekommen (wirklich problemlos)

Change
00
16.11.2011, 18:31
blödsinn

habe schon viele gutscheine erstanden und bei 2 problemen anstandslos das Geld zurückbekommen.

Walter B.Stechlich
12
17.11.2011, 08:15

wie kommen sie darauf es mit "blödsinn" zu titulieren?
wenn es bei ihnen geklappt hat - gut.
bei mir nicht und das erlaube ich mir zu posten.

unglaublich was hier für geistige flachwurzler unterwegs sind.

Tiannanmen
00
17.11.2011, 12:32

Aus meinem Bekanntenkreis und eigener Erfahrung kenne ich das auch: Die Einlösung funktioniert nicht immer problemlos, Groupon ist mit dem Storno aber sehr schnell und bisher immer zuverlässig gewesen.

Keke88
21
16.11.2011, 18:05
zum Abgewöhnen des Rauchens

bedarf es keiner fremden Hilfe

Neuer Nick neues Glück
02
16.11.2011, 18:29

Das hat jetzt aber so extrem viel mit dem Artikel zu tun, ich gratuliere!

Sergio Martino
02
17.11.2011, 13:05

Gut gekontert, bravo!

KammerlExperte
01
16.11.2011, 15:34
Warum es nicht in AT funktioniert,

weil wir zum Glück ein Land der der BastlEr & TüftlEr
sind und die Meisten genau hinsehen.

Kann mich noch gut erinnern wie die ersten
Kodak 135mm mit 400ASA auf den Markt kamen
und die Leute von Kodak meinten in USA werden
nur mehr 400er Filme verkauft. Ja halt in der USA
in AT hat das noch nicht mal funktioniert wie es
schon brauchbare digitale Kameras gab.

Als FA würde ich mal eine Aktion starten in der ein
GS zum Ausschneiden bei den Postwurfsendungen
anbei liegt, ich schreibe hier nicht über würge Restaurants
sonder z.B. Saturn, Leiner etc.. Der GS erlaubt alle
beworbenen Artikel um den "Sonderpreis" zu kaufen.

Dann hätte man endlich eine Wahrheit bez. Feedback
Postwurf od. Zeitungsbeilage. Ein Renner dürfte das
Spar- GSheft sein.

fauler Student
01
16.11.2011, 16:09

Ohne Abkürzungen und mit rotem Faden willst du was sagen?

Neuer Nick neues Glück
00
16.11.2011, 18:32

AT = Österreich
ASA= American Standards Association
USA = United States of America
FA = Firma
GS = Gutschein

War leicht.

system1
01
17.11.2011, 11:21
FA ist aber normalerweise Finanzamt.

Fa wäre Firma. sie bemerken den unterschied?

piroschka d.
01
17.11.2011, 08:28

Das posting ist deswegen nicht weniger wirr.

cyrus virus
00
16.11.2011, 15:10
Hab mal bei DealHeute

einen Taxigutschein für Wien gekauft €10,- bezahlt und 2x € 10,- Gutscheine bekommen. Das war genial und hatte keinen Haken.

Sicher gibt es auf den diversen Portalen auch viel Merkwürdiges aber es wird ja niemand zu irgendwas gezwungen.

Markus Dorfer
00
16.11.2011, 15:02

Eigentlich ist das Geschäftsmodell eine geniale Idee, aber die wirklich großen Konzerne wie Groupon betreiben das Ganze natürlich nicht ganz sauber.
War in der Vergangenheit selbst Groupon und DailyDeal Kunde aber mit dem rasanten Wachstum und den ganzen Übernahmen in der Industrie kann man die großen Anbieter ziemlich vergessen was Kundenservice anbelangt.
Jetzt schau ich lieber bei den österreichischen Anbietern wie z.B: deal lx vorbei , dort funktioniert das System einfach besser

LaBelle
01
16.11.2011, 14:56

Manche Händler sind mit den Coupons nicht so zufrieden, da oft die falschen Kunden angelockt werden. Ob das dauerhaft funktionieren wird ist offen. Möglichweise werden Gutscheinportale wie <a href="http://www.machit.de">machit.de</a> oder <a href="www.gutscheinpool.de">gutscheinpool.de</a> auf Dauer das attraktivere Angebot sein.

erebos
05
16.11.2011, 14:32
Also kurz zusammengefasst:

Coupon ist ein Vermittler zwischen Anbieter und Konsumenten. Und dafür, daß man eine Gutschein kauft, bekommt man ein Produkt billiger, wobei der Vermittler mitkassiert. ?
Sehe nur ich die Diskrepanz, daß Produkte billiger verkauft werden und dafür noch ein Zwischenhändler bezahlt wird und das so etwas nur auf Kosten derer geht, die da nicht mitspielen wollen? Wieder mal ein Schmarotzerkonzern, den am Ende alle Käufer finanzieren, obwohl er nichts tut als die Welt mit unübersichtlichen Produktinformationen anzufüllen. Nein Danke!

Heavyweather
00
16.11.2011, 21:20

Der Trottel ist immer der Kunde.
Hier kaufen Leute Dinge die ihnen gerade angeboten werden...einfach weil sie gerade "billig" zu haben sind.

Niemand braucht den ganzen Müll.

Neuer Nick neues Glück
00
16.11.2011, 18:34

Deiner Logik nach bist du dann aber einer derer, auf deren Kosten das geht.

erebos
01
17.11.2011, 12:12

Letzlich geht es ja auf die Kosten aller, denn die ganze Sache ist letztlich ein Minusgeschäft.
Aber ja, zuerst einmal zahlen Leute wie ich die Differenz zu den Coupon Angeboten mit höheren Preisen, so denn das Coupon Angebot wirklich billiger ist, was oft garnicht zutrifft.

Warentester
02
16.11.2011, 14:17

Zu Groupon fallen mir irgendwie nur zwei Wörter ein: Short und Put...

Wolfgang M. BUCHTA
 
01
16.11.2011, 13:47
Groupon

Als Kunde bekommt man Spam-Mails für Zeug, das keiner braucht und als anfragendes Unternehmen gleich gar keine Antwort...

Klingt also nach eine zukunftsträchtigen Geschäftsidee!

_loquee
11
16.11.2011, 13:35

Ich verfolge das mit großem Interesse.
War jetz paarmal in den USA und habe eine grobe Vorstellung davon, warum das dort teilweise funktioniert.

Falls sich das bei uns auch in relevanten Größenordnungen etablieren kann, ist das ein Armutszeugnis für die teilnehmenden Konsumenten, geschäfte und Lokale.

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