Geschwundene Macht

Kommentar10. November 2011, 18:18
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Ohne Agrarklub im Parlament geht bei der ÖVP wenig

Als Fritz Grillitsch vor zehn Jahren Präsident des Bauernbundes wurde, gab es in Österreich noch gut 200.000 Landwirtschaftsbetriebe; heute sind es noch 175.700 - und Tag für Tag gibt ein weiteres Dutzend auf.

Der ÖVP merkt man das nicht an: Ohne deren Agrarklub im Parlament geht dort wenig. Ohne die treuen Bauern läuft auch in den Bundesländern nichts: Nur sie können Hallen und Bierzelte füllen, zur Not auch eine Traktordemo organisieren. Sie organisieren die Wahlkämpfe, bringen die Stimmen, repräsentieren die (nicht nur agrarische) Bevölkerung des ländlichen Raumes. Und tatsächlich hat die schrumpfende Bauernschaft in den vergangenen Jahren erstaunliche innerparteiliche Erfolge aufzuweisen gehabt. Die beiden Vorgänger von Michael Spindelegger an der Parteispitze waren Bauernbündler, bis zum Mai kam auch der ÖVP-Generalsekretär aus dem Bauernbund. 

In dieser Zeit ist es dem Bauernbund gelungen, über Organisationen wie das Forum Land in Städten um Verständnis für den ländlichen Raum zu werben und in ländlichen Regionen etwa mit der Breitband-Initiative einen Ausbau der Infrastruktur voranzutreiben. Das wurde dem Bauernbundpräsidenten allseits hoch angerechnet. Aber Agrarpolitik ist mehr als ein Genussfest hier und ein Internetknoten dort - sie muss sicherstellen, dass die kleinen Bauern leben und ohne politische Anwürfe Geld verdienen können. Das wird die Aufgabe für Grillitschs Nachfolger. (DER STANDARD; Printausgabe, 11.11.2011)

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