Garstige Schönheit

10. November 2011, 19:40
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Organisierter Lärm, eine singende Altkleidersammlung sowie ein alter Bekannter. Drei Konzertempfehlungen für die nächsten Tage

Wien - Seit der Begriff New Wave Ende der 1970er-Jahre den Terminus No Wave provoziert hat, steht dieser als Synonym für eine Verweigerungshaltung: die Haltung des Sich-nicht-zuordnen-lassen-Wollens. Diese erfüllt das New Yorker Trio Sightings zurzeit prototypisch.

Aus infernalischem Lärmrock, tribalistischem Getrommel und Gebrüll schälen Sightings eine garstige Schönheit, die allerdings geeichter Ohren und des Muts zur Überwindung bedarf. Jeglicher Lieblichkeit entsagend, suchen Sightings, die Entdecker, nach Schleichwegen zwischen den Trampelpfaden der elektronischen und traditionellen Musik. Dabei fällt nicht immer Neues ab, abenteuerlich sind die Ergebnisse aber alleweil. Am Freitag gastiert diese Ausnahme-Band im Wiener Fluc, (22 Uhr) - mit Nachdruck empfohlen!

Balsam für die eventuell übers Wochenende hinaus beleidigten Ohrwascheln bieten am Dienstag die Fleet Foxes im Wiener Museumsquartier (Halle E, 20.00): eine fünf bis sechs Mann hohe Altkleidersammlung aus Seattle rund um das seit Kindertagen gemeinsam musizierende Freundespaar Robin Pecknold und Skyler Skjelset, die Country-Rock der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre huldigt. Engelsgleicher Harmoniegesang, Melodien wie von Crosby, Stills, Nash and Young erdacht, dazu filigraner Folk, all das wirkt fast schon kitschig schön. Indian Summer für immer! Die Fleet Foxes haben den Soundtrack dafür - und die Bärte.

Ein Wiedersehen mit einer sträflich unterschätzten Band gibt es am selben Abend im Wiener Rhiz (22.00). Dort wird Scott McCloud mit seiner neuen Band Paramount Styles die Bühne betreten. McCloud lieh den aus Chicago stammenden Girls Against Boys seine prägnante Stimme. Diese überführte lange vor dem Dancerock-Revival Hardcore in diese swingenden Gefilde. Nachzuhören auf Meisterwerken wie Venus Luxure No.1 Baby, Cruise Yourself oder You Can't Fight What You Can't See.

Mit seiner neuen Formation Paramount Styles spielt er sanftere Songs, meist sind sie semiakustisch instrumentiert. Allein schon sein immer noch gefährlich um die Ecke schleichender Gesang in Songs wie Amsterdam Again macht dieses Konzert zum Pflichttermin.  (Karl Fluch / DER STANDARD, Printausgabe, 11.11.2011)

  • Der Phoenix aus der Asche von Girls Against Boys: Paramount Styles spielen am Dienstag im Rhiz.
    foto: paramount styles

    Der Phoenix aus der Asche von Girls Against Boys: Paramount Styles spielen am Dienstag im Rhiz.

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