Wirtschaftsabschwung - Europas Überlebenskampf

Kommentar | Thomas Mayer
10. November 2011, 18:13

Europa kann eines sicher nicht brauchen: Dauerdebatten darüber, ob man die Eurozone (und dann die Union) wieder auflösen sollte

Nach Vorlage der Herbstprognose der EU-Kommission sollte auch den letzten Zynikern klarwerden, was es geschlagen hat: Wir brauchen derzeit vieles - funktionierende Regierungen, entscheidungsfähige Politiker, Sparprogramme und solidarische Finanzminister, mutige Bürger, die trotz allem nicht verzagen.

Nur eines kann Europa auf absehbare Zeit sicher nicht brauchen: Dauerdebatten darüber, ob man die Eurozone (und dann die Union) wieder auflösen, verkleinern oder sonst wie infrage stellen sollte. Genau das scheint die Lieblingsbeschäftigung mancher Glasperlenspieler in volkswirtschaftlichen Instituten oder den Zentralen extremer Parteien zu sein. Gar nicht zu reden von jenen, die ernsthaft glauben machen wollen, in Ländern wie Griechenland, das vom Abstieg auf 1980er-Jahre-Niveau bedroht ist, müsse es ausgerechnet jetzt Volksabstimmungen geben, damit "die Würde der Demokratie bewahrt" werde, wie der Spiegel jüngst etwas schwülstig vermerkte.

In guten Zeiten mag man über all das reden. Aber die bittere Wahrheit heute ist einfacher: Wir können uns das schlicht nicht leisten. Die Union schlittert nach 2008 gerade wieder in Richtung Rezession - sogar Deutschland, dessen Abstand zu Frankreich wächst. Das wird andere Länder nahe an den Zusammenbruch bringen. In diesem Überlebenskampf müssen die Staaten zusammenhalten, nicht spalten. Alles andere wäre politischer Wahnsinn. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.11.2011)

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würdelose verachtung der demokratie und der menschenwürde

nach erik frey, dem "anti-demokraten vom dienst", reiht sich nun ein weiterer kommentator in die reihe der herabwürdiger und geringschätzer der demokratie ein.

was einst ein standard war, verkommt zusehend zu einem würdelosen niveau, wo demokratie bereitwillig in einen luxusartikel umgedeutet wird, auf den in krisenzeiten im interesse der märkte verzichtet werden soll.

übrigens: es war jürgen habermas, der in der faz "rettet die würde der demokratie" eingefordert hat. bei lendvai nachlesen!

maniküre um 46.000 euro....

diese headline habe ich heute in einer anderen zeitung gelesen...
kurz: es ist mehr als genug geld vorhanden. es ist sogar SOVIEL geld vorhanden, dass der lagerplatz dafür kaum ausreichend ist!

und in diesem zusammenhang verstehe ich auch nicht die arroganz der "mehr demokratie"-schreier: IHR habt in der vergangenheit mit euren demokratischen entscheidungen total versagt! (ja, wir alle zusammen haben leuten die existenz gesichert, die sich solch eine maniküre 'gönnen'!) und jetzt wollt ihr mehr? ihr seid doch die ersten, die ihre wahlentscheidung davon abhängig machen, wer ihnen eine tolle maniküre zum halben preis verspricht!

versager sollten nicht fordern sondern als erstes mal demütig über eigene fehler nachdenken!

Was hättens denn lieber: Eine faschistische oder eine kommunistische Diktatur?

Man sollte den Spiegel langsam ignorieren. Die schreiben wirklich alles, was dem Euro irgend wie schaden könnte. Und dabei verhalten sie sich journalistisch verantwortungslos - ich erinnere an zig Eskalationsheadlines, dass jetzt aber wirklich, endlich... jede einzelne am nächsten Tag widerlegt.

beschämende demokratiefeindlichkeit ...

... eines standardmitarbeiters in der position "chef vom dienst" ... mir fehlen die worte ...

