Hypo Alpe Adria will Lansky-Honorar nicht zahlen

10. November 2011, 20:57
28 Postings

1,8 Millionen für Aufarbeitung der Causa Hypo Bulgarien und Ukraine, die Bank will ein Drittel nicht zahlen

Wien - Die Aufarbeitung der Causa Hypo Alpe Adria ist ebenso aufwändig wie kostspielig. Die verstaatlichte Bank beschäftigt jede Menge Rechercheure und Anwälte, um auffällige Sachverhalte zu klären und rechtliche Konsequenzen daraus zu ziehen.

An die 20 Millionen Euro hat die Bank für Beratungsdienste ihrer "CSI Hypo" (inklusive der Anwaltskosten, die im Rahmen der Notverstaatlichung 2009 angefallen sind) bereits ausgegeben.

Eine Honorarabrechnung sorgt nun für Diskussionen und Verstimmung - es geht um die Kosten für einen Bericht der Wiener Kanzlei Lansky, Ganzger & Partner (LGP) zum Thema Hypo Bulgarien und Ukraine. In beiden Ländern war die Kärntner Bank mit Leasinggesellschaften aktiv - in beiden Ländern wurden schräge Geschäfte gemacht, die die Bank viel Geld gekostet haben.

Das Fact-Finding für die Causa Bulgarien & Ukraine hat die Wiener CIN Consult durchgeführt - unter Federführung von CSI-Mitarbeiter Thomas Havranek, dem abgesetzten Gerichtssachverständigen in der Causa Meinl. Mit der rechtlichen Beurteilung ist die Kanzlei Lansky beauftragt - und die hat nun eine Honorarnote über rund 1,8 Mio.Euro für ihre Arbeit an dem Fall in Rechnung gestellt.

Zwei Drittel bezahlt

1,2 Millionen davon hat die Hypo Alpe Adria auch schon überwiesen - gegen die Auszahlung der restlichen 600.000 Euro wehrt sie sich aber. Man sehe den Leistungsumfang für diesen Betrag nicht, verlautet aus dem Umfeld der Bank. Zum konkreten Fall will der Sprecher der Bank, Dominic Köfner, nichts sagen, nur generell nimmt er Stellung: "Die Bank ist dem Steuerzahler verpflichtet und angehalten, sparsam zu sein. Wir dürfen nur bezahlen, was nach Prüfung der Stundenabrechnungen und Evaluierung der erbrachten Leistungen zulässig ist."

Auch Anwalt Lansky bleibt angesichts seiner Verschwiegenheitspflichten "sehr grundsätzlich" . Die von LGP erbrachten Leistungen lägen "im Rahmen des von Vorstand und Aufsichtsrat vorgebenen Budgets" und seien"belegt und dokumentiert sowie nach den vereinbarten Stundensätzen abgerechnet". Zudem habe die Kanzlei "die von uns umgesetzten Schritte dem Auftraggeber wöchentlich berichtet", der habe sie auch "abgenommen", erklärt Lansky auf Anfrage des Standard.

Die der roten Reichshälfte zugerechnete Kanzlei LGP war, wie berichtet, schon zu Landesbank-Zeiten Hypo-Ratgeber. Die Wiener Juristen haben die Kärntner rund um denVerkauf der Hypo Consultants beraten. Ende 2006 hatte Wolfgang Kulterer (damals Consultants-Aufsichtsratschef) die Manager über die Mandatierung der Kanzlei informiert, schriftliche Unterlagen dazu fanden sich in der Bank bis dato nicht. Die Kosten, die der Consultants damals erwuchsen: 477.000 Euro.

In der Causa Hypo Bulgarien und Ukraine haben LGP und CIN im November 2010 zunächst einen 59-seitigen "Zwischenbericht" verfasst. Aufgearbeitet wurden neun Sachverhaltsgruppen. Eine der Erkenntnisse: Weder die zentrale Hypo Leasing Holding noch bulgarische und ukrainische Töchter "scheinen den Risikomarkt in Bulgarien und der Ukraine angemessen kontrolliert und gesteuert zu haben. Diese Defizite und das hierbei auffallend sorglose - und mitunter offenbar auch kriminelle - Verhalten von Mitarbeitern könnten ausschlaggebend für die (...) Schäden im Konzern sein". Sehr konkret wurden die Berater damals nicht. Sie empfahlen eine "vertiefende und verbreiternde forensische Bestandsaufnahme" , um die Unregelmäßigkeiten zu "verdichten". Das ist inzwischen geschehen; in einem weiteren, rund 600-seitigen Bericht.

Gut im Geschäft ist LGP auch mit der ÖBB, die mit der Kanzlei 2007 einen Zehnjahresvertrag über 4,5 Mio. Euro Honorar abschloss. Kritik konterte Lansky mit dem Hinweis, der Vertrag sei unter Einbindung der Finanzprokuratur ausgehandelt worden - LGP habe "für jeden Cent Honorar die entsprechenden Leistungen erbracht" . (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 11.11.2011)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Rund 20 Millionen Euro hat die verstaatlichte Hypo Alpe Adria bereits für Berater ausgegeben. Nun will sie sparen.

Share if you care.