Weitere Fehler an der Uni-Klinik Innsbruck

10. November 2011, 18:11
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Sechs Kinder wurden möglicherweise falsch behandelt, im Mittelpunkt steht weiter das Narkosemittel Propofol

Innsbruck - An der Kinderklinik soll es in den vergangenen Jahren zu einer "endlosen Fülle von Behandlungsfehlern" gekommen sein: Die Vorsitzende der "Elternplattform Kinderklinik" , Gabriele Fischer, berichtete am Donnerstag von zwei weiteren betroffenen Kindern. Ein 16 Monate altes und ein dreijähriges Kind sollen beiRoutineeingriffen mit Propofol sediert worden sein. Der Dreijährige sei seither behindert, das andere Kind auf demWeg der Besserung.

Neben Fischer sitzt Abdallah A. vor den Medienvertretern. Er ist der Vater eines schwerstbehinderten sechsjährigen Buben aus Südtirol. Mittlerweile habe sich die Familie auf den Zustand des Sohnes eingestellt. "Wir werden ihm einige lebenstechnische Dinge beibringen" , sagt A.: "Aber er wird niemals ein eigenes Leben führen." Ashraf war mit neun Monaten wegen schwerer Verbrühungen durch heiße Marmelade in die Klinik eingeliefert worden.

Fall wird neu aufgerollt

Fischer zitiert aus dem Gutachten: "Ein nachweislich gesundes Kind ist nach Verbrennungen zu einer Standardoperation in die Klinik gekommen. Danach wurde es 14 Tage im künstlichen Tiefschlaf gehalten." Anschließend sei Methadon für den Schmerzmittelentzug gegeben worden. Auch Propofol sei Ashraf verabreicht worden; der Krankenhausbetreiber Tilak bestätigt dies. Das Mittel sei lediglich für die Narkose für die Hauttransplantation verwendet worden. Die Tilak wird den Fall aus dem Jahr 2006 jedoch neu aufrollen und untersuchen, erklärt Klinik-Sprecher Johannes Schwamberger.

Erst Ende Oktober war ein dreijähriges Mädchen gestorben. Das Kind war mehr als 46 Stunden mit Propofol sediert worden. Das Kind hatte beim Spielen Klebstoff verschluckt. Nach einem Multiorganversagen auf der Intensivstation konnte von der Klinik nicht dargelegt werden, warum das Kind so lange im künstlichen Tiefschlaf gehalten worden war. Verschiedene Untersuchungen hätten sich verzögert, Berichte stünden noch aus.

Insgesamt sind sechs Kinder von möglichen Behandlungsfehlern in der Klinik betroffen. Neben internen Untersuchungen der Tilak und der Patientenanwaltschaft ermittelt die Staatsanwaltschaft. Im Mittelpunkt steht das Narkosemittel Propofol. Dieses ist für eine längere Sedierung bei Kindern unter 16 Jahren allerdings nicht zugelassen. Die Innsbrucker Klinik hat Propofol mittlerweile verboten. Der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter (VP) fordert eine Strukturreform an der Klinik. Die Ausgliederung der Med-Uni aus der Stamm-Uni sei ein Fehler gewesen. (Verena Langegger, DER STANDARD-Printausgabe, 11.11.2011)

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