Manche Politiker glauben die Wirklichkeit gescheiterter Partnerschaften überlisten zu können, indem sie im Zivilrecht keine Scheidung zulassen. Manche Kommentatoren glauben, das funktioniert bei Staatengemeinschaften genauso: "Schließt die Augen, fasst Euch an den Händen und singt Kumbaya und alles wird gut! Gemeinsam sind wir stärker!" Das funktioniert vielleich, wenn die Gruppe einen Plan hat, wohin's gehen soll und dieser Plan auch den schwächsten Mitgliedern nützt. Was Deutschland und Frankreich im Moment den anderen, schwächeren Mitgliedern auferlegen, hilft ihnen nicht. Das sehen immer mehr so und deswegen werden immer mehr EU-Staaten zum Schluss kommen: Jeder ist sich selbst der Nächste, nach mir die Sintflut!

Europa ist bettelarm und die meisten Menschen haben nicht genug zu essen. Die Menschen träumen von Schuhen ohne Löcher und einem zweiten Paar Socken.

verstehe. vor zwei jahrzehnten hiess es noch, das wirtschaftssystem würde uns alle reich und wohlhabend machen. jetzt sollen wir bereits mit fünf paar socken zufrieden sein.
vielleicht lernen wir einmal, dass man den versprechungen der eliten nicht glauben kann...

Wir in Europa sind bereits reich.

Ja, Volksabstimmungen sind kein Allheilmittel - schon gar nicht in wirschaftlich sehr schwierigen Zeiten.

Österreich: 1994 - EU-Beitritt - gute Konjunktur
1978 Zwentendorf - Hochkonjunktur - könnte man sich heute vorstellen, dass man ein Milliardenprojekt einfach so verrotten lässt?
1938 - Anschluss an Deutschland - Wirtschaftskrise

Man stelle sich vor - man hätte Anfang 45 abstimmen lassen:

A: bedingungslose Kapitulation, 10jährige Besatzung durch alliierte Truppen, aufgezwungene Neutralität

B: doch weiterprobieren, bis zum Endsieg

1978 war nicht für oder gegen Zwentendorf, das war Schwarz gegen Rot

Ich stimme dem Auto voll und ganz zu!

Die Krise in Europa dient wieder einigen von ganz Links und ganz Rechts dazu die EU schlecht zu reden. Die EU als Friedens- und Wirtschaftsprojekt steht für jeden vernünftigen Menschen außer Frage. Jedes Mitglied der EU profitiert von offenen Grenzen, dem gemeinsamen Markt, Investitionen in die gemeinsame Infrastruktur und dem freien Personenverkehr. Der Euro ist und bleibt ein großartiges Projekt und er wird es auch bleiben! Die EU wird gestärkt aus der derzeitigen Krise hervorgehen, da die staatsübergreifenden Kontrollmechanismen gestärkt werden. Die Kleingeister von weit Rechts und weit Links interessieren doch eh niemanden.

...und diese ganzen schönen Dinge, für die ihre EU steht, diktieren uns jetzt den Endkampf, damit sie dann gestärkt wieder auferstehen. Das hat doch einen Haken und das hatten wir alles schon.

Ich stimme der Aussage schon zu. Nur muss sich die EU auch überdenken. Diese ungeheure Verschwendungssucht, Stichwort Umzug von Brüssel nach Straßburg und Retour, versumperte Milliardenbeträge, exremer Lobbyismus, größenwahsinnige Politiker, uvm...

Das alles, gemeinsam mit den Extrawürsten einiger Länder, gehört über Bord geschmissen. Weiters sämtliche Justiz und Steuergesetze vereinheitlichen, und alle Macht in die Hände der EU legen. Regierungen sämtlicher Länder fristlos kündigen und das Beamtentum entschlacken.

Sämtliche Fürstentümer und sonstige Steuerparasiten auf EU Linie zwingen, ansonst einfach aushungern, oder im Notfall einmaschieren.

Das dadurch freiwerdene Geld ans Volk zurückführen.

Entweder ganz oder gar nicht.

Die Lösung

Die Lösung ist das Weltbankensystem komplett zu Verstaatlichen, das heißt Eine einzige Globale Agentur unter Führung einer Expertengruppe aus ALLEN Demokratien der Welt. Mit der Lizenz zum endlosen Gelddrucken. Diese Agentur könnte den Wohlstand Globalisieren und ein neues Zeitalter einläuten. Radikale sowie Diktatorische Staaten und Staaten die nichts ausser Nein sagen können müssten dann allerdings aus diesen Block ausgeschlossen werden. Sollten Rohstoffreiche Staaten unter den ausgeschlossenen darunter sein müsste man diese vorher noch enteignen. Auf diese weise könnte man durchaus eine Weltumspannende Leistungsgesellschaft gründen mit einem Existenzminimum für jeden Erdenbürger.

sicher

braucht es ein geeintes europa. aber wir sollten uns mal langsam alternativen zum ewigen wachstum überlegen. ich frag mich wieso brauchen wir umbedingt jedes jahr wachstum wachstum wachstum. wir sollten besser mal anfangen das erreichte anständig und im interesse aller zu verwalten...

Vor ein paar Jahren hätte man so einen

Kommentar im Standard am 11.11 noch als Faschingsscherz betrachtet.

Mittlerweile ist diese Zeitung, die mal mit dem Anspruch eine Qualitäszeitung zu sein, gegründet wurde, zu einem Sammelbecken für Antidemokraten übelster Sorte verkommen.

Ja wie grauenhaft, da steht unter KOMMENTAR eine Meinung, die du nicht lesen willst. Pfui, gleich Abo kündigen und die Krone bestellen, da steht nur drin, was den Stammtisch bewegt.

der stammtisch der neoliberalen befindet sich allerdings hier.

Weil's drei oder vier Poster von ein paar tausend gibt, die nicht ins Katastrophengeheul und lösungslose Forderungen nach einer 'besseren Welt' (die aber bitte wer anderer macht) einfallen?

Wenn das neoliberal ist, dann hole ich mir morgen meinem Mitgliedskarte ab.

Ihre schwächlichen "argumente" wie "bessere welt, die aber bitte ein anderer machen soll", zeigen, dass sie bereits mitglied sind.
und dass sie die durch und durch antidemokratische brisanz in obigem propagandakommentar gar nicht erkennen, ist ein weiterer beleg für Ihre mitgliedschaft.

Der Unterschied zwischen uns beiden ist, dass ich differenzieren kann. Der Mayer hat schon Recht: Man KANN über Entscheidungen, die innerhalb von Stunden fallen müssen, nicht abstimmen lassen. Wenn GR in einer Woche pleite ist und ganz Europa drei Jahre lang darüber abstimmt, ob und was man unternehmen kann (mit jeder Menge populistischem Gekreisch natürlich), dann kann das nicht zusammenpassen.

Papandreous Volksabstimmung als 'Demokratie' zu sehen, ist außerdem an Naivität nicht mehr zu überbieten - und ebenso der Glaube, dass direkte Demokratie in irgend einer Weise gerechter ist als indirekte.

Demokratie gut und schön, aber in Notfällen, auch wenn sie Hausgemacht sind, kann man nicht zuerst das Volk fragen.

Rede mit zehn Leuten, und du hörst elf verschiedene Meinungen. Allerdings würden uns mehr Volksabstimmungen für zukünftige, längerfristige Entscheidungen schon gut zu Gesicht stehen, keine Frage.

die westliche Wohlstandsgesellschaft lebt über ihren Verhältnissen, kommt in der Globalisierung mehr und mehr unter Druck und vor allem: Sie ist noch nicht so weit einzusehen, dass bei jedem (auch bei einem selbst) Zugeständnisse notwendig werden.

Man sollte sich nicht länger die lächerliche Illusion machen, staatliche und schuldenfinanzierte Sozial- und Konjunkturprogramme könnten die Probleme lösen, oder mit dem Finger auf die Bösen (Finanz, Kapitalismus, EU, ...) zu zeigen, sondern zur Krise stehen und die Konsequenzen akzeptieren. Dann wäre Europa wieder ein Vorbild!

Wie soll man sich das "zur Krise stehen" bildlich vorstellen?

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